15.33 Uhr. Grosse Anspannung bei der Thuner Mannschaft in der Lounge der Stockhorn-Arena. Geschlossen verfolgt sie mit ihren Angehörigen das Spiel von Konkurrent St. Gallen gegen Sion. 4'000 Fans fiebern im Stadion mit. Auf der grossen Leinwand sehen sie, wie die Walliser zu einem Eckball kommen. Théo Berdayes steigt nach einem Eckball hoch und erzielt das 3:0 für Sion. Jetzt müsste St. Gallen in einer Viertelstunde noch vier Tore erzielen, um noch eine Titelchance zu haben. Der Thuner Coup wird nun richtig greifbar. Die ersten Meister-Sprechchöre ertönen in der Stockhorn-Arena, die Sensation liegt in der Luft.
15.50 Uhr. Die Thuner Mannschaft verfolgt nun Arm in Arm die Nachspielzeit. Jubel brandet auf, als im TV der Bildschirm geteilt wird und sich die Berner Oberländer plötzlich selber erkennen. Die letzten 30 Sekunden laufen, gespannt schauen die Spieler auf den Bildschirm. Lustrinelli ergreift das Wort: «Montag?», fragt er in die Runde. «Frei!», jubeln die Spieler. «Dienstag?», «Frei!». «Mittwoch?», Frei!». «Donnerstag?», «Frei!». «Freitag?», «Frei!». «Sonntag?» Die Antwort fällt etwas zögerlicher: «Match!»
15.52 Uhr. Schlusspfiff in St. Gallen. In Thun brechen alle Dämme. Oben in der Lounge fallen sich die Meister-Helden um den Hals, es gibt eine Jubeltraube. Rundherum klatschen Staff-Mitglieder und Angehörige. 1898 wurde der FC Thun gegründet. Nun ist der erste grössere Titel der Vereinsgeschichte Tatsache – und dies als Aufsteiger. Eine Sensation. Trainer Mauro Lustrinelli, Sportchef Albrecht und Präsident Andres Gerber liegen sich in den Armen. Gerber ist überwältigt, muss den Raum mit Albrecht kurz verlassen, um die Emotionen zu verarbeiten. Das ganze Stadion feiert. Die Spieler öffnen auf der Tribüne die ersten Champagnerflaschen.
16.00 Uhr. Nun gehts runter zu den Fans. Spieler und Staff lassen sich vor dem Block Süd feiern. Oben in der Lounge gibt Jan Bamert ein erstes Sieger-Interview – mit feuchten Augen. Er ist gerührt und sagt: «Nach aussen halte ich mich noch gut, im Inneren siehts anders aus. Familie, Freunde, sind hier. Und viele Spieler, mit denen ich in den letzten Jahren viel erlebt habe.» Dann gehts sofort runter.
16.05 Uhr. Die Fans überreichen ihren Meisterhelden einen gebastelten Pokal, es folgen die nächsten Champagner- und Bierduschen. Die beiden Thuner Leader Marco Bürki und Leonardo Bertone steigen vor der Kurve auf das Gitter und heizen ein. Dann steht auch Mauro Lustrinelli im Mittelpunkt. Sprechchöre für den Meistertrainer. Eine feuchtfröhliche Angelegenheit. Das Team streift die vorgedruckten Meister-Shirts über. Bei den ersten Interviews kämpfen Bürki und Co. mit den Tränen.
16.30 Uhr. Jetzt gehts rüber zur Haupttribüne. Es gibt eine spontane Spielerpräsentation. Einzeln werden die Spieler und Trainer Lustrinelli aufgerufen und nach unten aufs Feld zu den Fans gebeten. Rastoder hat sich den Papp-Pokal geschnappt, Bamert steht an vorderster Front und schüttet den vorbeilaufenden Mitspielern Bier nach. Auch der am Kreuzband verletzte Montolio ist dabei, er mit seinen Krücken eine Welle mit den Fans.
16.48 Uhr. Präsident Andres Gerber (53) ergreift das Mikrofon. «FC Thun, Schweizer Meister. Ist das wahr? Stellt euch mal vor: Es ist nicht YB, nicht Basel, nicht Züri, sondern niemand anders als der FC Thun.» Riesiger Applaus bei den versammelten Fans. Dann bedankt sich Gerber speziell bei Sportchef Dominik Albrecht. Der Baumeister des Meisterkaders tritt in den Vordergrund, umarmt mit Gerber seinen langjährigen Weggefährten und macht mit den Fans die Welle.
16.57 Uhr. Jetzt beginnt der Marsch in die Stadt. Die Fans strömen nach der Spielerpräsentation zum Stadionausgang. Es geht zum Rathausplatz. Dort, wo vor einem Jahr und einem Tag die Aufstiegsfeier gestiegen ist. Die Mannschaft wird später mit dem Bus anfahren.
17.03 Uhr. Vor den Katakomben steht Kastriot Imeri im Blick-Interview. Ein Fan gesellt sich zu ihm, er nimmt ihn für das Interview in die Arme. «Ich bin letzten Sommer nach der komplizierten Jahren mit vielen Verletzungen hierher gekommen, um Spielpraxis zu bekommen. Gewonnen habe ich viel mehr als das.»
17.15 Uhr. Es ist ruhig geworden in der Stockhorn-Arena. Während noch einige Thuner mit Interviews beschäftigt sind, schnappen sich andere Meister-Fussballer einen Ball und begeben sich zurück auf den Rasen. Valmir Matoshi, Michael Heule und Co. toben sich aus, schieben einander Tunnels und schreien vor Freude. Wie früher auf dem Bolzplatz.
17.30 Uhr. Lustrinelli gibt oben auf der Tribüne geduldig seine Meister-Interviews. «Von Montag bis Freitag frei – stimmt das?», will Blick von ihm wissen. «Es geht in dieser Richtung», sagt Lustrinelli mit einem Augenzwinkern. Plötzlich ertönen Schreie. Klub-Legende Nelson Ferreira (43), heute Stürmertrainer, ruft nach dem Coach. Dieser schmunzelt. Dann gleich nochmals. Lustrinelli muss weiter zur Party.
17.43 Uhr. Vom Stadion aus ist nun der Bus ersichtlich, der das Team später in die Stadt zu den Fans fahren wird. Und siehe da: Der Bus hat schon eine Meister-Bemalung! «Aacho, abgliferet, abgruumt!» steht als Schriftzug darauf. Gleichzeitig kommen immer mehr Fans in der Stadt an.
18.15 Uhr. Der Bus ist abfahrbereit. Staff und Spieler steigen tröpfchenweise ein. Bald geht die rund zehnminütige Fahrt in die Innenstadt los. Dort ist schon jetzt der Teufel los – es gibt auf der Strasse ein lautes Hupkonzert. In der Stadt wird schon das Meisterbier verkauft.
18.41 Uhr. Der Bus mit den Meisterhelden kurvt hupend um die Ecken der Altstadt und kommt beim Rathausplatz an. Im Inneren feiern die Spieler. Begleitet von tosendem Applaus und Fanliedern wird das Team empfangen. Der ganze Platz ist Rot und proppenvoll. Das Team bahnt sich durch die Fanmenge einen Weg bis zur Mitte des Platzes. Einen Balkon gibts nicht – das ist aber kein Problem. Das Team beschlagnahmt den Brunnen und werden ihn stundenlang nicht mehr hergeben.
19.05 Uhr. Im Pyro-Rauch nimmt die Party immer mehr Fahrt auf. Meichtry, Matoshi und Franke sind die drei, die auf dem Brunnen ganz oben stehen. Das Team ist in und um den Brunnen um sie herum versammelt. 360 Grad um sie herum die Fanmenge. Lieder werden angestimmt, die Spieler singen mit. Viele von ihnen mit Sonnenbrille und Bier in der Hand – und der Papp-Meisterkübel macht die Runde. Er geht in die Brüche, also setzt sich Bamert den unteren Teil als Hut auf.
19.07 Uhr. Nun ergreift Marco Bürki das Mikrofon. Der Thuner Captain hält trotz gebrochener Stimme eine flammende Ansprache. So, wie er sein Team jeweils vor den Spielen heiss macht. Die Fans feiern ihn dafür. Danach hüpft der ganze Platz.
19.20 Uhr. Ausgelassene Stimmung auf dem Rathausplatz. Spieler und Fans tanzen zu Hits wie «Sweet Caroline» und feiern den ersten Titel seit der Gründung vor 128 Jahren. «Einfach geil, sensationell», schreit ein überglücklicher Fan ins Blick-Mikrofon. Brighton Labeau gilt als Stürmer auf dem Feld als ein sehr ruhiger Typ. Nun entpuppt sich der Nati-Captain der Karibikinsel Martinique als Partymacher. Imeri gehört mit seiner roten Sonnenbrille und seinen ausgefallenen Schuhen auch zu diesem Schlag.
19.33 Uhr. Jetzt ertönt der obligate Song: «We are the Champions!» Der ganze Platz singt mit. Später führen Christopher Ibayi und Valmir Matoshi einen Paartanz auf. Die Feierlichkeiten gehen eine Stunde lang so weiter.
20.45 Uhr. Die Musik auf dem Rathausplatz geht aus. Viele sind schon weitergezogen. Der Platz leert sich langsam. Die Party ist aber noch lange nicht zu Ende. Sie verschiebt sich nun definitiv in die unzähligen Bars. Die Stadt hat eine Freinacht bewilligt. Die Spieler mischen sich unter die Fans und tauchen ab.
22.15 Uhr. Die Strassen in der Altstadt sind voll, die Bars ebenfalls. Dass es Sonntagabend ist, interessiert hier kaum jemand. Auf dem Mühleplatz an der Aare, ein Zentrum der Feierlichkeiten, kommt man in den Fanmengen noch immer kaum durch. Und dann melden sich erste Spieler aus den Bars. Genis Montolio (29) zeigt sich schon oben ohne. Mit der Kreuzbandriss-Diagnose erlebte er vor ein paar Tagen ein persönliches Drama – dieses ist nun aber sehr weit weg.
1.00 Uhr. Nun nimmt der Trubel in der Stadt nimmt langsam ab. Wie man zu Ohren bekommt, haben aber viele noch lange nicht genug. Es gibt auch Spieler, die bis zum Morgengrauen weiterfeiern.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 35 | 35 | 74 | |
2 | FC St. Gallen | 35 | 22 | 63 | |
3 | FC Lugano | 35 | 14 | 63 | |
4 | FC Sion | 35 | 21 | 58 | |
5 | FC Basel | 35 | 6 | 56 | |
6 | BSC Young Boys | 35 | 3 | 48 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 35 | 6 | 46 | |
2 | Servette FC | 35 | 4 | 46 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 35 | -9 | 42 | |
4 | FC Zürich | 35 | -21 | 35 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 35 | -28 | 27 | |
6 | FC Winterthur | 35 | -53 | 20 |

