Kohle, Assistent, Vertrauen
Darum geht es im Poker um Nati-Trainer Yakin

Bleibt Murat Yakin Nati-Trainer oder bleibt er nicht? Und was passiert mit Assistent Giorgio Contini? Will der SFV an Bewährtem festhalten, muss er tief in die Tasche greifen.
Publiziert: 09.07.2024 um 18:30 Uhr
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Aktualisiert: 09.07.2024 um 19:10 Uhr
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Zusammen in eine gemeinsame Zukunft?

Der Poker um die Zukunft von Murat Yakin (49) als Nati-Trainer hat begonnen. Nachdem die Gespräche im Frühjahr über eine Vertragsverlängerung nicht gefruchtet haben, Yakin das Angebot des SFV ablehnte und ohne neuen Vertrag in die EM stieg, sagte Nati-Direktor Pierluigi Tami: «Wenn er an der EM Erfolg hat, wird es für den Verband teuer.» Zumal Tami immer betonte, dass Yakin sein «Plan A» sei.

Dieser Fall ist nun eingetreten. Yakin und Co. haben an der EM abgeliefert. Am Dienstag um 10 Uhr sind die Verhandlungen aufgenommen worden. Eine Carte Blanche hat Yakin zwar nicht, SFV-Präsident Dominique Blanc sagte vor dem EM-Start: «Wir kennen unsere finanzielle Limite und diese kennen auch unsere Gesprächspartner.» Dennoch stieg der Nati-Trainer mit sehr guten Karten in die Gespräche, in denen es vor allem um folgende Punkte geht:

Finanzielles

Yakin verdiente bislang geschätzt 750'000 Franken (plus Prämien) pro Jahr. Nun kann er deutlich mehr fordern, weil der Verband weder nach der trotz der 1:6-Schlappe gegen Portugal guten WM in Katar sowie auch nach der mit Ach und Krach geschafften EM-Quali im letzten November den Vertrag nicht verlängern wollte. Nun wird und darf Yakin eine saftige Lohnerhöhung fordern. Bei 1,2 Millionen pro Jahr (plus Prämien) wäre er in etwa in der Region, die einst Ottmar Hitzfeld kassiert hat. Neckisches Detail: Dem Vernehmen nach soll sich im Frühjahr 2023 die Möglichkeit ergeben haben, den Vertrag mit Yakin zu vergleichbaren Konditionen wie bis anhin zu verlängern. Eine Gelegenheit, auf die der Verband verzichtete. Vom Lohn, den der letzte Nati-Trainer Vladimir Petkovic in seinen letzten Amtsjahren eingeheimst hat, wäre Yakin aber noch weit entfernt. Nach der dritten Vertragsverlängerung mit dem Verband kassierte Petkovic für die letzten zwei Jahre bei der Nati rund drei Millionen Franken.

Möglich wäre auch, dass Yakin auf eine Klausel pocht, die bei erfolgreicher WM-Quali seinen Vertrag automatisch um eine nächste Kampagne (bis EM 2028) verlängern würde. Damit würde er pro Jahr zwar etwas weniger kosten, allerdings wäre dies aus Sicht des SFV ein riskanter Deal, da 2025 Präsident Blanc abtritt und nach der WM 2026 Tami pensioniert wird. Es ist nicht anzunehmen, dass die beiden ihren Nachfolgern einen für mehrere Jahre weiterlaufenden Nati-Trainer-Vertrag hinterlassen wollen.

Assistent Giorgio Contini

Von der erfolgreichen EM darf sich auch Giorgio Contini (50) eine dicke Scheibe abschneiden, war er doch die ideale Ergänzung zu Yakin. Der Winterthurer hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er mittelfristig wieder Cheftrainer bei einem Klub sein möchte, allerdings hat er vor der EM auch angetönt, dass er gerne weitermachen würde. Die Frage ist, zu welchem Preis. Auch er darf eine Lohnerhöhung fordern und auf einen mittleren sechsstelligen Lohn (inklusive Prämien) hoffen.

Die Frage ist, was passiert, wenn er im Lauf der nächsten Monate eine interessante Klubofferte erhält. Eine Ausstiegsklausel wäre ein mögliches Mittel, allerdings ist ohnehin nicht anzunehmen, dass der SFV einem Schweizer Trainer Steine in den Weg legen würde, sollte diesem ein interessantes Angebot ins Haus flattern. Mit den ausführlichen Lobeshymnen, die die Verbandsoberen in den letzten Tagen auf Contini gesungen haben, haben sie ihre Verhandlungsposition sicher nicht gestärkt.

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Weiche Faktoren

Yakin hat in den letzten Wochen mehrmals betont, dass ihm das Vertrauen wichtig ist. Auch er weiss, dass im letzten Herbst nicht alle im Verband ihm den Rücken gestärkt haben und er von Tami selbst öffentlich angezählt wurde. Zudem wird er auch in anderen Bereichen, wenn es um organisatorische Dinge oder um die Staff-Zusammensetzung geht, mehr Mitspracherecht einfordern. Der Basler macht aber kein Geheimnis daraus, dass er gerne weitermachen würde, auch wenn eine finanziell deutlich lukrativere Offerte hereinflattern sollte. Der Vater zweier Töchter lebt mit seiner Familie im Raum Zürich, der Alltag als Nati-Trainer ist weniger stressig als derjenige eines Klub-Trainers. Und qualifiziert er sich mit der Nati für die WM 2026, wird er auf dem Markt noch immer interessant sein. Zudem weiss er mit Granit Xhaka den wichtigsten Fürsprecher hinter sich. Und das Kader hat im Hinblick auf die WM 2026 Potenzial.

Unter dem Strich

Fakt ist: Will der SFV das Duo Yakin/Contini halten, muss er tief in die Tasche greifen und an seine Schmerzgrenze gehen. Dass Yakin weitermachen würde, auch wenn sich der Verband mit Contini nicht einigen könnte, ist anzunehmen. Falls es zwischen dem SFV und Yakin nicht zu einem neuen Vertrag kommen sollte, wäre das nach den Aussagen der letzten Tage eine grosse Überraschung. Vor allem, weil gemäss Blick-Infos die Nati für Yakin erste Priorität hat.

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