«Wenns einer schafft, dann Urs Fischer»
Trainer-Ikone Neururer analysiert den Bundesliga-Abstiegskrimi

Der Bundesliga-Abstiegskampf elektrisiert die Massen, die halbe Liga steckt im Sumpf. Vor dem Re-Start am Freitag analysiert Trainer-Ikone und TV-Experte Peter Neururer (70) den Krimi. Und er verrät, warum es in brenzligen Situationen keinen Psychologen braucht.
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Trainer-Ikone Peter Neururer war bei 16 verschiedenen Vereinen als Coach engagiert.
Foto: imago/Team 2
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Stefan KreisReporter Fussball

Wann immer im deutschen Profi-Fussball ein Trainer entlassen wird, macht eine witzige Fotomontage die Runde. Bundesliga-Ikone Peter Neururer (70), wie er vor dem jeweiligen Stadion aus seinem Porsche steigt. Heiss, um mal wieder den Retter zu spielen.

Kaum ein anderer Trainer hat mehr Erfahrung im Abstiegskampf gesammelt als der Mann aus dem Ruhrgebiet. Bei insgesamt 16 oft kleineren Vereinen war Neururer in seiner Karriere als Coach engagiert. 

Doppelbelastung als Problem

Für Blick nimmt die mittlerweile pensionierte Trainer-Legende den aktuellen Abstiegskampf der Bundesliga unter die Lupe. Und er traut Tabellenschlusslicht Mainz und Neo-Coach Urs Fischer den Ligaerhalt zu: «Wenn es einer schafft, dann er. Er hat bei Union Berlin Grossartiges geleistet. Allein der Aufstieg war schon unglaublich. Und danach war statt Abstiegskampf plötzlich das internationale Geschäft angesagt. Das spricht für seine Klasse.»

Das Problem bei Mainz sei, dass man in der Conference League überwintere, so Neururer. «Wenn du international spielst, dann vergisst du manchmal, dass du gleichzeitig noch im Abstiegskampf steckst. Ich habe eine vergleichbare Situation mit dem VfL Bochum erlebt. Wir spielten international und sind am Ende abgestiegen.»

Ein ähnliches Szenario sei auch bei Mainz möglich, so Neururer. Zumal die 05er das Glück in den letzten Jahren überstrapaziert hätten: «Wunder sind im Fussball eine Seltenheit. Und der Klub hat sich zuletzt zweimal hintereinander in extremis gerettet. Sollte das auch Urs Fischer gelingen, wäre es das dritte Mainzer Wunder in Folge.»

«Ein Psychologe ist die falsche Ansage»

Um der brenzligen Lage zu entkommen, müsse man als Erstes ein «Wir-Gefühl» schaffen, so Neururer. «Jedem einzelnen Spieler im Kader muss bewusst sein, worum es geht. Egal, ob Ersatz- oder Stammspieler. Zudem muss sich die ganze Stadt, die ganze Region hinter den Verein stellen.»

Davon, die Spieler zum Psychologen zu schicken, um die Abstiegsangst zu vertreiben, hält Neururer nichts. «Ein Psychologe als Krisenmanager ist die falsche Ansage. Wenn es jemanden gibt, der die Mannschaft permanent begleitet, also auch im Erfolgsfall, dann ist das meiner Meinung nach völlig ok. Aber in der Krise jemanden dazuzuholen, ist kontraproduktiv. Je mehr ich über Angst rede, desto mehr Angst habe ich. Verdrängen kann man das nur mit einem Erfolgserlebnis.» Das hatte Mainz zuletzt mit einem bemerkenswerten 2:2 auswärts gegen die übermächtigen Bayern.

Es ist ein Punkt, der am Ende Gold wert sein könnte. Vier Zähler beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz. Für die 05er spricht, dass aktuell die halbe Liga im Abstiegskampf steckt. Werder Bremen auf Platz 10 hat bloss fünf Punkte Vorsprung auf den Tabellen-16. St. Pauli. Dazwischen liegen Köln, Gladbach, der HSV, Wolfsburg und Augsburg. Auf dem zweitletzten Rang liegt der logische Abstiegskandidat, der 1. FC Heidenheim. 

Davon, dass die Schwaben aufgrund der nicht vorhandenen finanziellen Mittel die weisse Fahne hissen können, will Neururer aber nichts wissen. «Die werden bis zum letzten Spieltag noch um den Relegationsplatz kämpfen. Weil sie mit Frank Schmidt einen grossartigen Trainer haben. Und auch dann an ihm festhalten, wenn er mal ein paar Spiele in Folge verliert.»

Neururer fordert mehr Geduld

Das geschehe im Grundsatz viel zu selten, so die Bundesliga-Ikone. Oft werden Trainer beim kleinsten Windstoss entlassen. Auch deshalb schliesst der 70-Jährige ein Comeback als Trainer aus. «Für kein Geld der Welt!», sagt Neururer. «Früher waren Trainer noch Trainer. Heute ist man ein Übungsleiter, der jene Spieler aufstellen muss, die einem von Sportvorständen zur Verfügung gestellt werden. Am Ende aber tragen dann doch die Trainer die Verantwortung.»

Dass Neururer vor einem Stadion aus seinem Auto steigt, um einen Klub vor dem Abstieg zu retten, ist aus diesem Grund ausgeschlossen. Über die Fotomontagen kann der 70-Jährige trotzdem lachen. «Zuletzt habe ich eine gesehen, die mich vor dem Vatikan zeigt. Das fand ich ziemlich lustig.»

Bundesliga 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Bayern München
Bayern München
15
44
41
2
Borussia Dortmund
Borussia Dortmund
16
14
33
3
Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen
15
13
29
4
RB Leipzig
RB Leipzig
15
11
29
5
TSG Hoffenheim
TSG Hoffenheim
15
9
27
6
VfB Stuttgart
VfB Stuttgart
15
3
26
7
Eintracht Frankfurt
Eintracht Frankfurt
16
0
26
8
Union Berlin
Union Berlin
15
-3
21
9
SC Freiburg
SC Freiburg
15
-1
20
10
Werder Bremen
Werder Bremen
15
-10
17
11
1. FC Köln
1. FC Köln
15
-2
16
12
Borussia Mönchengladbach
Borussia Mönchengladbach
15
-6
16
13
Hamburger SV
Hamburger SV
15
-9
16
14
VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg
15
-5
15
15
FC Augsburg
FC Augsburg
15
-11
14
16
FC St. Pauli
FC St. Pauli
15
-13
12
17
1. FC Heidenheim 1846
1. FC Heidenheim 1846
15
-21
11
18
FSV Mainz
FSV Mainz
15
-13
8
Champions League
UEFA Europa League
Conference League Qualifikation
Relegation Play-Offs
Abstieg
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