Die 35. Minute im englischen Pokalfinal am 15. Mai 2010 zwischen Chelsea und Portsmouth verändert die Karriere von Michael Ballack (49) schlagartig. Kevin-Prince Boateng setzt zu einer rüden Grätsche an und trifft den damaligen DFB-Captain am Fuss. Ballack erleidet eine schwere Fussverletzung und verpasst damit die WM in Südafrika. Doch nicht nur das: Es ist gleichzeitig auch das Ende in der Nationalmannschaft.
In der Sky-Sendung «Meine Geschichte» spricht der 49-Jährige über die Zeit nach der Verletzung und richtet harte Worte an den damaligen DFB-Coach Joachim Löw (66) und Rechtsverteidiger Philipp Lahm (42).
Rücktritt kam erst 2011
«Die damit verbundenen Monate danach, weil ich das natürlich, also ich sage es ganz deutlich, als ungerecht empfunden habe», antwortet Ballack auf die Frage, ob es die mental herausforderndste Zeit seiner Karriere gewesen sei. Er sei enttäuscht, wie mit ihm umgegangen worden sei. Ihn störte vor allem die fehlende Kommunikation zwischen ihm und dem Bundestrainer.
Denn Ballack wollte seine Nationalmannschaftskarriere noch gar nicht beenden. Löw liess die Tür für eine mögliche Rückkehr lange offen, schloss diese aber erst im Sommer 2011. Brisant: Kurz nach Ballacks Verletzung gab Neo-Captain Lahm ein Interview, in dem er erklärte, dass er die Kapitänsbinde nicht mehr hergeben wolle.
Löw äusserte sich nicht zu diesem Interview – auch das war Ballack ein Dorn im Auge: «Es war kein Alleingang von Philipp Lahm.» Und der 49-Jährige poltert weiter: «Das meinte ich mit ungerecht. Das sind Werte, die ich nicht vertrete.» Die Enttäuschung sei riesig gewesen: «Man hat mir gar nicht die Chance gegeben, wieder hinzuzukommen.»
Zur Aussprache kam es nie
Er hätte sich eine offenere Kommunikation gewünscht, erzählt er. «Dann gebietet es zumindest der Respekt, das, was ich geleistet habe für die Nationalmannschaft, die zehn Jahre vorher, dass man es mir ins Gesicht sagt», so Ballack.
Er habe das Gespräch mit Löw gesucht, zu einer Aussprache sei es aber nicht gekommen. «Für mich war das zu dem Zeitpunkt einfach enttäuschend. Ich habe das eingefordert, aber Jogi Löw ist damals ausgewichen. Er wollte sich, glaube ich, auch eine Hintertür offenlassen. Also, er hat das immer wieder aufgeschoben», vermutet der 98-fache Internationale.
Die Angelegenheit beschäftigt Ballack bis heute. Zu einem klärenden Gespräch mit Löw und Lahm ist es offenbar nie gekommen.

