Alex Frei warnt bei Nati-Star: «… dann ist bei Shaqiri Theater vorprogrammiert»(08:46)

«Jeder muss seine Rolle akzeptieren»
Nati-Boss mit klarer Ansage an Xherdan Shaqiri

Seit 14 Jahren verzückt Xherdan Shaqiri die Fans der Schweizer Nati. An der EM in Deutschland dürfte er nur noch Joker sein. Die Frage ist, wie der stolze Shaqiri mit der neuen Rolle umgeht.
Publiziert: 11.06.2024 um 00:03 Uhr
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Aktualisiert: 11.06.2024 um 10:06 Uhr
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Der ewige Liebling der Fans: Xherdan Shaqiri ist auch bei der Nati-Ankunft im EM-Camp in Stuttgart begehrt bei den Autogrammjägern.
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Sebastian WendelReporter Fussball

Eines hat sich nicht verändert: Betritt Xherdan Shaqiri die Bühne, gehört sie ihm. Seit seinem Debüt für die Nationalmannschaft vor über 14 Jahren, am 3. März 2010, fliegen ihm die Herzen zu. Einmal mehr am vergangenen Samstag in St. Gallen: So laut wie bei Shaqiris Einwechslung wurde es im Kybunpark gegen Österreich (1:1) sonst nie.

23 Minuten durfte Shaqiri an der EM-Generalprobe ran. Dies, nachdem er vier Tage zuvor gegen Estland noch von An- bis Schlusspfiff auf dem Platz gestanden war. «Bei Xherdan müssen wir dosieren. Er kann nicht innerhalb von vier Tagen zweimal 90 Minuten spielen», sagt Murat Yakin. An der EM aber absolviert die Nati ihre drei Gruppenspiele innerhalb von neun Tagen.

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Am EM-Aufgebot für den mittlerweile 32-Jährigen gab es nie einen Zweifel. Dabei gilt es nüchtern zu betrachten: Wohl jeder andere Schweizer mit dieser fussballerischen Heimat (US-Profiliga MLS), diesen Einsatzzeiten seit Jahresbeginn (726 von möglichen 1260 Minuten) und dieser Produktivität (zwei Penaltytore, ein Assist) wäre nicht ins 26-Mann-Kader berufen worden.

Aber Shaqiri ist kein normaler Fussballer. Er ist hinter Granit Xhaka der Spieler mit den zweitmeisten Einsätzen im Nati-Dress (123), auf der Liste der besten Torschützen rangiert er auf Rang vier – und da ist vor allem seine Bilanz an Endrunden: Seit 2014 hat er an jeder WM und EM getroffen – etwas, das neben ihm nur Cristiano Ronaldo vorweisen kann.

Geniale Shaq-Momente wie das Fallrückziehertor an der EM 2016 gegen Polen oder der Doppelpack im finalen Gruppenspiel an der EM 2021 gegen die Türkei braucht die Nati auch in den nächsten zwei Wochen. Also wie umgehen mit dem genialen, aber nicht restlos fitten Linksfuss?

Shaqiri als Ersatz wenig effektiv

Interessant: Shaqiris Statistik als Joker ist – nett formuliert – ausbaufähig. Bei seinen 15 Einsätzen als Einwechselspieler hat er gerade mal zwei Tore erzielt, den Rest seiner insgesamt 63 Skorerpunkte im Nati-Dress gelangen ihm als Titular.

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Für Alex Frei (44) alles eine Frage der Kommunikation. Der Nati-Rekordtorschütze sagt im Blick-Kick: «Seine Fähigkeiten sind unbestritten, aber die Fitness macht skeptisch – reicht diese für eine EM? Shaq hat es aufgrund seiner Karriere im Nati-Dress verdient, dass man ihm reinen Wein einschenkt: Du spielst 40, 50 oder 60 Minuten. Aber ins Turnier gehen, ihn trainieren lassen und dann nach dem zweiten Gruppenspiel mal mit ihm reden – dann ist Theater programmiert.»

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Alle drei Gruppenspiele mit Shaqiri in der Startelf – das scheint ausgeschlossen. Im zweiten Spiel gegen die massiv verteidigenden Schotten dürfte es mangels Alternativen jedoch kein Vorbeikommen an ihm geben. Spielt Shaqiri von Anfang an, brauche er auch das Vertrauen der Teamkollegen, so Frei: «Ich war auch nicht der lauffreudigste Spieler, aber mit meinen Toren gelang es mir, den Kollegen die eine oder andere Prämie einzuspielen. Da haben sie ein Auge zugedrückt. Beni Huggel ist in den Trainings mit dem FC Basel durchgedreht, wenn ich nur 50 Prozent gegeben habe. Meine Antwort war dann: Heute ist Training, morgen ist Spiel.»

Solange die Leistung im Wettkampf stimme, werde eine gewisse Sonderrolle akzeptiert. Aber, so Frei weiter: «Gegen Ende meiner Nati-Karriere fiel mir das Toreschiessen nicht mehr so leicht. Da verspürte ich gewisse Strömungen, dass da einer nicht mehr so viel rennt.»

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Ins gleiche Horn wie Frei bläst Markus Babbel. Der Blick-Fussballexperte vergleicht Shaqiri mit Deutschlands Thomas Müller: «Beides sind sehr verdiente Spieler. Aber sie sind nicht als Gute-Laune-Bären aufgeboten worden, sondern weil die Trainer der Meinung sind, dass sie sportlich etwas bewirken können. Wenn die Rolle besprochen ist, erwarte ich von Müller und Shaqiri, dass sie diese auch leben. Dass sie die Jungen an die Hand nehmen, ihnen klarmachen, was es heisst, für das eigene Land an einer EM zu spielen. So kann man auch zu einer Art verlängerter Arm des Trainers werden.»

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Shaqiri nur noch Nati-Joker? Vieles deutet darauf hin. Auch die Worte von Pierluigi Tami nach der Ankunft der Schweizer im EM-Camp in Stuttgart. Angesprochen auf die Situation von Shaqiri, sagt der Nati-Direktor: «26 Spieler sind hier. Und wer von ihnen nicht von Anfang an spielt, wird unzufrieden sein. Aber jetzt muss jeder seine Rolle akzeptieren. Wir sind an einer EM, Einzelinteressen haben keinen Platz.» Deutlicher kann die Ansage an Shaqiri kaum sein!

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