Das Spiel
Die Anspannung ist bei Stephan Lichtsteiner hör- und sichtbar. Fürchterlich regt sich der neue FCB-Trainer nach etwas mehr als 20 Minuten an der Seitenlinie über einen ausbleibenden Foulpfiff von Schiedsrichter Lukas Fähndrich auf. Nachdem bereits die ersten zwei Spiele der Bebbi unter seiner Verantwortung mit Niederlagen geendet haben, missrät nun auch im Cup-Viertelfinal in St. Gallen der Start komplett. Nach 53 Sekunden kassiert der Titelverteidiger durch Aliou Baldé bereits das 0:1.
Aufgrund des Gezeigten der Bebbi danach stellt man sich die Frage: Wann genau tritt dieser positive Effekt des Trainerwechsels ein? Lichtsteiner beweist immerhin ein feines Jokerhändchen. Er ersetzt Albian Ajeti durch Giacomo Koloto, einen 18-Jährigen, der erst ein Pflichtspiel fürs Fanionteam des FCB bislang absolviert hat – und in seinem zweiten per Kopf zum 1:1 ausgleicht (65.). St. Gallen wird so für seine Passivität bestraft, kann aber umgehend den Schalter wieder umlegen. Die Belohnung hierfür folgt in der dritten Minute der Nachspielzeit: Carlo Boukhalfa schiesst die Espen in den Halbfinal.
Somit geht für Basel auch das dritte kapitale Spiel innert einer Woche verloren. Neben der Cup-Reise ist auch das Europa-League-Abenteuer bereits zu Ende gegangen. Zudem ist in der Meisterschaft nach der Pleite im Direktduell der Rückstand auf Leader Thun auf vorentscheidende 13 Punkte angewachsen. Entsprechend herrscht dicke Luft bei Rotblau. Nach dem Match begeben sich Captain Xherdan Shaqiri und Trainer Lichtsteiner in die Gästekurve und diskutieren mit einem frustrierten FCB-Fan.
Später erklärt Shaqiri: «Irgendein Fan hat mir etwas gesagt. Ich habe ihm gesagt, er soll ruhig bleiben und die Mannschaft anfeuern bis am Ende. Egal, ob in guten oder in schlechten Zeiten. Aber das gehört dazu. Wir sind ja auch nicht alle happy, wenn wir hier verlieren. Das verstehe ich. Aber auf der anderen Seite soll man als Fan die Mannschaft unterstützen.»
Die Tore
1. Minute, Aliou Baldé, 1:0. Hugo Vandermersch setzt sich rechts aussen gegen Dominik Schmid durch. Im FCB-Strafraum steht Aliou Baldé total blank. Der FCSG-Stürmer kann den Ball annehmen, ein paar Schritte aufs Tor machen, bevor er dann Mirko Salvi mit einem Lupfer bezwingt.
65. Minute, Giacomo Koloto, 1:1. Léo Leroy findet auf der rechten Seite Bénie Traoré. Dieser flankt ins Zentrum, wo Giacomo Koloto unbedrängt aus fünf Metern zum Basler Ausgleich einnickt. Verteidiger Jozo Stanic hebt das Offside auf.
90.+3. Minute, Carlo Boukhalfa, 2:1. Der von Dominik Schmid abgelenkte Ball nach einer St. Galler Hereingabe landet vor den Füssen von Carlo Boukhalfa. Es folgt ein flacher Linksschuss, bei dem Mirko Salvi nur tatenlos hinterherschauen kann.
Der Beste
Carlo Boukhalfa. Er ist zwar nicht der Chef im St. Galler Mittelfeld. Aber er schiesst halt das Siegtor in der Nachspielzeit und lässt das Stadion explodieren.
Der Schlechteste
Eine Halbzeit zum Vergessen für Albian Ajeti. Danach muss der FCB-Stürmer zuschauen, wie der 18-jährige Giacomo Koloto das macht, was ihm nicht mehr gelingen will: ein Tor schiessen.
Die Stimmen
Xherdan Shaqiri (Basel) gegenüber SRF: «Natürlich sind wir sehr enttäuscht. St. Gallen hats verdient. Von uns kam offensiv zu wenig. Sie schiessen das entscheidende Goal, damit müssen wir leben. Alles müssen wir noch nicht abschreiben, in der Meisterschaft ist schon noch was möglich.»
Carlo Boukhalfa (St. Gallen) gegenüber SRF: «Jeder, der auf dem Platz war, ist ein Held – und jeder, der auf der Bank war. Wir haben nicht unverdient gewonnen. Ich habe vor meinem Goal ein paar Mal daneben geschossen, das hat mich brutal geärgert, deshalb bin ich brutal froh, ist der letzte Schuss reingegangen.»
Stephan Lichtsteiner (Basel-Trainer) gegenüber SRF: «In der ersten Halbzeit sind wir zu wenig in diese Situationen gekommen, die wir haben wollten. In der zweiten wars besser. Solch eine Phase gehört zum Fussball. Es ist im Moment sehr schwer für uns. Aber wir haben die Qualität, um da wieder rauszukommen.»
Daniel Stucki (Basel-Sportchef) gegenüber SRF: «Wir haben zuvor schon zwei Big Games verloren, jetzt das dritte. Das ist bitter. Stephan Lichtsteiner macht gute Arbeit, er ist aber kein Zauberer.»
Das gab zu reden
Die Ansprüche in St. Gallen sind gestiegen. Das hat auch Lukas Görtler nach dem 2:2 in Luzern mitbekommen. Wobei der Captain der Ostschweizer sich in einen Disput mit einem Fan verwickeln liess. Im «St. Galler Tagblatt» hat Görtler erklärt, was ihn stört: «In den vergangenen 100 Jahren hat der FC St. Gallen drei Titel gewonnen. Wenn er nicht damit umgehen könne, dass es hier Höhen und Tiefen gibt, soll er Fan des FC Bayern werden.» Gut gebrüllt. Und jetzt hat Görtler mit seinen St. Gallern ja die Chance, den vierten Titel in die Ostschweiz zu holen.
Die Fans
Der Cup zählt etwas in der Ostschweiz. 16'955 füllen den Kybunpark und sind von der ersten Sekunde an voll da. Gut, das ist auch einfach, bei einer Führung in der ersten Minute. «Wir haben uns vorgenommen, die Fans mitzunehmen. Das Stadion bebt», sagt Lukas Daschner in der Pause zu SRF. Die St. Galler Spieler erreichen ihr Ziel.
Die Schiris
Lukas Fähndrich lässt zu Beginn sehr viel laufen, dann wird er zwischenzeitlich zum Kleinkrämer, nachdem ihm Xherdan Shaqiri die Meinung gegeigt hat. Insgesamt lässt er ein flüssiges Spiel zu, müsste aber wohl in der 89. Minute Jozo Stanic mit Gelb-Rot vom Platz stellen, nachdem dieser Giacomo Koloto geklammert hat.
So gehts weiter
Die Halbfinalduelle im Schweizer Cup finden am 18. und 19. April statt. St. Gallen kriegt es auswärts mit Challenge-Ligist Yverdon zu tun, während das unterklassige Stade-Lausanne-Ouchy im heimischen Stadion GC herausfordert.





