Darum gehts
- Spieler sind am Boden zerstört
- Trainerwechsel brachte keine Wende, Lichtsteiner beklagt den dichten Spielplan
- Jungstar Koloto (18) trifft, Hoffnung auf Einsatz im nächsten Spiel
Als Erster kommt Flavius Daniliuc (24). Dem Österreicher ist schon an seinem Gang anzusehen, wie sehr es nach der 1:2-Niederlage seines FC Basel beim FC St. Gallen in ihm arbeitet. Es ist klar: Da tritt ein junger Mann vor die Medien, der gerade ein dunkles Tal durchschreitet.
«Ich glaube, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schwer es für einen Spieler ist, das erst einmal mental zu verarbeiten», sagt der FCB-Verteidiger in der Nacht auf Donnerstag: «Du bereitest dich auf drei Endspiele vor. Und dann gehst du mit drei Niederlagen raus.»
«Hätte nicht gedacht, dass es so hart wird»
Es ist ein brutal ehrlicher Auftritt. Einer, der zeigt, wie tief die Krise gerade ist, in der die Basler stecken. Und wie gross die Ratlosigkeit. «Ich habe mir selber Ziele gesetzt, als ich hierherkam», sagt Daniliuc. Und: «Ich hätte nicht gedacht, dass es so hart werden kann.»
Vermutlich gilt diese Aussage auch für Stephan Lichtsteiner (42). Die FCB-Führung hat gezockt, als sie ihn anstelle des geschassten Ludovic Magnin (46) eingesetzt hat. Weil von Anfang an klar war, dass der Neue an der Seitenlinie gar keine Möglichkeit haben würde, dem Team irgendeine neue Idee mit auf den Weg zu geben. Wie auch – bei drei Endspielen innerhalb von sieben Tagen?
«Er hat die schwierigste Phase erwischt», sagt Daniliuc über seinen neuen Vorgesetzten: «Er ist gekommen und musste liefern. Dabei hatten wir gar keine Zeit, etwas vorzubereiten. Wenn ich denke, dass er erst zwei Tage vor dem Pilsen-Spiel angekommen ist.»
Die Basler Hoffnung auf magische Heilung
Natürlich hat das die sportliche Führung um Präsident David Degen (42) und Sportchef Daniel Stucki (44) gewusst, als sie Lichtsteiner ohne jede Vorlaufzeit in das kälteste Wasser geworfen hat, das die Schweizer Fussballwelt zu bieten hat. Sie haben Lichtsteiner trotzdem lanciert. In der vagen Hoffnung, dass mit einem neuen Trainer auf magische Art und Weise ganz einfach alle Probleme verschwinden, die sie unter Magnin ausgemacht haben.
Dumm gelaufen. Die Probleme sind noch da. Dafür sind drei Saisonziele entschwunden: Europa, Cup – und wenn die Basler den Meistertitel noch nicht offiziell abschreiben, dann ist das bloss das Pfeifen im Walde. Mit einer Leistung wie in St. Gallen jedenfalls wird das nichts mit der Aufholjagd. Weil 20 gute Minuten nicht reichen, um Spiele zu gewinnen, wenn sie von 70 Minuten Magerkost umwickelt sind.
Nein, der Cup-Viertelfinal in St. Gallen hat keinen Hinweis darauf gegeben, warum es demnächst steil bergauf gehen sollte mit den Baslern. Die erste Hälfte war sogar richtig schwach: spielerisch sowieso – aber auch vom Einsatz, vom inneren Feuer und von der Konzentration her. Frühe Gegentore nach kollektivem Sekundenschlaf bleiben jedenfalls ein Basler Markenzeichen im Jahr 2026. Egal, wer gerade an der Seitenlinie steht.
Die Durchhalteparolen des Sportchefs
Es ist selten ein gutes Zeichen, wenn der Sportchef direkt nach einem Spiel vor die Medien tritt. Stucki muss den Gang in St. Gallen bereits das zweite Mal im noch jungen Jahr 2026 auf sich nehmen – wie schon nach dem 1:3 in Salzburg. Was er sagt, klingt nach Durchhalteparolen. Da ist die Rede davon, dass man «von Match zu Match» schauen müsse. Dass «noch sehr viele Punkte» zu vergeben seien in der Liga. Und davon, dass jetzt «alle zusammen positiv arbeiten müssen».
Und der missglückte Zeitpunkt des Trainerwechsels? «Wir wollten die negative Tendenz unterbrechen», sagt Stucki und muss selber zugeben, dass das eher weniger funktioniert hat: «Im Nachhinein ist man immer schlauer.» Aber: «Wir haben das gut analysiert, wir stehen hinter dem Entscheid.» Schliesslich sei Lichtsteiner ja nicht als Feuerwehrmann geholt worden: «Wir haben weitergehende Pläne mit Stephan als bloss diese drei Spiele.»
Das hat Lichtsteiner auch verdient. Schliesslich ist er auf diesem Niveau als Trainer ein Lehrling. Das merkt man zum Beispiel, wenn er in St. Gallen bereits zum zweiten Mal in seiner noch jungen Amtszeit über den dichten Spielplan des FCB jammert. Er redet von «Müdigkeit gegen Ende des Spiels». Und klagt weiter: «Wir haben extrem wenig Zeit, extrem viele Spiele und extrem wenig Spieler, um diese Spiele zu bestreiten.»
Der Teenager, der Hoffnung gibt
Ist es darum also schon fast gut, dass Rotblau ab sofort nur noch in einem Wettbewerb mitspielt? Ein böser Gedanke. Aber es gibt tatsächlich zwei Lichtblicke aus Basler Sicht. Da ist erstens Stürmertalent Giacomo Koloto (18), der in St. Gallen als Einwechselspieler gleich trifft – zwei Tage nach der Unterschrift unter seinen ersten Profivertrag. Und der damit eigentlich ein Kandidat für einen Startplatz im nächsten Spiel sein müsste.
Und dann ist da noch der Blick auf das kommende Wochenende. Da kommt der FC Zürich nach Basel. Und damit das einzige Team, gegen das der FCB in seinen sechs Spielen in diesem Jahr gewinnen konnte.

