Darum gehts
Der EVZ tat sich vor dreieinhalb Monaten schwer, Michael Liniger den Laufpass zu geben. Doch die fortwährende Krise liess dem Klub keine andere Wahl. Nun haben die Zuger im Trainer-Tausch mit Kloten die optimale Lösung für den 46-Jährigen gefunden, von dessen Qualitäten man einst überzeugt gewesen ist.
Die Entlassung in seiner Debüt-Saison als Headcoach nach nur wenigen Monaten und in der ersten grossen Misere hätte in Linigers Palmarès einen fetten Klecks hinterlassen und ihn als nicht krisenresistent abstempeln können. Doch mit Kloten wechselt der vorletztjährige Nati-Assistent zu einem Klub, dessen Werte er kennt und versteht – was, viel wichtiger, umgekehrt auch der Fall ist.
Liniger erlebte zwischen 2007 und 2016 als Stürmer schwierige und herausfordernde Jahre inklusive Liga-Quali mit. Nach Ende seiner Spieler-Karriere 2018 bildete er sich kontinuierlich als Trainer weiter und bereitete sich auf grössere Aufgaben vor. Auf dem Weg dahin schlug er schon mal ein Angebot aus der National League (SCL Tigers) aus, weil er sich dafür noch nicht bereit fühlte. Von Zugs Meistertrainer Dan Tangnes wurde 2025 seine Beförderung zum Cheftrainer befürwortet – im Wissen um Linigers erlangte Fähigkeiten.
Von denen ist man auch bei Kloten überzeugt. Dass der Klub ihn mit einem Zweijahresvertrag ausstattet, gründet nicht nur auf der gemeinsamen Vergangenheit. Sondern in der Auffassung, dass Liniger den angepeilten Weg zur Kontinuität besonnen mittragen kann. Sportchef Ricardo Schödler nennt ihn einen Wunschkandidaten, der «optimal zur strategischen Ausrichtung des EHC Kloten passt».
Die Frage nach dem Initiator des Tauschgeschäfts
Bei aller Romantik – im Umkehrschluss müsste man sich fragen: Tat dies Linigers Vorgänger Lauri Marjamäki, über dessen Ablösesumme Stillschweigen vereinbart wurde, demnach nicht? Der Finne war in seiner Heimat ein erfolgsverwöhnter Trainer mit zwei Meistertiteln (2014, 2015 mit Kärpät) sowie einer WM-Silber- und Olympia-Bronzemedaille (beide 2014) als Nationalcoach Finnlands. Bei seiner Anstellung im Zürcher Unterland – der ersten ausserhalb der Heimat – schwärmte der 48-Jährige 2024 noch von der neuen Herausforderung bei einem Klub ohne Titel-Ambitionen.
Der anhaltende Misserfolg jedoch nagte letzte Saison zusehends an Marjamäkis Gemüt. Weil noch mit einem Vertrag bis 2027 ausgestattet, setzte er sich für einen Wechsel seiner Assistenten ein. Die Verträge von Kimmo Rintanen und Benjamin Winkler – beide spielten mit Liniger in Kloten – wurden nicht verlängert. Stattdessen die von Marjamäki portierten Finnen Juhamatti Yli-Junnila (45, 2025 Headcoach in Lahti) und Markus Korhonen (51, für Goalie-Coach Tim Bertsche) angestellt. Marcel Jenni (52), ebenfalls ein Ex-Teamkollege von Liniger in Kloten, ist Schödlers Kandidat gewesen.
So drängt sich die Anschlussfrage auf: Wer hat diesen Trainer-Tausch initiiert? Die Antwort lautet Marjamäki, der nach erfolgsversprechenderen Engagements Ausschau gehalten und sich beim EVZ ins Rennen gebracht hat. Trotzdem sind beide Coaches die Gewinner des Trades. Marjamäkis Wunsch ging in Erfüllung, was für Liniger die beste zweite Chance eröffnete.


