«Ich unterstütze diese Operation»
Fribourg-Legende Bykow rechtfertigt Ukraine-Krieg von Putin

Diese Aussagen könnten nicht nur im Kanton Fribourg für Aufsehen sorgen: Die Eishockeylegende Slawa Bykow (61) hat einem Medium in seinem Heimatland ein Interview gegeben, worin er die Handlungen von Wladimir Putin (69) verteidigt.
Publiziert: 09.06.2022 um 15:24 Uhr
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Aktualisiert: 09.06.2022 um 16:19 Uhr
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Slawa Bykow zeigt seine volle Unterstützung für Wladimir Putin.
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Daniella Gorbunova

Russische Promis gibt es in der Schweiz wenige. Noch seltener sind solche, die seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine ihr Schweigen gebrochen haben. Umso bemerkenswerter ist das Interview, das Slawa Bykow (61) dem russischen Online-Portal «Absatz» gegeben hat.

Seine Aussagen haben insbesondere in Fribourg, wo die ehemalige Nummer 90 seit seinen Heldentaten für Gottéron den Status eines Halbgottes geniesst, für Aufsehen gesorgt. Von der Legitimierung der «Sonderoperation» bis hin zu den Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland auf den Westen scheint der ehemalige russische Eiskönig Wladimir Putin (69) absolute Treue zu halten.

«Die Schweizer bestrafen sich selbst»

Für Bykow, der mit seiner Familie in Marly FR lebt, sind die Sanktionen, die die Schweiz gegen Russland verhängt hat, eine «Strafe, die sich die Eidgenossenschaft selbst auferlegt». Damit bringe sich die Schweiz in Gefahr, dass es im bevorstehenden Winter zu Engpässen kommen könnte. «Die Lebensmittelpreise steigen, die Benzinpreise steigen, und die Energiepreise werden mit Sicherheit steigen. Man kann de facto sagen, dass die Schweizer sich selbst bestrafen.»

Eine Rede, die man aus dem Mund vieler russischer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens kennt. Der Chefredaktor des Portals äusserte sich einen Tag vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine ähnlich. Daher ist es schwer zu sagen, ob diese Aussagen wirklich Bykows persönliche Meinung sind.

«Gibt es einen Präsidenten in der Ukraine?»

«Was halten Sie von der Sonderoperation in der Ukraine?», fragte der Journalist dann frontal. Auch hier passt die Rede des Doppelstaatsbürgers perfekt in das Narrativ, das Wladimir Putin verwendet: ein grosser patriotischer Krieg, um den russischen Geist zu stärken und die alte Sowjetmacht wiederzuerlangen.

Der Ex-Eishockeyspieler erinnert sich: «Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte der Vater meiner Frau gegen die Faschisten. Bis 1950 säuberte er dann die Gebiete der UdSSR von den Mitgliedern der Bewegung von Stepan Bandera. Es gibt einen Grund für Säuberungen.» Bandera war ein ukrainischer Nationalist, der während des Zweiten Weltkriegs mit den Nazis kollaborierte.

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Bykow fährt fort: «Bandera ist eine Abscheulichkeit, von der es heute wieder Echos gibt. Die Jugend wird einer Gehirnwäsche unterzogen. Wie ich bereits sagte, kommt ein Russe lieber zur Rettung als zu beleidigen, daher unterstütze ich als anständiger Russe Russlands Hilfe für den Donbass und für diese Menschen, die Angehörige verloren haben und seit Jahren einen Völkermord erleben.»

«Das ist ein Marionettentheater»

Auf die Frage nach dem Präsidenten der Ukraine, Wolodimir Selenski, antwortet der Wahl-Fribourger: «Gibt es dort einen Präsidenten? Das ist doch nur ein Marionettentheater.»

Eine letzte Frage, die vielleicht den Druck verdeutlicht, unter dem russische Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens im Ausland derzeit stehen: «Planen Sie, in den Ferien nach Russland zu fliegen?» Bykow lehnt trotz seiner Aussagen in dem Interview die Einladung höflich ab. «Die Lage ist kompliziert. Für mich steht die Familie an erster Stelle», sagt er und erklärt, dass er lieber in der Schweiz bleibt, um Zeit mit seinen Enkelkindern zu verbringen.

Slawa Bykow wurde von Blick kontaktiert, um sich zu den Hintergründen des Interviews zu äussern.

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