Profiler Benoit Pont: «So kann man 30% der Gehirnerschütterungen verhindern»(01:04)

Josi und Nino sind seine Kunden
Dieser Schweizer Profiler erobert die Welt

Internationale Kundschaft, innovative Methoden. Benoit Pont hat den Code für die individuelle Schulung von Athleten geknackt.
Publiziert: 09.11.2020 um 00:47 Uhr
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Der Profiler: Pont in der Eishalle Wetzikon. Da arbeitet er auf und neben dem Eis mit seinen Kunden.

Benoit Pont (45) ist der Daniel Düsentrieb unter den Personaltrainern. Ein Tüftler, ein Profiler. Ein Schweizer, der mit innovativen Methoden die Welt erobert. Sein Ansatz ist die Individualisierung, seine Kunden sind unter anderen auch Landsleute wie Roman Josi, Nino Niederreiter, Yannick Weber und Gaetan Haas sowie NHL-Spieler wie Artem Anisimov (Ottawa) oder Vladislav Namestnikov (Detroit). Auch andere junge Spieler und gewisse Teams nutzen mittlerweile dieses System. Schneller laufen, präziser schiessen, eine tiefere Fehlerquote und weniger Verletzungen? Davon träumt jeder Profi. Aber wie gelangt man ans Ziel? «Durch eine echte Individualisierung», sagt Pont. Die Teams verfügen nicht über genug Zeit, Ressourcen, und Profil-Wissen, um jeden ihrer Spieler individuell zu fördern. Also bleibt es den Profis überlassen, wirklich das Optimum auszuschöpfen. «Jeder Mensch und jeder Athlet lässt sich einem bestimmten Typ zuordnen und dementsprechend fördern. Diesen Approach habe ich von meinem Mentor (Bertrand Théraulaz, ActionTypes) übernommen und für Eishockey und Sport weiterentwickelt.»

30 bis 40 Prozent weniger Hirnerschütterungen

Mithilfe eines vielschichtigen Basistests & Videoanalyse ergründet Profiler Pont, welchem Typus ein Athlet zugeordnet werden kann. Bewegt er sich eher aufrecht oder nimmt er automatisch eine gebückte Haltung ein? Ist er ein Pragmatiker oder ein Instinktmensch? Beschleunigt er geradeaus oder bewegt er sich in Schlangenlinie? Und: welches ist seine «Radarseite»? Reagiert er instinktiv sehr schnell auf alles, was links von ihm geschieht oder eher rechts? «Jeder Mensch und Athlet hat eine Vorliebe. Die Summe der Ergebnisse hilft uns, einem Verhaltensmuster auf die Spur zu kommen, dann können wir entsprechend instruieren. Jemand, dessen Radarseite nach links orientiert ist, agiert und reagiert instinktiv auf Impulse aus dieser Richtung und kann notfalls rascher ausweichen oder Abwehrbereitschaft erstellen.» Durch entsprechende Schulung und Adaption würden sich so «30 bis 40 Prozent der Gehirnerschütterungen verhindern lassen» ist Pont überzeugt.

Zwillinge: gleich und doch verschieden

Auf seiner Webseite «ProKeyCoach» (Instagram: prokeycoach) können seine Kunden individualisierte Trainings- und Schulprogramme abrufen und mehr über ihre eigenen Profile erfahren. Seit kurzem ist er auch in Finnland und Russland gefragt und arbeitet dort mit Personaltrainern oder Ausbildungszentren zusammen, die auf seine Methoden aufmerksam wurden. Die Erkenntnisse sind teilweise erstaunlich. «Wir haben verschiedene Zwillingsgeschwister analysiert, das war echt verblüffend. Auf den ersten Blick sind es identische Menschen, aber nach der Analyse stehen plötzlich zwei grundverschiedene Athleten vor dir. Die sind zwar genetisch identisch, aber motorisch anders.»

Analyse und Individualisierung für die Nationalmannschaft

Sein Background? Pont war 15 Jahre lang Profi in La-Chaux-de-Fonds, Langnau, Genf und Ambri und machte nebenbei einen Abschluss in Sportwissenschaften (Uni Neuenburg). Seit 2010 ist er im Staff der Nationalmannschaften verantwortlich für Videoanalysen (neu auch für Individualisierung) und Scouting und er leitete bei Swiss Ice Hockey die Trainerausbildung zwischen 2010 und 2017. Wie unterschiedlich veranlagt Spieler und Trainer sein können, weiss Pont aus eigener Erfahrung. Und trotzdem versucht man mancherorts immer noch, für die Schulung und das Training alle ins selbe Schema zu pressen.

Treffend illustriert wird das durch einen Comic, den Pont in seiner Präsentation führt: Ein Vogel, ein Affe, ein Pinguin, ein Elefant, ein Goldfisch, eine Robbe und ein Hund sollen einen Test absolvieren. Damit es fair sei, sagt der Experte, müssten alle die gleiche Prüfung meistern: einen Baum hochklettern.

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