Biel-Steinegger über den Trainer-Knall und sein Comeback
«Ich bin nicht die beste Lösung»

Am Montagvormittag wurde der Entschluss gefasst, anschliessend Martin Filander gefeuert. Sportchef Martin Steinegger (53) nimmt Stellung zum Trainer-Knall beim EHC Biel und dem Anforderungsprofil an seinen Nachfolger.
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Martin Steinegger befindet sich auf Trainersuche.
Foto: Pius Koller

Darum gehts

  • EHC Biel trennt sich von Trainer Martin Filander wegen stagnierender Entwicklung
  • Neuer Trainer soll Liga-Erfahrung haben und sofort einsatzbereit sein
  • EHC Biel strebt Platz 8 und Teilnahme an Play-Ins für Playoffs an
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Marcel AllemannReporter Eishockey

Der EHC Biel ist gewöhnlich für viel Geduld bekannt, weshalb habt ihr sie jetzt verloren?
Martin Steinegger (Sportchef EHC Biel): Es waren verschiedene Punkte und der Hauptpunkt war, dass die Entwicklung stagniert hat. Wir haben keine Fortschritte mehr gesehen – im Gegenteil, wenn wir die Statistik anschauen, war die Tendenz seit Anfang Saison rückläufig. Wir gewannen den Eindruck, dass es für den Rest der Saison noch einen Push braucht.

Primär wegen der ungemütlichen Tabellenlage?
Nicht nur. Es ist die Tabellenlage, es sind die Punkte, es sind die Tore und noch vieles mehr, wo eine Stagnation festzustellen und die Entwicklung nicht mehr da war.

Vor der Saison waren Sie noch überzeugt von Filander und haben den Vertrag bis 2027 verlängert. Weshalb ist diese Überzeugung innert fünf Monaten verloren gegangen?
Die letzte Saison war mit vielen Herausforderungen, wie beispielsweise den vielen Verletzten, sehr schwierig und die Coaches haben diese aus meiner Sicht sehr gut gemeistert. Klar waren wir enttäuscht, dass wir die Playoffs nicht erreicht haben, aber die Coaches haben stets Lösungen gesucht und auch gefunden, was positiv war. Genauso wie die Entwicklung der jungen Spieler. Dadurch hatten wir die Hoffnung, dass Filander der Coach ist, mit dem wir längerfristig planen können, weshalb wir den Vertrag verlängert haben. Die Entwicklung ist dann aber in eine andere Richtung gegangen. Die jungen Spieler haben sich zwar nochmals hervorragend weiterentwickelt, aber wir haben es nicht geschafft, dass unsere Leader die für sie vorgesehene Rolle auf dem Eis auch tatsächlich einnehmen. Die Erwartungen an sie sind höher und dies ist letztlich der Grund, dass wir dort stehen, wo wir sind.

Es war zu hören, dass Filander Teile der Mannschaft verloren hat. So etwas geschieht nicht von heute auf morgen. Haben Sie da versucht, Gegensteuer zu geben?
Es ist immer das Gleiche, wenn die Resultate ausbleiben. Dann heisst es auch immer, der Trainer habe Teile der Mannschaft verloren. Es gibt vielleicht schon solche, die sich nicht mehr vollumfänglich zum Trainer bekannt haben. Vielleicht hat es gewisse Risse gegeben. Aber da muss jeder Spieler selbst in den Spiegel schauen, diese Frage für sich beantworten und dafür gerade stehen. Wenn ich mit den Spielern kommuniziert habe, habe ich es nicht so wahrgenommen. Dass es nicht immer einfach war, streite ich nicht ab, aber das ist in jedem Job so. Sie sind sicher auch nicht immer einverstanden mit Ihrem Chef, ich bin es auch nicht immer mit meinem Chef, aber muss trotzdem meine Leistung bringen.

Als ihr die beiden letzten Male einen Trainer-Nothelfer benötigt habt, haben Sie übernommen. Weshalb aktuell nicht? Oder ist dies noch immer eine Variante und ihr checkt nun zuerst die anderen Optionen ab?
Nein, ich bin grundsätzlich keine Option. Denn ich bin zu nah an der Mannschaft, meine Stimme haben die Spieler bereits genug gehört. Der Verwaltungsrat und ich sind der Meinung, dass es eine neue Stimme und auch rein generell eine Neuerung braucht. Ich bin nicht die beste Lösung für die aktuelle Situation.

Martin Steinegger persönlich

Der Bieler Martin Steinegger (53) bestritt als Spieler zwischen 1990 und 2012 für den EHC Biel und den SC Bern 1025 Partien in der NLA. Der legendäre Verteidiger wurde dabei mit dem SCB zweimal Meister, bestritt 219 Länderspiele und nahm mit der Nati an zehn WM-Turnieren und den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City teil. Seit 2012 ist «Stoney», wie Steinegger von allen in der Eishockey-Szene genannt wird, Sportchef beim EHC Biel.

Der Bieler Martin Steinegger (53) bestritt als Spieler zwischen 1990 und 2012 für den EHC Biel und den SC Bern 1025 Partien in der NLA. Der legendäre Verteidiger wurde dabei mit dem SCB zweimal Meister, bestritt 219 Länderspiele und nahm mit der Nati an zehn WM-Turnieren und den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City teil. Seit 2012 ist «Stoney», wie Steinegger von allen in der Eishockey-Szene genannt wird, Sportchef beim EHC Biel.

Biel hat mit dem EHC Olten ein Partnerteam. Dort ist ein gewisser Christian Wohlwend Trainer, der sicherlich nicht abgeneigt wäre, wieder in der National League zu arbeiten. Ist er eine Möglichkeit durch diese Zusammenarbeit mit Olten?
Momentan kommentiere ich keine Namen.

Aber die Zeit drängt. Sie werden kaum bis zur Olympia-Pause warten wollen, bis Sie den neuen Trainer präsentieren können, oder?
Das ist grundsätzlich richtig. Aber wir hatten in dieser Hinsicht nichts vorbereitet, den finalen Entscheid, uns von Filander zu trennen, haben wir erst am Montagvormittag gefällt. Ohne dabei jemanden in der Hinterhand zu haben. Wir müssen jetzt zuerst schauen, wer verfügbar ist. Klar ist, dass wir jemanden wollen, der die Liga kennt, die Gegner kennt und unsere Spieler zumindest ein wenig kennt. Die Zeit, dass sich jemand zuerst zwei Wochen akklimatisieren kann, haben wir nicht mehr. Der neue Trainer muss direkt bereit sein. Es besteht die Hoffnung, dass wir ihn schon bis am Wochenende gefunden haben, aber es ist auch so, dass unsere beiden Assistenztrainer Mathias Tjärnqvist und Beat Forster die Kompetenzen haben und die Mannschaft nun auf diese Spiele vorbereiten.

Schwebt Ihnen nun eine Nothelfer-Lösung bis Ende Saison vor oder sind Sie auch bereit, etwas Längerfristiges einzugehen?
Da gibt es stets zwei Perspektiven. Als Klubleitung hätte man am liebsten, wenn einer mal bis Ende Saison kommt und dann schaut man weiter. Aber die guten Leute sind nicht unbedingt für solche kurzfristigen Abenteuer zu begeistern. Sie sehen zwar die Chance, aber in elf Spielen lässt sich auch nicht so viel bewegen. Sich dabei möglicherweise zu verbrennen, tut sich nicht mancher an. Daher gehen wir von einem Engagement über diese Saison hinaus aus.

Christian Dube.
Claudio de Capitani/freshfocus
Dubé, Cereda, Wohlwend – oder ein Überraschungsmann?

Sportchef Martin Steinegger hat das Jobprofil des zukünftigen Biel-Trainers im Blick-Interview klar abgesteckt: Er muss sofort verfügbar sein, die Liga, Gegner und Spieler kennen. Deshalb schränkt sich der Kreis stark ein. Zu den logischen Kandidaten gehören Ex-Fribourg-Trainer Christian Dubé (48), der frühere Ambri-Coach Luca Cereda (44), Berns letzter Übungsleiter Jussi Tapola (51), vielleicht auch Patrick Emond (60, zuvor Fribourg und Servette). Vermutlich weniger infrage kommt Fribourgs Assistenztrainer und vormaliger Nothelfer Lars Leuenberger (50), da er als Platzhalter für den erkrankten Antti Törmänen (55) schon mal in Biel war und nicht nur Begeisterung hinterlassen hat.

Ein Kandidat ist auch Ex-HCD und -Ajoie-Coach Christian Wohlwend (49), zumal er bei Partnerteam Olten unter Vertrag steht und ihm die Solothurner womöglich keine Steine in den Weg legen würden. In der Swiss League gibt es noch weitere, wenn auch etwas überraschendere Optionen: Thurgaus Erfolgstrainer Anders Olsson (50), der als Assistent schon mal in Biel arbeitete und sehr beliebt war. Reto (49) und Jan von Arx (47), die in Chur mit jungen Spielern hervorragende Arbeit leisten, was auch in Biel ein Bedürfnis ist. Oder Ex-Lugano-Coach Luca Gianinazzi (33), der bei Visp derzeit im Hoch ist. Voraussetzung wäre natürlich, dass sie ihre derzeitigen Klubs gehen lassen oder sie in ihren Verträgen eine Ausstiegsklausel für die National League besitzen.

Christian Dube.
Claudio de Capitani/freshfocus

Sportchef Martin Steinegger hat das Jobprofil des zukünftigen Biel-Trainers im Blick-Interview klar abgesteckt: Er muss sofort verfügbar sein, die Liga, Gegner und Spieler kennen. Deshalb schränkt sich der Kreis stark ein. Zu den logischen Kandidaten gehören Ex-Fribourg-Trainer Christian Dubé (48), der frühere Ambri-Coach Luca Cereda (44), Berns letzter Übungsleiter Jussi Tapola (51), vielleicht auch Patrick Emond (60, zuvor Fribourg und Servette). Vermutlich weniger infrage kommt Fribourgs Assistenztrainer und vormaliger Nothelfer Lars Leuenberger (50), da er als Platzhalter für den erkrankten Antti Törmänen (55) schon mal in Biel war und nicht nur Begeisterung hinterlassen hat.

Ein Kandidat ist auch Ex-HCD und -Ajoie-Coach Christian Wohlwend (49), zumal er bei Partnerteam Olten unter Vertrag steht und ihm die Solothurner womöglich keine Steine in den Weg legen würden. In der Swiss League gibt es noch weitere, wenn auch etwas überraschendere Optionen: Thurgaus Erfolgstrainer Anders Olsson (50), der als Assistent schon mal in Biel arbeitete und sehr beliebt war. Reto (49) und Jan von Arx (47), die in Chur mit jungen Spielern hervorragende Arbeit leisten, was auch in Biel ein Bedürfnis ist. Oder Ex-Lugano-Coach Luca Gianinazzi (33), der bei Visp derzeit im Hoch ist. Voraussetzung wäre natürlich, dass sie ihre derzeitigen Klubs gehen lassen oder sie in ihren Verträgen eine Ausstiegsklausel für die National League besitzen.

Mit dem Schweden Martin Filander ging es in die Hosen, zuvor mit dem Finnen Petri Matikainen ebenfalls. Haben Sie vorerst genug von nordländischen Trainern?
Nein, mit der Nation hat das nichts zu tun. Es muss einfach passen und dies weiss man nicht zum Voraus, weder bei einem Nordländer noch bei einem Kanadier.

Was muss nun geschehen, dass es für Biel doch noch eine befriedigende Saison wird? Reicht Play-In oder müssen es die Playoffs sein?
Wir haben schon vor der Saison gesagt, dass wir uns um den 8. Rang herum sehen. Jetzt ist die Frage, wie man es deutet. Der 8. Rang bedeutet grundsätzlich Play-Ins, kann man aber auch als Playoff sehen. Klar ist es immer noch das Ziel, die Playoffs zu schaffen, aber der erste Schritt dazu ist, erstmal die Play-Ins zu erreichen. Dass wir die Playoffs generell via Play-Ins anvisieren, war uns von Anfang an klar und daran hat sich auch nichts geändert.

Aber der Respekt vor den Playouts ist gestiegen?
Absolut.

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