Zu junge Gäste und wohl Alkohol im Spiel
Inferno-Bar war bekannt für lasche Alterskontrollen

Im Zentrum der Ermittlungen zur Inferno-Nacht von Crans-Montana steht jetzt auch der Jugendschutz: In der Bar «Le Constellation» sollen Alterskontrollen systematisch ausgeblieben sein. Unter den 40 Todesopfern waren acht Minderjährige – teils erst 14 Jahre alt.
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Sichtschutz und Trauerkerzen vor dem Unglücksort in Crans-Montana.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Im Crans-Montana-Inferno starben 40 Menschen, die Hälfte davon war minderjährig
  • Betreiber ignorierten Alterskontrollen, ermöglichten Alkohol für unter 16-Jährige
  • Zwei Opfer waren 14, sechs weitere 15 Jahre alt
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Viele Gäste in der Inferno-Bar «Le Constellation» waren deutlich zu jung – und beim Alkoholausschank schauten die Betreiber offenbar konsequent weg. Wie die «Tribune de Genève» berichtet, war das Lokal in Crans-Montana «für seine Nachlässigkeit bekannt»; Jugendliche wussten, dass am Eingang kaum je nach dem Alter gefragt wurde.

Die Altersfrage rückt nun ins Zentrum der Ermittlungen. Die Hälfte der Opfer war jünger als 18 und minderjährig. Unter den 40 Todesopfern der Neujahrsnacht waren acht Jugendliche, die das Lokal nach geltendem Recht gar nicht hätten betreten dürfen: Zwei von ihnen waren erst 14, sechs weitere 15 Jahre alt – klar unter der im Wallis vorgesehenen Mindestgrenze von 16 Jahren für den Barbesuch.

Rechtlich ist die Lage eindeutig: Unter 16-Jährige dürfen sich nach 22 Uhr weder in einem Nachtlokal aufhalten noch Alkohol konsumieren – ausser in Begleitung eines Elternteils oder einer schriftlich bevollmächtigten erwachsenen Person. Solche Ausnahmen gebe es in der Praxis kaum, betont Opferanwalt Sébastien Fanti: «Niemand unterschreibt eine Vollmacht für Dritte – und es war mit Sicherheit kein Elternteil dabei», zitiert ihn die Genfer Zeitung.

Brisantes Wunderkerzen-Video von 2019 aufgetaucht
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Lasche Kontrollen

Die Ermittler prüfen deshalb, ob die Betreiber Alterskontrollen bewusst vernachlässigt haben. Der unzulässige Ausschank von Alkohol an Minderjährige ist ein eigener Straftatbestand und könnte die Anklage gegen das französische Betreiberehepaar deutlich verschärfen. Dieses kooperiert mit den Behörden und bleibt auf freiem Fuss.

Recherchen der Zeitung zufolge wurden Ausweise im «Le Constellation» fast nie kontrolliert; Stammgäste seien teilweise erst 15 gewesen, jeder habe Alkohol bestellen können – der Verdacht eines systematischen Verstosses gegen Jugendschutzauflagen steht im Raum.

Mit dem leichten Zugang zu Tanzfläche und Alkohol habe das Lokal junge Menschen «unweigerlich gefährdet», warnt Fanti. Alterskontrollen wären einfach umzusetzen – etwa mit farbigen Armbändern oder Handstempeln, die das Servicepersonal sofort über das Alter informieren. Solche Sicherheitsstandards fehlten im «Le Constellation» offenbar vollständig.

Breit angelegte Strafuntersuchung

Parallel dazu läuft eine breit angelegte Strafuntersuchung gegen die Betreiber wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst.

Die Ermittler rekonstruieren die Brandnacht, prüfen den Einsatz von Feuerfontänen und Dekoration, den Ablauf der Evakuation sowie mögliche bauliche und organisatorische Mängel – insbesondere bei Notausgängen, Fluchtwegen, Treppen und der brennbaren Inneneinrichtung.

Zudem wird untersucht, ob gegen Brandschutzauflagen und Bewilligungen verstossen wurde, etwa durch nicht genehmigte Umbauten oder eine leicht entflammbare Decke – und ob die zuständigen Behörden die Bar ausreichend kontrollierten.

Stellungnahme der Betreiber?

Laut seinem Anwalt will sich das französische Betreiberpaar von «Le Constellation» noch diese Woche öffentlich zur Tragödie äussern.

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