Vernachlässigte Bungalow-Buben von Siders VS
«Die Polizei tauchte auf und legte beiden Jungs Handschellen an»

In Siders leben zwei minderjährige Brüder ohne Aufsicht in einem Bungalow, wie Blick berichtete. Gegen den jüngeren der beiden gibt es einen Haftbefehl. Der wurde nun vollstreckt. Besser lief es für den älteren Bruder.
Publiziert: 01.06.2023 um 00:42 Uhr
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Aktualisiert: 01.06.2023 um 08:47 Uhr
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Seit ihr Bruder im Gefängnis ist, kümmert sich Tante Julia A. um ihre Neffen Cédric (Mitte) und Marco.
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Martin MeulReporter News

Marco** (16) und sein Bruder Cédric** (17) sind noch minderjährig – waren aber trotzdem völlig auf sich allein gestellt. Mitte Mai machte Blick den Fall publik: Die beiden Brüder wohnen in einem verwahrlosten Bungalow in Siders VS, halten sich mit kleinen Delikten über Wasser. Ihr Vater verbüsst eine Haftstrafe, die Mutter will nichts von den beiden wissen. Und auch die Behörden waren auffällig zurückhaltend. Bis jetzt.

Tante Julia A. (52) sorgt sich: Im Bungalow der beiden Teenies herrscht Chaos(01:30)

Die Tante der Jungs, Julia A.*, (52) beschreibt, wie die Polizei vor gut zwei Wochen in der Behausung erschien: «Die Polizei tauchte auf, legte beiden Jungs Handschellen an.» Für Marco gab es sogar noch Fussfesseln dazu. Dann wurden die Brüder zum Gericht gebracht.

Grund: Sie sollen im Falle ihres Vaters* aussagen. Der sitzt seit Januar in Sitten VS im Gefängnis, seine Söhne sind als Zeugen vorgeladen.

Marco musste ins Gefängnis

Während der ältere Bruder Cédric nach der Aussage vor Gericht wieder gehen durfte, blieben die Handschellen und die Fussfessel von Marco dran. Weil er vom Jugendgericht angeordnete Sozialstunden nicht geleistet hat, soll er nun ersatzweise ein paar Tage in den Knast. «Ich kann jederzeit verhaftet werden», sagte er schon im Mai.

«Mein Neffe wurde vom Gericht aus direkt ins Jugendgefängnis von Pramont gebracht», erzählt seine Tante A. Dort sitzt der Junge noch bis Ende der Woche seine 15-tägige Strafe ab. Danach muss Marco in eine Jugendeinrichtung in Siders ziehen. Schon länger gibt es eine entsprechende Platzierungsverfügung. Jetzt soll sie vollzogen werden.

Erledigt ist die Sache für Marco aber immer noch nicht. Über den Sommer muss er noch weitere 30 Tage lang Sozialstunden ableisten. Wofür er die Strafe kassiert hat, wollte der Junge im Mai gegenüber Blick nicht sagen. Auch seine Tante weiss nichts Genaueres. «Fakt ist aber, dass er oft Mist gebaut hat», sagt sie.

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Lehrstelle für Cédric

Wie es danach für den 16-Jährigen weitergeht, ist unklar. Seine Tante hofft, dass sich die Behörden endlich um den Jungen kümmern. So wie um den Älteren. «Dessen Vormundin hat seit der Publikation des ersten Blick-Artikels einen sehr guten Job gemacht», sagt A. Am Mittwoch hat der Junge einen Lehrvertrag als Pneumatiker unterschrieben. Im August geht es los. Derzeit schnuppert er im künftigen Lehrbetrieb.

Julia A. mit ihren Neffen Marco (16, Mitte) und Cédric (17). Für den Jüngeren läuft es im Moment nicht gut, der Ältere hat gerade einen Lehrvertrag unterschrieben.

Sein jüngerer Bruder soll in ein paar Wochen ebenfalls einen neuen Vormund bekommen. «Ich hoffe, dass es dann auch mit Marco aufwärtsgeht», so die Tante.

Nach wie vor unzufrieden ist Julia A. mit der finanziellen Situation ihrer Neffen. Die Kinderrente der beiden ist weiterhin blockiert. «Der Grund ist, dass die eigentlich in der Jugendeinrichtung unterkommen könnten und nicht im Bungalow hausen müssten.» Doch aus der Jugendeinrichtung sind die beiden bislang immer abgehauen. «Auch wenn es die Plätze in der Einrichtung gibt, ändert das nichts daran, dass man zum Leben Geld braucht», sagt A. Sie hofft auf eine Entspannung der Situation, wenn ihr Bruder, der Vater der beiden Jungs, Anfang Juli aus der Haft entlassen wird.

* Name bekannt
** Name geändert

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