Leservideo zeigt den Vergleich: So sah der Rhonegletscher vor 16 Jahren aus(00:17)

Glaziologe befürchtet für dieses Jahr massive Eisschmelze
«Der Rhonegletscher hat besonders schlechte Karten»

Der Walliser Gletscherexperte David Volken sieht die Gletscher in der Schweiz bereits zu Beginn des Sommers unter Druck. Der Rhonegletscher leidet dabei besonders unter den hohen Temperaturen. Den Eisflächen zu helfen, ist kaum möglich.
Publiziert: 06.07.2023 um 00:15 Uhr
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Aktualisiert: 06.07.2023 um 10:15 Uhr
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Gletscherexperte und Klimatologe David Volken auf dem Rhonegletscher. Hier ist die Gletscherschmelze besonders heftig, da das Nährgebiet des Gletschers eher tief liegt.
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Martin MeulReporter News

Das Jahr 2022 war für die Gletscher in der Schweiz das schlimmste seit Beginn der Aufzeichnungen: Noch nie ist innert zwölf Monaten so viel Eis geschmolzen, wie im letzten Jahr. Über sechs Prozent der Eismasse sind verloren gegangen, drei Kubikkilometer oder umgerechnet zwölf Milliarden Badewannen.

Im letzten Jahr haben die Gletscher so viel Eismasse verloren, wie noch nie.

Dieses Jahr sieht es für die Gletscher bislang ebenfalls schlecht aus. David Volken (44), Walliser Gletscherexperte und Klimatologe, sagt zu Blick: «Dieser Juni war der fünftwärmste seit Messbeginn. Das verheisst für die Gletscherschmelze nichts Gutes.» Erst recht nicht für Eismassen wie den Rhonegletscher im Wallis.

Kein Schnee, kein Schutz

Der Rhonegletscher habe besonders schlechte Karten, sagt Volken. Das liegt vor allem daran, dass sein Einzugsgebiet nicht allzu hoch liegt. Der höchste Punkt des Gletschers liegt auf 3621 Meter über Meer. «In der Nacht auf Freitag beispielsweise hat es bis in diese Höhe hinauf geregnet, schützender Schnee ist also auf dem Rhonegletscher keiner gefallen», erklärt der Gletscherexperte. Liegen die Einzugsgebiete höher, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass Niederschläge im Sommer in Form von Schnee fallen, grösser. «Je mehr Schnee auf dem Eis liegt, umso länger ist dieses geschützt», so der Experte.

Dem Rhonegletscher aber fehlt dieser Schnee im unteren Teil bereits komplett. Somit ist der Gletscher schutzlos der Sonne ausgesetzt. Gleichzeitig gilt: Nur wenn in den Nährgebieten Schnee fällt und dieser übersommert, kann überhaupt neues Eis entstehen. «Das macht die Situation für Gletscher wie den Rhonegletscher besonders kritisch», so Volken.

Dazu kommen jene Effekte, die allen anderen Gletschern, auch den höhergelegenen, ebenfalls zusetzen. Allgemein ist im vergangenen Winter zu wenig Schnee im Hochgebirge gefallen. «Ausserdem hatten wir kürzlich Saharastaub bei uns, der sich auf dem Eis und Schnee abgelagert hat. Das ist ebenfalls ein Nachteil.» Der Grund: Je weisser ein Gletscher ist, desto mehr Sonnenenergie strahlt er zurück. «Staub macht den Gletscher dunkel, lässt ihn somit schneller abschmelzen», sagt der Experte.

Spezielle Polyesterbahnen, wie sie am Rhonegletscher zum Schutz der Gletschergrotte zum Einsatz kommen, sind für David Volken übrigens nur punktuell ein Mittel zum Schutz des ewigen Eises. «Für grossflächige Anwendungen ist das einfach zu aufwendig», sagt er.


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