20 Millionen sind weg – wegen einer besonders dreisten Masche
Antoine T. soll der schlimmste Betrüger im ganzen Wallis sein!

Ein Vermögensverwalter aus Sitten (54) soll mit gefälschten Latexhandschuh-Aktien 20 Millionen Franken erbeutet haben. Ab Montag steht der mutmassliche Betrüger nach zehn Jahren Ermittlungen vor Gericht. Eine Familie allein verlor dabei über 8 Millionen.
Kommentieren
1/7
Antoine T. soll gut 20 Millionen an Investorengeldern veruntreut haben.
Foto: Le Nouvelliste/Sacha Bittel

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Prozess gegen Antoine T. (54) startet Montag in Sitten nach 10 Jahren
  • Er betrog Opfer mit falschen Latexhandschuh-Zertifikaten, Schaden: 20 Mio. Franken
  • Einzelopfer verlor 8 Mio. CHF, Prozess klärt Schuld und Rückerstattung
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
RMS_Portrait_AUTOR_814.JPG
Martin MeulReporter News

Es geht um Latexhandschuhe, Verbindungen in die Niederlande und eine gewaltige Schadenssumme. Am Montag beginnt vor dem Bezirksgericht in Sitten ein für das Wallis beispielloser Prozess. 

Im Zentrum steht ein Vermögensverwalter aus Sitten – Antoine T. (54)*. Die Walliser Staatsanwaltschaft wirft ihm und zwei Mittätern unter anderem Betrug und Urkundenfälschung vor. Was die Affäre von anderen unterscheidet, sind die Dimensionen. Es geht um 20 Millionen, allein eine Familie soll etwa 8 Millionen verloren haben!

Ein für Walliser Verhältnisse einmaliger Fall. Auch weil sich die Ermittlungen fast 10 Jahre hingezogen haben. 

Latexhandschuhe als Produkt

Die Affäre beginnt in den 2000er Jahren. Antoine T., ursprünglich Bauzeichner, wechselt in die Vermögensverwaltung. Er baut ein Netzwerk aus wohlhabenden Walliser Familien, Freunden und Prominenten auf. Darunter Starkoch Frédy Girardet (89). 

Im Jahr 2009 beginnt der mutmassliche Betrug. Das Kernprodukt ist gemäss Staatsanwaltschaft ein Patent für allergenfreie Latexhandschuhe einer niederländischen Firma. T. verkauft jedoch keine echten Aktien, sondern Aktienzertifikate.

Dies ist ein entscheidender juristischer Kniff: Zertifikate berechtigen zwar zu Gewinnansprüchen, geben dem Inhaber aber kein Stimmrecht und keinen echten Einblick in die Geschäftszahlen. T. verkauft die Papiere für bis zu 200'000 Euro an seine Opfer, obwohl ihr realer Wert bei maximal 20'000 Franken liegt. Antoine T. verspricht Renditen, die seine Opfer alle Vorsicht vergessen lassen. Die Zertifikate sollen schon bald einen Wert von 800'000 Franken pro Stück haben. 

Um die Illusion aufrechtzuerhalten, fälscht er Dokumente: Als das Unternehmen real 133'000 Franken umsetzt, «bastelt» T. Berichte über einen 21-Millionen-Umsatz zusammen. Es ist ein Schneeballsystem. Opfer, die schon länger dabei sind, werden mit Geldern von neuen Kunden bezahlt.

Im nächsten Umfeld

Um seine Opfer zusätzlich in Sicherheit zu wiegen, lädt der Finanzverwalter sie in teure Restaurants ein, kredenzt Weinflaschen im Wert von bis zu 20'000 Franken. 

Und er setzt auch auf den Faktor «persönliche Nähe». T. sucht gezielt Opfer in seinem engsten Umfeld – Freunde, Patenkinder, langjährige Kunden.

Er baut tiefgreifende emotionale Abhängigkeiten auf. Zum Beispiel zu Odette*, wie der «Le Nouvelliste» eines der Opfer nennt. Mit der Millionenerbin aus Sitten führte Antoine T. eine Pseudo-Liebesbeziehung. So gelang es ihm, dass Odette über 6 Millionen in seinen Betrug investierte, wie es in der Anklageschrift heisst. 

Bei einer Mutter und Tochter aus Crans-Montana setzte T. auf ein gemeinsames Hobby – die Eringerkühe. So gelang es ihm, Vertrauen aufzubauen und mutmasslich von den beiden Frauen über 8 Millionen Franken zu ergaunern. 

Ein Selbstmord

Besonders schwer wiegt der Fall einer Seniorin. Bei ihr gibt T. den liebevollen Bekannten, kümmert sich fast wie ein Enkel um die Witwe. Er überredet die Frau 125'000 Franken zu investieren. Nach dem Auffliegen des Betrugs nimmt sich die Frau im Jahr 2016 das Leben. 

Antoine T. ist gemäss Staatsanwaltschaft ein dreister Typ. Als sein System 2015 kollabiert, ist er so skrupellos, noch am Tag vor der Hausdurchsuchung 400'000 Franken von einem Genfer Banker zu kassieren, während sein Firmenkonto faktisch bei null steht. Doch nun kommt der Walliser für sechs Monate in Untersuchungshaft. 

Doch die Ermittlungen stocken. T. kommt wieder auf freiem Fuss und zieht 2019 den nächsten Coup durch. 

Ausflug nach Zermatt

Dieses Mal treibt er in Zermatt sein Unwesen. Dort tritt er mutmasslich als charismatischer «Sanierer» für ein renommiertes, frisch renoviertes Restaurant auf. 

Schon bald aber häufen sich unbezahlte Rechnungen von Handwerkern und Lieferanten. Der Fall endet im Ruin des Betriebs. Der «Walliser Bote» deckt die Machenschaften auf. 

Einmal mehr hat Antoine T. mit seinem Charme Leute dazu gebracht, seine Lügen zu glauben und ihm gutgläubig Geld anzuvertrauen. Es sei nur um wenig Geld gegangen, sagt T. damals. Nur 5000 Franken.

Endlich der Prozess

Über zehn Jahre nach der Latexhandschuh-Affäre kommt es nun in Sitten zum Prozess. Dieser hätte eigentlich schon am letzten Montag beginnen sollen, wurde aber wegen der Abwesenheit von T.'s Anwältin verschoben. 

Ab Montag um 9 Uhr geht es neben der Schuldfrage auch darum, ob die Opfer des Walliser Hochstaplers auf die Rückerstattung von Geld hoffen können. Jedoch muss sich auch die Staatsanwaltschaft Fragen gefallen lassen. Wie kann es sein, dass es über zehn Jahre dauert, bis ein solcher Fall endlich vor Gericht landet? 

Blick berichtet live über den Prozess. Für Antoine T. gilt die Unschuldsvermutung. 

*Name geändert

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen