Darum gehts
- Valerie Schwyter kämpft wegen ihres Assistenzhundes Theo gegen Diskriminierung
- Arbeitgeber verweigerten Jobs, weil Assistenzhunde als Haustiere angesehen werden
- 41-Jährige findet schliesslich eine Stelle, doch Diskriminierung bleibt ein Problem
Valerie Schwyter ist 41, qualifiziert und topmotiviert. Doch wer die Sachbearbeiterin einstellen will, bekommt sie nur im Doppelpack: Seit fünf Jahren ist Labrador Theo an ihrer Seite. Er ist kein Haustier, sondern ihr Sicherheitsnetz. Wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung ist Schwyter auf ihn angewiesen. «Er riecht mein Adrenalin und spürt eine Panikattacke, bevor ich sie bemerke», sagt sie. Theo hat ihr Leben verbessert – doch ihre Karriere macht er kompliziert.
Quittung für die Ehrlichkeit
«Im Job erfuhr ich immer wieder: Er ist nicht willkommen», sagt Schwyter, die in Wirklichkeit anders heisst. Das begann bei ihrer letzten Stelle in der Verwaltung. Offiziell wurde ihr aus anderen Gründen gekündigt. Doch eine Ex-Kollegin verriet später: Der Arbeitgeber wollte schlicht keinen Hund im Büro.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
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Als sie dann eine neue Stelle suchte, sah es kaum besser aus. Schwyter informierte Unternehmen proaktiv – «es bringt ja nichts, wenn man mich in der Probezeit wieder entlässt». Die Quittung: Absagen trotz guter Qualifikation, meist ohne Begründung. Besonders dreist reagierte eine öffentliche Verwaltung per E-Mail: Man habe zwar Verständnis, könne den Hund aber nicht erlauben. Garniert mit dem Kommentar: «Ich würde meinen eigenen auch gern mitnehmen …»
Ein klarer Fall von Diskriminierung
Für Inclusion Handicap ist das ein klarer Fall von Diskriminierung. Assistenzhunde seien keine Haustiere und müssten zugelassen werden. «Öffentliche Arbeitgeber wie Kantone und Gemeinden sind an das Diskriminierungsverbot gebunden», betont Rechtsanwalt David Krummen. Sie müssen angemessene Vorkehrungen treffen, solange der Aufwand verhältnismässig ist. «Fehlende Anpassungen sind ein wichtiger Grund, warum Menschen mit Behinderungen keinen Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten und stattdessen auf sozialstaatliche Leistungen angewiesen sind.»
Der Beobachter hätte den Arbeitgeber gern mit den Vorwürfen konfrontiert. Da Schwyter weiterhin im öffentlichen Sektor arbeitet, muss ihre Anonymität aber gewahrt bleiben.
Mehr als ein Haustier
Mittlerweile hat die 41-Jährige eine Stelle gefunden, bei der Theo akzeptiert wird. Bei einem Teamanlass im Freien war der Hund aber doch unerwünscht. «Man sagte mir, ich könne mich ja inzwischen auf die Kollegen verlassen.» Solche Sätze zeigen, wie tief das Unverständnis sitzt. Ohne Theo kann Schwyter nicht einmal den ÖV benutzen. «Ein Assistenzhund ist kein Nice-to-have, sondern medizinisch notwendig», sagt sie.
Das betont auch David Krummen von Inclusion Handicap: «Es gibt unzählige Möglichkeiten für Ausflüge, die problemlos mit einem Assistenzhund stattfinden können.» Immer wieder sei der Verband mit Fällen konfrontiert, in denen das Wissen oder Verständnis zum Thema Assistenzhund fehlt. Ebenso der Beobachter: Einem blinden Gast wurde etwa der Hotelaufenthalt mit Hund verweigert, einer Frau blieb der Therapieplatz verwehrt.
Das Gefühl, eine Last zu sein
Obwohl Valerie Schwyter ihren Job mag, bleibt ein bitterer Beigeschmack. «Mir wird vermittelt, ich sei eine Belastung.» Dabei will sie eigentlich nur eines: ihre Arbeit machen. Mit Theo an ihrer Seite – und dem Respekt, den beide verdienen.