Darum gehts
- Ein Swiss-Airbus A330 kehrte September 2024 wegen Druckproblemen nach Zürich zurück
- Defektes «skin check valve» verursachte Kabinenprobleme und Notabstieg
- 205 Passagiere und Besatzung unverletzt, Wartungsanweisungen nach Vorfall verschärft
Es war ein Schreckmoment für die Passagiere: Ein Airbus A330 auf dem Weg von Zürich nach Newark musste im September 2024 kurz nach dem Start einen Notruf absetzen.
Der Grund: Im Steigflug über Ostfrankreich konnte das Kabinendrucksystem keinen ausreichenden Druck aufbauen. Die Piloten entschieden sich daraufhin, die Flughöhe zu verringern. Die Sauerstoffmasken für die Passagiere wurden ausgelöst.
Nun zeigt der Untersuchungsbericht der Sust, wie es zu dem Vorfall kam.
Zuerst Dringlichkeitsmeldung, dann «Mayday»-Notruf
Das Flugzeug mit der Registrierung HB-JHI war als Linienflug LX18 unterwegs und mit zwei Piloten, zehn Mitgliedern der Kabinenbesatzung sowie 205 Passagieren besetzt. Nach dem Start erhielt die Cockpit-Crew zunächst eine Hinweismeldung, kurz darauf eine Warnung wegen übermässigen Kabinendrucks. Trotz angezeigter geschlossener Auslassventile konnte kein ausreichender Kabinendifferenzdruck aufgebaut werden, heisst es.
Aus diesem Grund entschied sich die Cockpit-Crew dazu, eine Dringlichkeitsmeldung «PAN PAN» abzusetzen. Rund 20 Sekunden später folgte der Notruf «Mayday» mit der Ankündigung eines Notabstiegs («emergency descent»).
Die Piloten setzten ihre Sauerstoffmasken auf, leiteten einen Notabstieg ein und lösten vorsorglich die Sauerstoffmasken in der Kabine aus. Anschliessend entschieden sie sich zur Umkehr nach Zürich. Die Landung verlief ohne weitere Zwischenfälle.
Das war der Grund für den schweren Vorfall
Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder verliessen das Flugzeug auf normalem Weg. Verletzte gab es keine.
Nach Angaben der Untersuchungsbehörden wurde der Vorfall durch ein defektes sogenanntes «skin check valve» verursacht, wodurch das Kabinendrucksystem nicht ordnungsgemäss funktionierte. «Ein bereits 2016 vom Flugzeughersteller veröffentlichtes Service-Bulletin zum frühzeitigen Austausch dieses Bauteils war nicht umgesetzt worden. Dies gilt als wesentliche Ursache für den schweren Vorfall», hält die Sust fest.
Welche Massnahmen werden jetzt getroffen?
Als unmittelbare Reaktion wurden die Wartungsanweisungen verschärft und um zusätzliche Prüfpunkte ergänzt, insbesondere zur Kontrolle des Zustands einer Verbindungshülse sowie des korrekten Anzugsdrehmoments der Schellen, um Fehler frühzeitig zu erkennen.
Zudem wurden mehrere Flugzeuge gezielt überprüft, um sicherzustellen, dass kein vergleichbares Problem vorliegt, schreibt die Sust. Zur Vermeidung von Wiederholungen werden externe Wartungsbetriebe aktiv informiert und sensibilisiert, unter anderem durch einen Newsletter, der die Bedeutung einer korrekten und sorgfältigen Wartung hervorhebt.