Nachbarn von Günther S.*: «Ich denke, dass er unter Drogen stand»(01:08)

Nachbarn erlebten denkwürdige Nacht vor seiner Amok-Fahrt am Lago Maggiore
Das ist der irre Neonazi aus dem Thurgau

Am Samstag richtet Neonazi Günther S. (31) an einer Tankstelle am Lago Maggiore eine Waffe auf Menschen. Jetzt sagt eine Nachbarin an seinem Wohnort im Thurgau, dass sie S. in der Nacht auf Samstag mit einem Karabiner um die Schulter bei der Haustüre getroffen habe.
Publiziert: 12.10.2022 um 00:09 Uhr
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Aktualisiert: 12.10.2022 um 06:23 Uhr
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Am frühen Samstagabend bedroht der Schweizer Neonazi Günther S.*(31) am Lago Maggiore vorbeifahrende Autos mit einem geladenen Karabiner, auf dem Gewehr ein Bajonett.
Nicolas Lurati und Myrte Müller

Krach weckt Maria B.* aus dem Thurgau in der Nacht von Freitag auf Samstag. Nur Stunden vor dessen Amokfahrt am Lago Maggiore hat die Nachbarin des Schweizer Neonazis Günther S.* eine skurrile Begegnung mit dem 31-Jährigen. «Unten bei der Haustüre unseres Blocks traf ich Günther», sagt die Nachbarin am Montag zu Blick. «Es war etwa 1.30 Uhr. Er trug einen Karabiner um die Schulter.»

S. habe kurze Hosen und ein kurzes T-Shirt getragen, erinnert sich die Nachbarin. «Ein anderer Mann stand daneben. Ich sagte Günther, er solle in Anbetracht der Uhrzeit ein bisschen leiser sein», sagt die Nachbarin weiter.

Einige Stunden später dann tickt der Ostschweizer aus. Auf der italienischen Seite des Lago Maggiore jagt und rammt er mit einem VW Golf andere Autos. Im Drogenrausch und mit nacktem Oberkörper richtet er an einer Tankstelle einen Karabiner auf Passanten und Autofahrer. Unklar ist, ob es dieselbe Waffe ist, mit der ihn Nachbarin Maria B. ein paar Stunden zuvor mitten in der Nacht gesehen hat.

«Günther war immer nett und hilfsbereit»

Nach den Drohgebärden an der Tankstelle flüchtet Günther S. mit dem Auto. Aber die Flucht endet jäh in der Leitplanke. Die Carabinieri nehmen den Rechtsradikalen fest. Im Inneren des Autos finden die Beamten 45 Patronen des Kalibers 223, zudem eine Reihe von Gegenständen mit Nazi-Symbolen.

Die Gegenstände, die bei ihrem Nachbarn gefunden wurden, und die Tatsache, dass er ein solches Gedankengut in sich trägt, schockieren Nachbarin Maria B. «Ich schätzte ihn überhaupt nicht so ein. Er war immer nett und hilfsbereit.»

Nach dem nächtlichen Treffen findet B. keinen Schlaf mehr. «Ich hatte solche Angst. Ich dachte, er erschiesse sich noch hier in der Tiefgarage.» Denn: «Er wirkte in dieser Nacht verwirrt.» Und weiter: «Günther sagte mir bei unserer Begegnung unten bei der Haustür, dass er nun mit dem Töff fortwolle. Dann ist er aber mit dem Auto weggefahren.»

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«Er stellte klar, dass er ein Nazi sei»

Ebenfalls mit der Angst zu tun bekam es Daniel D.*, ein anderer Nachbar im Block. Am Freitag habe Günther S. ihn in seine Wohnung eingeladen. Er habe ihm von seinem Leben erzählt. «Er sagte mir, er sei im Gefängnis gewesen. Er machte auch klar, dass er ein Nazi sei.» Doch wie auch Maria B. berichtet Daniel D. von einem ansonsten freundlichen Nachbarn.

Das Bild des freundlichen Nachbarn hat sich wohl geändert. Am Montagnachmittag, als Blick vor Ort im Block ist, durchstöbern Polizisten die Räumlichkeiten von Günther S. Es sind Räumlichkeiten, in der gemäss den Nachbarn auch eine junge Frau und ein Baby wohnen. Das Kind soll jünger als ein Jahr sein. Nachbarin Maria B. sagt: «Das Ganze tut mir so leid für die Frau und das Baby.»

* Namen geändert

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