1278 Konkurse wurden im letzten Jahr durch die Mitarbeitenden des Konkursamtes bearbeitet, heisst es in einer Mitteilung des St. Galler Konkursamtes vom Montag. Das sind rund ein Drittel mehr Verfahren als noch 2024. «Der Zuwachs ist dabei insbesondere auf Unternehmens- und Erbschaftskonkurse zurückzuführen, während Privatpersonen im Zeitverlauf anteilsmässig vergleichsweise stabil bleiben», heisst es zusätzlich auf der Webseite des Konkursamtes.
732 Konkurse betrafen Unternehmen und 85 Privatpersonen. 461 gehen auf ausgeschlagene oder überschuldete Erbschaften zurück. Damit falle der - abgesehen von wenigen Ausnahmen - seit mehreren Jahren ansteigende Trend für 2025 «besonders deutlich» aus.
Sehr stark nahmen die Konkurse nach Betreibungen zu, ausgelöst durch eine Gesetzesänderung, die am 1. Januar 2025 in Kraft trat. Mit dem neuen Bundesgesetz erfolgte ein Systemwechsel, wonach neu auch sämtliche öffentlich-rechtlichen Forderungen wie Steuern, Abgaben, Gebühren oder Sozialversicherungsbeiträge zum Konkurs führen. Bisher führte die Nichtbezahlung dieser Forderungen zu einer Pfändung.
«Nach einem moderaten Beginn im April letzten Jahres stiegen die auf dieser Gesetzesänderung beruhenden Konkurseröffnungen bis Jahresende kontinuierlich und markant an, mit klarer Aufwärtstendenz», heisst es im Communiqué weiter. Ob die Zunahme der Konkurse auch auf eine generell schwierigere wirtschaftliche Situation schliessen lässt, sei nicht klar. Das sagte Patrick Müggler, stellvertretender Amtsleiter und Leiter Hauptsitz des Konkursamtes auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Für Rückschlüsse, ob die Zunahme der Konkurse auch wirtschaftlich bedingt ist, brauchen wir mehr Vergleichsdaten.»
Um 50 Prozent sind die Konkurseröffnungen bei Unternehmungen gestiegen. Die Zahl der an die Staatsanwaltschaft gemeldeten, strafrechtlich relevanten Sachverhalte stieg gegenüber dem Vorjahr um knapp 120 Prozent.
Der Anstieg der Konkurse wurde früh erkannt und der Kantonsrat bewilligte 800 Stellenprozente zusätzlich. Unter anderem durch diese Massnahme konnten rund ein Drittel mehr Konkursverfahren abgeschlossen werden. Es waren deren 1194. «Dennoch steigen die Pendenzen pro Fachperson angesichts des raschen und seit Jahren kontinuierlichen Gesamtanstiegs weiter an», bilanziert das Konkursamt.
Der Anstieg der Konkurseröffnungen betrifft grundsätzlich alle Regionen des Kantons. Am stärksten betroffen sind jedoch die Gemeinden rund um die Kantonshauptstadt mit einer Zunahme von 99 Verfahren. Die fünf politischen Gemeinden mit der höchsten Anzahl Konkursverfahren sind St.Gallen (286), Wil (70), Rapperswil-Jona (52), Buchs (49) und Rorschach (47). Einzig in den Gemeinden Amden und Pfäfers sind keine Konkurseröffnungen erfolgt.