Blick besucht Patric Burtscher: Wegen dieser Baustelle kams zum Streit mit der Gemeinde(01:41)

Flawiler Ex-Unternehmer stinksauer auf Behörden
«Denen sollte man die Bürostühle wegnehmen!»

Behörden-Gaga in Flawil SG! Wegen einer Kanalisationsleitung, für deren Umlegung die Gemeinde zuständig ist, verzögert sich der Neubau von Patric Burtscher (50) um mehrere Jahre. Der ehemalige Unternehmer hat genug und fängt an zu bauen. Jetzt tobt ein Rechtsstreit.
Publiziert: 02.02.2023 um 18:03 Uhr
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Aktualisiert: 02.02.2023 um 18:11 Uhr
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Patric Burtschers Tiefgarage ist noch nicht ganz fertig. Die Gemeinde blockiert.
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Sandro ZulianReporter News

Es ist ein irrer Kampf, den Patric Burtscher (50) führt – und das schon seit Jahren. Jetzt hat er genug vom ewigen Hin und Her mit der Baukommission der Gemeinde Flawil SG. Das grosse Problem: Eine 30 Meter lange Kanalisationsleitung der Gemeinde, die durch sein Grundstück führt.

Eigentlich wollte Burtscher eine Lagerhalle für seine ehemalige Firma bauen lassen, unterhöhlt von einer Tiefgarage für seine Mieter. Doch die Behörden lassen den laut eigenen Angaben «fetten Steuerzahler» im Regen stehen. Die Baueingabe, die Burtscher bereits 2018 eingereicht hatte, wurde erst im Januar 2020 von der Flawiler Baukommission bewilligt. Allerdings mit dem expliziten Vermerk, dass vor Baustart die Kanalisation umgelegt werden müsse.

Es vergehen die Jahre

Die Umlegung der Leitung und die damit verbundenen Kosten ist Sache der Gemeinde. Burtscher suchte das Gespräch. Dabei wurde klar: Die Gemeinde wollte die Leitung auf der anderen Seite von Burtschers Liegenschaft verlegen lassen. Für den Unternehmer inakzeptabel, schliesslich hatte er den dortigen Parkplatz erst kurze Zeit vorher sanieren lassen. Ausserdem hätten seine damaligen Kunden wochenlang nicht vor seinem Geschäft parkieren können.

Burtschers eigener Vorschlag der Neuverlegung hätte die Gemeinde etwa 100'000 Franken mehr gekostet. Das Geld hätte er auf ein Sperrkonto einzahlen müssen. Als er nicht darauf einging, hörte er nichts mehr von der Gemeinde – jahrelang.

Für den Unternehmer wird das zum Problem: Er möchte in die Tiefgarage einen Wärmespeicher für seine Solaranlage einbauen. Macht er das nicht in den nächsten anderthalb Jahren, gehen ihm kantonale Fördergelder in der Höhe von 20'000 Franken verloren. Das will er verhindern.

Im Dezember vergangenen Jahres hat er genug von der Warterei, setzt sich über die Gemeinde hinweg und fängt an zu bauen. «Wir wollten gerade die Decke betonieren, als die Polizei auf dem Platz stand», sagt Burtscher. Doch zu diesem Zeitpunkt spritzte der Beton schon aus allen Rohren, die Gemeinde liess ihn vorerst gewähren.

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Dann aber erhält der 50-Jährige Post, mehrere Strafanzeigen gehen ein. Vorerst darf er mit seinem Projekt nicht fortfahren. Seine «illegale» Tiefgarage ist Sache der Anwälte, der Streit liegt beim Kanton. Die Behörden, sowohl auf kantonaler als auch auf Gemeinde-Ebene, möchten sich gegenüber Blick nicht äussern und verweisen auf das laufende Rechtsverfahren. Wie lange dieses dauern soll: ungewiss. Nicht ganz ohne Ironie bemerkt Burtscher: «Eigentlich sind wir recht weit gekommen.»

Eine Kanalisation, die nicht stört, stört

Besonders absurd, sagt Burtscher, sei die Lage der Rohre: «Die Kanalisation stört gar nicht. Sie verläuft ausserhalb der Tiefgarage.» Ab Mitte Februar wird die Kantonsstrasse vor seiner Liegenschaft saniert. Es wäre die perfekte Gelegenheit, die umstrittene Kanalisation dort einzubetten. Sonst droht Chaos: «Die müssten danach die neue Strasse wieder aufreissen, das wäre Wahnsinn», sagt Burtscher, «das muss man doch koordinieren können!»

Trotz Baustopp will Burtscher nun den Speicher für seine Solaranlage in die Tiefgarage stellen: «Ich hoffe, dass bis zur Lieferung eine Lösung mit der Gemeinde da ist.»

Als kleine Erinnerung an die Polizeiintervention und den Baustopp kurz vor Weihnachten thront noch immer ein Christbaum inklusive Lichterkette auf der fertiggestellten Tiefgarage, direkt über der Hauptstrasse. «Solange sich niemand um diese Kanalisation kümmert, brennt beim Burtscher der Baum», meint er und fügt in Richtung der Behörden an. «Denen sollte man die Bürostühle wegnehmen!»

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