«War nur fünf Minuten weg und habe eine Busse bekommen»
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Parkverbot in St. Gallen:«War nur fünf Minuten weg und habe eine Busse bekommen»

12'000 Franken Bussen in 20 Tagen: «Das ist Schikaniererei»
St. Gallen hat den teuersten Parkplatz der Schweiz

Autofahrer in St. Gallen regen sich auf. Neue Töff-Parkplätze mitten in der Innenstadt sehen Autoparkplätzen zum Verwechseln ähnlich. Nur ein kleiner Hinweis deutet darauf hin. Wer mit vier Rädern dort parkiert, wird gebüsst. Die Stadtpolizei erklärt sich.
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Sie sehen aus wie Autoparkplätze, sind aber keine.
Foto: Sandro Zulian

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • In St. Gallen wurden vormals gestrichene Parkplätze zu Töffplätzen umgewandelt
  • 290 Bussen in nur 20 Tagen ausgestellt: 12'000 Franken Einnahmen
  • Kaum Töffs nutzen die neuen Plätze, viele Autos erhalten Strafen
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Sandro ZulianReporter News

In der Stadt St. Gallen sind oberirdische Parkplätze Mangelware. Die Stadt hat vor einem Jahr über 100 Parkplätze in der Innenstadt aufheben lassen. Grund dafür: das neu eröffnete Parkhaus Central mit 330 Plätzen im Trockenen.

Auch die wohl begehrtesten Parkplätze in der Innenstadt wurden damals gestrichen: 12 Stück beim «Union»-Gebäude am Oberen Graben. Zweimal Umfallen und man war bei der Stiftsbibliothek, einmal umfallen und man war am Marktplatz. Näher am Geschehen geht es kaum.

Die Aufhebung dieser 12 Parkplätze im «Pärkli» haben Autofahrerinnen und Autofahrer zähneknirschend hingenommen. Gross etwas dagegen machen konnten sie nicht, Betonpoller versperrten seit März 2025 die Zufahrt.

Parkplätze wieder offen – aber nur für Töffs

Seit ungefähr 20 Tagen sind diese Barrikaden plötzlich wieder verschwunden. Die Rückkehr der «Union»-Parkplätze im Pärkli? Nein. Die ehemaligen Autoparkplätze sehen zwar noch immer aus wie Autoparkplätze und auch das grosse, weisse «P» auf blauem Grund könnte darauf deuten – aber es sind in der Tat neu Töff-Parkplätze.

Parkplätze, die aussehen wie Autoparkplätze, aber keine sind.
Foto: Sandro Zulian

Das Motorrad auf dem Schild wird gerne übersehen, Pflanzen ranken sich bereits um die Schilder und drohen, den kleinen Töfffahrer zu überdecken. Linien am Boden, die auf Zweirad-Parkplätze hindeuten könnten, fehlen.

Der Töffahrer auf dem Schild ist neben dem grossen weissen «P» schnell übersehen.
Foto: Sandro Zulian

Viele Autofahrerinnen parkieren hier – sie haben das Schild nicht bemerkt oder nur das grosse «P» gesehen. An den Windschutzscheiben flattern kleine, weisse Zettel. Es sind Bussen. Alle haben sie eine kassiert.

«Man kann die Hauskasse auch so füllen!»

Die, die hier gebüsst wurden, sind nicht gut auf die Polizei zu sprechen, wie Blick vor Ort erfährt. «Das ist eine Schikaniererei», sagt Pascal aus Roggwil TG, der im Auto sitzt und schnell wieder wegwill. Der 26-Jährige ist genervt: «Ich bin nur fünf Minuten etwas holen gegangen und schon habe ich eine Busse drauf.» 

Er kommt nicht wieder: Pascal aus Roggwil TG.
Foto: Sandro Zulian

«Es ist sehr schlecht gekennzeichnet», sagt Pascal. «Die Breite hier ist die eines Autos und nebenan standen schon welche. Also habe ich mich angeschlossen.» Er deutet auf das Nachbarauto – auch dort saugt sich gerade eine Busse mit dem Schneeregen von St. Gallen voll. 

Einer, der noch einen Ticken hässiger ist als Pascal, ist Mike Hardegger (32). Er fährt einen Behindertentransport, einen grossen, weissen Van. «Wir transportieren Menschen mit einer Gehbeeinträchtigung und müssen gut parkieren können», beginnt er. In der Stadt St. Gallen habe es wenige Parkplätze, die Parkhäuser seien eng. «Wenn ich also einen freien Platz sehe, den niemand braucht, dann parkiere ich hier. Dann erlaube ich mir das.» 

Ist ziemlich hässig: Mike Hardegger (32) aus St. Gallen.
Foto: Sandro Zulian

Die schlechte Beschilderung macht ihn wütend: «Man kann die Haushaltskasse auch so füllen! Das ist einfach eine Frechheit.»

Stadtpolizei hält Schilder für «ausreichend»

Blick fragt bei der Stadtpolizei St. Gallen nach. Gemäss Sprecher Dionys Widmer hat alles seine Richtigkeit: «Die Signalisierung ist ausreichend und entspricht den Vorgaben des Strassenverkehrsrechts.» Dass hier nur Töffs parkieren dürfen, sei genügend ausgeschildert.

Am Oberen Graben in St. Gallen hagelt es aktuell Parkbussen gegen Autofahrer.
Foto: Sandro Zulian

Wie viel hat die Stadtpolizei mit diesen Parkbussen schon kassiert? Widmer: «280 Bussen à CHF 40 Franken wurden für Übertretungen bis zu zwei Stunden ausgestellt. 8 Personen erhielten eine Busse von 60 Franken für Übertretungen zwischen zwei und vier Stunden. Zwei weitere Bussen à CHF 100.– betrafen Übertretungen von vier bis zehn Stunden.» Macht insgesamt knapp 12'000 Franken – in nur 20 Tagen! Geht das ein Jahr lang so weiter, hat die Stadt fast eine Viertelmillion extra auf dem Konto.

Dionys Widmer, Sprecher der Stadtpolizei St. Gallen. Er sieht keinen Handlungsbedarf bei der Beschilderung.
Foto: Stadtpolizei St. Gallen

Was die meisten Autofahrer nervt: Die Parkplätze sehen aus wie Autoparkplätze, sind entsprechend breit und lang. Dazu sagt Dionys Widmer: «Bei der Einführung wurden zusätzlich eine nicht vorgeschriebene Bodenmarkierung geprüft, welche aufgrund der Pflastersteine aber nicht angebracht werden kann.»

Probleme habe es seit der Umstellung kaum gegeben, gemäss Polizei-Sprecher seien die meisten Falschparker «einsichtig» gewesen und hätten ihre Busse akzeptiert. 

So sah es hier bis vor ein paar Wochen noch aus. Autos hatten keine Chance, zu parkieren.
Foto: Stadt St. Gallen
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