Darum gehts
- Tierschützer Olivier Bieli bei Jagdmesse Schweiz in Spreitenbach angegriffen
- Angreifer würgte Bieli und entwendete sein Handy, Polizei eingeschaltet
- Hunt Watch kündigt Bodycams an, um Gewalt und Drohungen besser zu dokumentieren
«Hört auf, Tiere zu töten»: Das steht auf dem Transparent eines Demonstranten der Anti-Jagd-Bewegung Hunt Watch. Rund 20 Tierschützer demonstrierten am vergangenen Wochenende vor der Jagdmesse Schweiz in Spreitenbach AG.
Dabei kam es am Sonntagmorgen zu einem tätlichen Angriff auf Hunt-Watch-Gründer Olivier Bieli (41). «Wir standen mit unseren Schildern in unserem bewilligten Bereich und haben normal miteinander geredet», sagt er.
Messe-Besucher greift Tierschützer an
Plötzlich seien zwei Männer mittleren Alters an ihnen vorbei gelaufen, von denen einer «ihr Missgeburten» gerufen habe. «Ich antwortete: Wie bitte?», erzählt Bieli. «Wir rechnen mit Provokationen gegen uns, aber so etwas lassen wir uns nicht gefallen.»
Um dies zu dokumentieren, zückt er das Handy und filmt die Situation. Die beiden Männer laufen auf die Aktivisten zu und provozieren weiter. Auf dem Video hört man, wie derselbe Unbekannte sagt: «Hat dich dein Mami zu wenig geliebt, oder was?»
Als Bieli fragt «Wie bitte? Was sagen Sie uns?», kommt es zum Handgemenge. «Er hat mich am Hals gewürgt», erklärt der Tierschützer. Die Situation schaukelt sich hoch. Auch der zweite Mann kommt näher und sagt: «Schau mal die Pissköpfe an.»
Bieli sagt laut: «Gehts noch, mir an den Hals zu fassen? Sind Sie noch ganz dicht? Warum machen Sie das?» Sein Angreifer beginnt ebenfalls zu filmen. Dann geht er erneut auf Bieli zu und entreisst ihm das Handy. Die Aufnahme bricht ab.
Kampf ums Handy
Laut Bieli habe sich der Angreifer daraufhin mit dem entrissenen Handy entfernt. Der Tierschützer sei ihm nachgelaufen und habe ihn mehrmals dazu aufgefordert, ihm das Handy zurückzugeben. Nach mehreren Versuchen habe er seinem Angreifer das Gerät schliesslich entreissen können.
Als sich die zwei unbekannten Männer zum Eingang der Jagdmesse begeben, will Bieli die Messe-Leitung über den Vorfall informieren. Zwei Aktivisten begleiten ihn. Als sie dabei erneut an den zwei Männern vorbei kommen, soll der Angreifer Bieli gegenüber gedroht haben, indem er fragte, ob er ihm ‹fadegrad uf d Schnorre› hauen solle. Bielis Begleiter, eine Frau und ein Mann, sollen zudem von anderen Messe-Besuchern geschubst worden sein.
Bis zur Messe-Leitung kommen sie nicht. «Der Sicherheitsdienst stellte uns raus, obwohl wir ihnen mitgeteilt haben, worum es geht.» Das macht den Tierschützer wütend: «Es kann nicht sein, dass Aktivisten einer bewilligten Demonstration angegriffen werden.»
Bieli zeigt Angreifer an
Die Anti-Jagd-Aktivisten rufen die Polizei. Dominic Zimmerli, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, bestätigt den Einsatz gegenüber Blick. Ebenso, dass es sich um eine bewilligte Demonstration handelte.
«Wir haben vor Ort eine Lageeinschätzung vorgenommen und aufgrund der Verhältnismässigkeit keine Intervention in das Messegelände vorgenommen», so der Sprecher. «Gemäss meinem jetzigen Kenntnisstand konnten die beiden Personen noch nicht ermittelt werden.»
Delikte wie dieses verfolge die Polizei lediglich auf einen Antrag hin, erklärt Zimmerli.
Hunt-Watch-Gründer Olivier Bieli sagt gegenüber Blick, dass er unterdessen zwei Anzeigen gegen unbekannt erstattet habe. Weil er im Elsass wohnt, über den Postweg. Eingetroffen sind diese laut dem Polizei-Sprecher am Dienstag noch nicht.
Bodycams für Aktivisten
Der Aktivist sagt: «Wir prangern an, dass Gewalt an Tieren ausgeübt wird. Im Gegenzug erleben wir wiederholt Gewalt und Drohungen gegen uns. Das sollte nicht sein.» Nach mehreren Vorfällen dieser Art werde Hunt Watch nun Konsequenzen ziehen: «Wir werden uns mit Bodycams ausrüsten, um künftige Aktionen noch besser dokumentieren zu können.»
Obwohl sie mit dem Grossteil der Jäger keine Probleme hätten, werde die Hemmschwelle einzelner Exponenten immer kleiner. «Oft haben sie eine kurze Zündschnur. Auch wenn wir sie auf der Jagd im Wald begleiten, wenn sie bewaffnet sind.»
Trotz des Vorfalls haben die Hunt-Watch-Aktivisten bis am Sonntagabend weiter demonstriert. Gründer Bieli: «Wir lassen uns nicht einschüchtern.»