Markus F. (41) wurde wegen gefälschten BLICK-Artikels Opfer einer Krypto-Bande
Internet-Betrüger nutzen die Schweizer Mentalität aus

Sie fälschen Zeitungsartikel, erfinden Interviews mit Promis – und das nur, um gutgläubige Schweizer abzuzocken. BLICK zeigt, wie der Bitcoin-Betrug funktioniert und wer dahintersteckt.
Publiziert: 02.08.2019 um 19:49 Uhr
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Aktualisiert: 03.02.2021 um 15:58 Uhr
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BLICK-Leser Markus F.* fiel vor einigen Wochen auf einen Kryptobetrug herein.
Petar Marjanovic
Petar MarjanovicNews-Redaktor

Seit Wochen kursiert eine fiese Betrugsmasche im Internet: Aggressive Inserate werben auf Facebook, Google oder Twitter für gefälschte Webseiten, die schnelles Geld und sogar Millionen-Vermögen versprechen. Die Betrüger ziehen alle Register, verwenden die modernsten Technologien. Und fälschen Webseiten von seriösen Medien, um das Vertrauen zu gewinnen. Betroffen sind unter anderen SRF, «Spiegel» – und BLICK.

Der Baselbieter BLICK-Leser Markus F.* (41) fiel darauf herein. An einem frühen Samstagmorgen im Juli stolperte er über ein solches Inserat. Auf der Webseite dahinter hiess es: Man müsse nur Geld einzahlen, die ganze Arbeit übernehme ein intelligentes Programm. Es kaufe und verkaufe Kryptowährungen in Sekundenschnelle. Durch die Kurssprünge könne es in kürzester Zeit mit Bitcoin ein Vermögen generieren.

Die Webseite kam im BLICK-Design daher – dahinter stecken aber international agierende Betrüger, die nichts mit dieser Zeitung zu tun haben. Sie kopieren das Logo und zeigen erfundene Interviews mit Promis wie Tennisgott Roger Federer (37), SRF-Moderator Kurt Aeschbacher (70) oder Showmaster Thomas Gottschalk (69).

Profibetrüger setzen auf psychologische Verwirrung

Das Ziel ist, möglichst grosse Verwirrung zu stiften und mit psychologischen Tricks das Vertrauen zu gewinnen. So glaubte Markus F., dass ein BLICK-Artikel ihm ein Interview zwischen DJ Bobo (bürgerlich: René Baumann) und dem Talkmaster Roger Schawinski (74) zeige. Stattdessen befand er sich auf der Fakeseite «24heurez.com». Über den Umweg über eine zweite Seite landete das Opfer auf der eigentlichen Handelsplattform UproFX.

«Das Interview mit Schawinski wirkte für mich echt, weil DJ Bobo beim richtigen Namen genannt wurde», erklärt Markus F. zu BLICK. Viel zu spät bemerkte er die Details. Umgehend verlangte er die Sperrung der Kreditkarte und forderte von Postfinance, die Einzahlung von 500 Euro zu stornieren – mit Erfolg.

BLICK erhielt während der Recherche Einblick in hochkomplexe Firmenstrukturen. Sie operieren aus dem Ausland, tarnen praktisch täglich ihre Identitäten mit anonymen Firmen in Steueroasen wie Vanuatu oder auf den Marshallinseln.

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«Das Problem hier ist aber, dass der Handel gar nie stattfindet. Die Webseiten täuschen nur vor, dass im Hintergrund blitzschnelle Bitcoin-Transaktionen gemacht werden. Stattdessen landet das Geld direkt bei den Betrügern», sagt Fintech-Expertin Elfriede Sixt zu BLICK. Sie gründete die Efri-Initiative, die europaweit Opfer, Anwälte und Strafverfolgungsbehörden berät.

Zielgruppe: Schweizer zwischen 50 und 85

Orchestriert wird dies von Hintermännern wie dem Bulgaren Petar Zlatkov (35) oder dem Israeli Gal Barak, wie Handelsregisterdaten zeigen. Letzterer wurde mittlerweile verhaftet, in seinem Heimatland bieten aber weiterhin Firmen wie Panda Trading Systems technische Komplettlösungen, mit denen in kürzester Zeit neue Betrüger-Webseiten gebaut werden können.

«Sie sind nicht nur technisch auf dem neustem Stand, die erfolgreichen Portale operieren auch mit eigenen Callcentern. Unter den deutschsprachigen Telefonisten herrscht Wettbewerb, wer am meisten Opfer zur Einzahlung motivieren kann», erklärt Elfriede Sixt. Die besten von ihnen arbeiten mit Zielgruppen, im Visier stehen Schweizerinnen und Schweizer im Alter zwischen 50 und 85. Die Expertin begründet: «Das liegt an der Mentalität: Sie können sich nicht vorstellen, dass man betrogen wird.» Viele würden sich schämen und den Betrug gar nicht erst anzeigen.

Markus F. kann das nachvollziehen: «Ich habe mich auch blöd gefühlt.» Obwohl er kein Geld verloren hat, hat die Geschichte für ihn Folgen: Er wird seither telefonisch terrorisiert. «Praktisch täglich werde ich von 061- und 043-Nummern angerufen. Ich nehme die gar nicht mehr ab und blockiere sie.»

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* Name geändert

So entlarven Sie Cyberbetrüger

1. Von nichts kommt nichts! Geld kann man auch im Netz meistens nicht ohne Arbeit verdienen. Tönt ein Angebot zu gut, um wahr zu sein, ist Vorsicht geboten.

2. Hinterfragen Sie den Inhalt! Kann es wirklich sein, dass ein Star sich für ein solches Produkt einsetzt? Würden Medien solch einen unkritischen Inhalt ohne Werbehinweis veröffentlichen?

3. Prüfen Sie die Internetadresse! Offizielle BLICK-Artikel im typischen Erscheinungsbild sind immer unter der Adresse Blick.ch zu finden. Andere Adressen wie im im Foto weisen auf einen Betrug hin (z. B. 24heurez.com)

4. Melden Sie Fake-Inserate bei Facebook. Wenn Sie über ein gefälschtes Kryptohandel-Inserat stolpern, dann melden Sie diese Webseite bei Facebook. Das hilft, weitere Betrugsfälle zu verhindern.

5. Informieren Sie die Behörden. Viele Opfer schämen sich und melden Betrugsfälle nicht der Justiz. Wer die Polizei und Kreditkartenfirma früh genug informiert, hat grössere Chancen, das Geld zurückzubekommen.

1. Von nichts kommt nichts! Geld kann man auch im Netz meistens nicht ohne Arbeit verdienen. Tönt ein Angebot zu gut, um wahr zu sein, ist Vorsicht geboten.

2. Hinterfragen Sie den Inhalt! Kann es wirklich sein, dass ein Star sich für ein solches Produkt einsetzt? Würden Medien solch einen unkritischen Inhalt ohne Werbehinweis veröffentlichen?

3. Prüfen Sie die Internetadresse! Offizielle BLICK-Artikel im typischen Erscheinungsbild sind immer unter der Adresse Blick.ch zu finden. Andere Adressen wie im im Foto weisen auf einen Betrug hin (z. B. 24heurez.com)

4. Melden Sie Fake-Inserate bei Facebook. Wenn Sie über ein gefälschtes Kryptohandel-Inserat stolpern, dann melden Sie diese Webseite bei Facebook. Das hilft, weitere Betrugsfälle zu verhindern.

5. Informieren Sie die Behörden. Viele Opfer schämen sich und melden Betrugsfälle nicht der Justiz. Wer die Polizei und Kreditkartenfirma früh genug informiert, hat grössere Chancen, das Geld zurückzubekommen.

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