Darum gehts
- Dutzende Häftlinge protestierten am 2. Februar 2026 in Bellechasse-Gefängnis
- Verein AF3DF wirft Gefängnisleitung schädliche und demütigende Haftbedingungen vor
- Im Juni 2023 gab es bereits einen Streik von Dutzenden Häftlingen
Am Montagabend kam es im Gefängnis Bellechasse bei Murten FR zu einem heftigen Aufstand. Dutzende Häftlinge verbarrikadierten sich drei Stunden lang in einem Teil des geschlossenen Vollzugs und hinterliessen eine Spur der Verwüstung. Das Gefängnispersonal musste bei der Freiburger Kantonspolizei Verstärkung anfordern. Erst dann konnte die Situation entschärft werden. RTS berichtete am Mittwoch zuerst über den Vorfall.
Die Häftlinge wollten laut Bericht gegen ihre Haftbedingungen protestieren. Demnach würden sie insbesondere die überhöhten Kosten für Telefonate und zusätzliche Lebensmittel sowie die Besuchsbedingungen anprangern. Bereits im Juni 2023 kam es in dem Gefängnis zu einem Streik – auch damals protestierten mehrere Dutzend Häftlinge gegen ihre Haftbedingungen.
«Völlige Missachtung des Schweizer Rechts»
Am Donnerstag erreichte Blick ein Communiqué des Vereins AF3DF. Der Verein hat sich laut eigener Aussage «zum Ziel gesetzt, den Gefangenen in den Haftanstalten des Kantons Freiburg dabei zu helfen, ihre Rechte zu wahren, die Haftbedingungen zu verbessern und ihre Angehörigen zu beraten, zu unterstützen und zu begleiten.»
In dem E-Mail erhebt AF3DF schwere Vorwürfe gegen die Leitung des Gefängnisses Bellechasse. «Das eigentliche Problem ist, dass es ein ganzes System gibt, das von der Leitung gewollt ist, um die Haftbedingungen schädlich, demütigend und schlecht zu machen», behauptet der Verein. Er wirft ihr eine «völlige Missachtung des Schweizer Rechts» vor.
Und weiter: «Die Leitung tut alles, damit das Gefängnis eine Zone der Gesetzlosigkeit, Frustration und Wut bleibt.» Der Verein zieht sogar einen Vergleich mit den Haftbedingungen im Iran.
«Mangelnde Kenntnis der Funktionsweise der Strafanstalt»
Was sagen die Freiburger Behörden zu diesen schweren Vorwürfen? Didier Page, stellvertretender Generalsekretär der Justiz-, Sicherheits- und Sportdirektion, weist die Vorwürfe entschieden zurück. «Das Communiqué zeugt von einer mangelnden Kenntnis der Funktionsweise der Freiburger Strafanstalt (EDFR)», sagt Page zu Blick.
Er ergänzt: «Wie alle Strafvollzugsanstalten unseres Landes wird auch die EDFR von der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter (CNPT) sowie vom Europäischen Ausschuss zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe (CNT) besucht.» Der letzte Besuch des Ausschusses habe im Jahr 2024 stattgefunden.
Der Vergleich mit den Haftbedingungen im Iran sei zudem «lächerlich und beleidigend».
Die Justiz-, Sicherheits- und Sportdirektion äussere sich nicht zu Einzelheiten der Forderungen. «Die betroffenen Strafgefangenen erhalten als Erste die Antworten auf ihre Beschwerden», so Page weiter.