Darum gehts
- Blick-Leser frustriert über Ricardo-Auktion für E-Bike-Besichtigung
- Kommunikation zwischen Käufer und Verkäufer durch automatische Löschung von Nachrichten erschwert
- Nutzer von Auktion ausgeschlossen und blockiert, ohne Termin vereinbart zu haben
Markus S.* ist stinksauer auf das Online-Auktionshaus Ricardo. Der Berner wollte eigentlich nur ein E-Bike besichtigen, das ihm sehr gut gefällt – doch schnell merkte er: Ganz so einfach ist das nicht. «Mit dieser Aktion haben sie wirklich den Vogel abgeschossen», meint S. entrüstet.
Doch was ist genau passiert? S. erklärt seinen Frust: «Ich habe mich via Frage-Antwort-Button bei der Verkäuferin des Velos gemeldet und nach einer Besichtigung gefragt. Sie war einverstanden und ich gab ihr meine Nummer, um einen Termin abzumachen.» Doch plötzlich habe er nichts mehr gehört.
«Keiner konnte jeweils die Antwort des anderen sehen»
Weil ihm die Situation keine Ruhe liess und er weiter an dem E-Bike interessiert war, besuchte S. die Webseite von Ricardo. «Ich hatte keine Ahnung, was ich falsch gemacht habe.» Doch dann stiess er auf die Info von Ricardo: Eine Telefonnummer dürfe nur unter der Bedingung ausgetauscht werden, wenn klar wird, dass es um einen Besichtigungstermin geht. «Wenn dies nicht eindeutig erkennbar ist, wird die Frage oder Antwort automatisch verborgen», heisst es auf der Homepage.
In S. Fall schien genau dies passiert zu sein. «Wir schrieben hin und her, aber keiner konnte jeweils die Antwort des anderen sehen.» Plötzlich habe ihm die Verkäuferin bestätigt, dass die vereinbarte Zeit passt. «Wir haben aber weder eine Zeit noch einen Treffpunkt abgemacht.» Anschliessend wurde S. blockiert und von der Auktion ausgeschlossen.
S. kann nicht verstehen, warum den Nutzern das Leben so schwer gemacht wird. Er habe die Hotline von Ricardo kontaktiert und nach den Hintergründen der Regelung gefragt. «Doch es hiess nur, dass es momentan halt so ist.» Jetzt hat er kein E-Bike und kann an der Auktion auch nicht mehr teilnehmen. «Ich bin wirklich verärgert und verstehe das nicht.»
«Es ist grundsätzlich nur noch vonseiten der Verkäufer möglich»
Ricardo erklärt auf Anfrage, dass die Frage-Antwort-Funktion ausschliesslich für produktbezogene Informationen gedacht sei. «Die Fragen und Antworten haben primär die Funktion, offene Fragen zu einem Produkt zu klären und nicht, um Kontakte ausserhalb der Plattform auszutauschen», sagt Mediensprecherin Mojca Fuks zu Blick. Die geschriebenen Inhalte werden von dem Auktionshaus kontrolliert und gegebenenfalls eingeschränkt.
Dies geschah auch im konkreten Fall: «Die Person hat seine eigene Telefonnummer eingegeben sowie die Adresse des Verkäufers und einen möglichen Treffpunkt mehrmals via Fragen & Antworten abgefragt», bestätigt Ricardo den Sachverhalt. Solche Fragen seien jedoch nicht erlaubt.
«Es ist grundsätzlich nur noch vonseiten der Verkäufer möglich, die Telefonnummer anzugeben. Eine Besichtigung wird nur in einzelnen Kategorien zugelassen.» Autos fallen beispielsweise in diese Kategorie. Ansonsten seien Besichtigungen nicht vorgesehen.
Ricardo: «Erfolgsprovisionen werden umgangen»
Die Gründe für diese Einschränkungen: die Minimierung des Betrugrisikos sowie die Sicherstellung von regelkonformen Transaktionen. «Da in der Vergangenheit viele Phishing-Versuche mit einem Austausch von Telefonnummern via ‹Fragen & Antworten› initiiert wurden, dienen diese Einschränkungen der Sicherheit der Nutzer», erklärt Ricardo.
Weiter will das Auktionshaus die Gewährleistung von korrekten Transaktionen aufrechterhalten. «Auf Ricardo – als transaktionale Plattform – werden die Transaktionen über die Plattform abgewickelt. Bei einem Verkauf ausserhalb entfallen die Schutzmechanismen. Zudem werden die Erfolgsprovisionen umgangen, auf die Ricardo nach einem erfolgreichen Verkauf Anspruch hat.»
Ein schwacher Trost für den Berner. Er hat keine Lust mehr auf Ricardo. Aber dafür jetzt ein E-Bike gefunden – und zwar bei Tutti.
* Name bekannt