Darum gehts
- Pollensaison in der Schweiz bereits voll im Gang, Belastung hoch bis sehr hoch
- Klimawandel verlängert Saison und verstärkt Pollenproduktion durch Stress und Wärme
- Ein Drittel der Bevölkerung leidet an Heuschnupfen, Tendenz steigend
Ist das jetzt eine Erkältung oder Heuschnupfen? Wer plötzlich schnieft, hat sich nicht unbedingt etwas eingefangen – es könnten auch die fiesen Pollen sein. Denn: «Die Pollensaison fängt früher an und hört später auf», sagt Roger Perret, Meteorologe bei «Meteo News», zu Blick. Im Vergleich zu früher habe sich der Beginn der Pollensaison «mindestens ein bis zwei Wochen» nach vorne verschoben. Gleichzeitig ziehe sich der Pollenflug länger hin, teilweise bis tief in den Herbst.
Ein Blick auf die Pollenkarte von Meteo Schweiz zeigt: Aktuell treiben Hasel und Erle ihr Unwesen. Schon kurz vor Weihnachten gab es erste Warnungen des Allergiezentrums Schweiz, mittlerweile ist die Karte tiefrot gefärbt. Später überlagern sich Baum- und Gräserpollen stärker als früher. Für viele bedeutet das: Symptome über Monate hinweg, statt einer kurzen Leidensphase.
Klimawandel sorgt für mehr und aggressivere Pollen
Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich. Höhere Temperaturen und steigende CO₂-Werte fördern das Pflanzenwachstum, viele Gewächse bilden mehr Blüten und damit mehr Pollen. Gleichzeitig geraten Pflanzen durch Hitze, Trockenheit und Umweltveränderungen unter Stress. Diese Stressreaktionen können dazu führen, dass sie noch mehr Pollen freisetzen.
Bleibt im Frühling der Regen aus, werden die Pollen zudem nicht aus der Luft gewaschen. In trockener Luft schweben sie besonders gut, ein leichter Wind reicht, um sie immer wieder aufzuwirbeln.
Keine Entspannung in Sicht
Auch eingeschleppte Arten spielen eine Rolle. Ein Beispiel ist Ambrosia, ursprünglich aus Nordamerika importiert. Sie produziert enorme Mengen extrem feiner Pollen, die tief in die Atemwege eindringen können und ihre Blüte reicht bis weit in den Herbst hinein.
Umweltbedingt sind heute also mehr Pollen in der Luft und mehr Menschen betroffen. Bis zu einem Drittel der Bevölkerung leidet an Allergien, Tendenz steigend.
Die Aussichten sind ernüchternd. «Eine Entlastung ist momentan leider nicht in Sicht. In den nächsten zehn Tagen ist kaum nennenswerter Niederschlag prognostiziert, eine grosse Entspannung zeichnet sich nicht ab», so Perret. Allergiker müssen also jetzt ganz stark sein.