Jeder fünfte Schweizer ist betroffen – Zahl könnte noch zunehmen
Warum Pollen für viele Menschen zum Problem werden

Heuschnupfen ist keine Bagatelle, sondern kann sich bei Nicht-Behandlung verschlimmern. Mit Medikamenten oder Hyposensibilisierung kann die Allergie jedoch abgemildert werden. Alle Fakten im Überblick.
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Die Pollen sind im Anflug. 20 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer leiden unter der Allergie.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Heuschnupfen betrifft 20 % der Schweizer Bevölkerung, Tendenz steigend durch Klimawandel
  • Unbehandelter Heuschnupfen kann allergisches Asthma verursachen, wirtschaftliche Kosten bis 4 Milliarden CHF
  • Kinder mit allergischen Eltern haben über 60 Prozent Risiko für Heuschnupfen
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Niesen, juckende Augen, verstopfte Nase: Heuschnupfen betrifft in der Schweiz einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung. In Zukunft könnte die Zahl sogar noch zunehmen. Aber warum? Und wie schlimm ist Heuschnupfen eigentlich? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum haben Leute Heuschnupfen?

Heuschnupfen ist, wie alle Allergien, eine Fehlreaktion des körpereigenen Abwehrsystems. Wenn eigentlich harmlose Pollen in die Atemwege geraten, identifiziert das Immunsystem von Betroffenen gewisse Eiweisse dieser Pollen fälschlicherweise als gefährliche Eindringlinge und beginnt, sich gegen sie zu wehren.

Dafür produziert es bestimmte Abwehrstoffe, sogenannte IgE-Antikörper. Treffen später erneut Pollen auf die Schleimhäute der Nase, Augen oder Atemwege, sorgen diese Antikörper dafür, dass der Botenstoff Histamin ausgeschüttet wird. Dieser stachelt den Körper zum Kampf gegen die Eindringlinge an. Dieser «Kampf» führt zu den typischen allergischen Reaktionen wie einer laufenden oder verstopften Nase, Juckreiz, tränenden Augen und Atembeschwerden.

Wie viele Menschen sind betroffen?

Laut einem Faktenblatt der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT) aus dem Jahr 2024 ist rund jede fünfte Person in der Schweiz davon betroffen. Wegen des Klimawandels nimmt diese Zahl laut der SCNAT aber zu. So waren im Jahr 1926 demnach schätzungsweise nur 0,8 Prozent der Bevölkerung allergisch. Einige Studien deuten darauf hin, dass sich die Häufigkeit von Heuschnupfen in der Schweiz seit den 1990er Jahren stabilisiert hat, aber nur wenige Studien liefern laut der Akademie repräsentative Daten oder Langzeitdaten.

Wie schlimm ist Heuschnupfen?

Heuschnupfen ist keine Bagatellerkrankung, wie das Zürcher Universitätsspital auf seiner Website betont. Wird die Pollenallergie nicht behandelt, verschlimmern sich die Symptome bei vielen Betroffenen. In der Medizin nennt sich das «Etagenwechsel». Die allergische Reaktion weitet sich dabei auf ihre unteren Atemwege, also die Bronchien, aus und verursacht dort allergisches Asthma.

Pollenallergien haben laut der SCNAT auch wirtschaftliche Folgen: In der Schweiz erreichen sie Schätzungen zufolge eine Höhe zwischen einer und vier Milliarden Franken pro Jahr. Darin enthalten sind sowohl direkte Kosten für Medikamente oder Spitalaufenthalte als auch indirekte Kosten durch verminderte Produktivität und verpasste Schul- und Arbeitstage.

Was können Betroffene tun?

Heuschnupfen-Geplagten wird geraten, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen. Zur Behandlung der Symptome stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Die richtige Behandlung kann laut dem Universitätsspital Zürich die akuten Symptome des Heuschnupfens in Schach halten und eine Verschlimmerung verhindern. Eine sogenannte Hyposensibilisierung kann zudem das Risiko vermeiden, dass bei Betroffenen weitere Allergien hinzukommen. In einigen Fällen werden erkrankte Personen sogar gänzlich beschwerdefrei.

Wie bekommt man die Allergie, ist sie vererbbar?

Ja, Heuschnupfen hat eine genetische Komponente. Sind bereits Mutter und Vater betroffen, steigt das Risiko für Heuschnupfen von deren Kindern laut dem USZ auf über 60 Prozent. Sind weder Eltern noch Geschwister Allergiker, sinkt es auf 15 Prozent.

Allerdings spielen neben genetischer Veranlagung auch gewisse Umweltfaktoren eine Rolle. Dazu gehört die Hygiene: Wenn Personen einer geringeren Vielfalt an Mikroorganismen ausgesetzt sind, kann es zu einer veränderten Entwicklung des Immunsystems kommen. Der Körper reagiert dann überschiessend auf relativ harmlose Pollen. Das zeigt unter anderem auch eine Studie aus der Schweiz. Die im Jahr 2001 in der Fachzeitschrift «The Lancet» veröffentlichte Studie mit dem Namen Scarpol zeigte, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, seltener an Pollenallergien, Asthma und allergischen Sensibilisierungen leiden.

Mehrere Studien weisen ausserdem darauf hin, dass Luftschadstoffe wie Feinstaub oder Ozon mit einem erhöhten Risiko für gewisse Allergien verknüpft sind. Allerdings weisen diese Studien keinen Kausalzusammenhang nach. Andere Studien haben aber gezeigt, dass Luftschadstoffe die Durchlässigkeit des Atemwegepithels erhöhen können, wodurch Allergene leichter Zugang zum Immunsystem erhalten.

Spielt der Klimawandel eine Rolle?

Der Klimawandel hat laut der SCNAT dazu geführt, dass viele allergieauslösende Pflanzen ihre Pollen früher und mit höherer Intensität freisetzen. Zudem begünstigt der Klimawandel die Ausbreitung invasiver, stark allergener Pflanzen wie Ambrosia.

Die Hasel- und Gräserpollensaison hat sich in den letzten 30 Jahren laut einer Studie im Fachblatt «Science of the Total Environment» aus dem Jahr 2021 um durchschnittlich zwei Wochen verfrüht.

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