Nach schweren Unwettern
Leiche im Flussbett der Maggia entdeckt

Schwere Gewitter und Niederschläge zogen am Freitagabend über das Bündner Südtal Misox und lösten einen Bergsturz und einen Erdrutsch aus. Strassen mussten gesperrt werden.
Publiziert: 11.07.2024 um 18:58 Uhr
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Aktualisiert: 18.07.2024 um 16:26 Uhr
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Die Aufräumarbeiten sowie die Suche nach den Vermissten im Misox läuft auf Hochtouren.
18.07.2024, 16:25 Uhr

Leiche im Maggiatal gefunden

Der leblose Körper einer noch nicht identifizierten Person ist am Donnerstag kurz nach 11 Uhr im Flussbett der Maggia bei Cevio im Tessin gefunden worden. Die Leiche wurde von Zivilschützern entdeckt, wie die Kantonspolizei mitteilte.

Damit sind nach dem schweren Unwetter von Ende Juni im oberen Maggiatal nun sechs Personen tot geborgen worden. Zwei weitere werden noch vermisst. Der Leichenfund vom Donnerstag erfolgte bei Wiederherstellungsarbeiten des Zivilschutzes beim Schiessstand von Cevio, wie es in der Mitteilung weiter heisst.

Im Maggiatal waren bereits am Unwetter-Wochenende drei Leichen geborgen worden. Drei Touristinnen aus Deutschland wurden Opfer eines Erdrutsches im Weiler Fontana im Bavonatal, einem Seitental des oberen Maggiatals. Bei Riveo fanden Einsatzkräfte später zweimal eine Leiche im Flussbett der Maggia.

Vor einigen Tagen begann die Schweizer Armee mit der Erstellung einer Unterstützungsbrücke in Cevio als Ersatz für die eingestürzte Visletto-Brücke. Damit würden das obere und das untere Maggiatal wieder mit einer leistungsfähigen Strassenbrücke verbunden.

Am Donnerstag gab der Kanton Tessin bekannt, die Armee setze ihren Einsatz im Tessin zur Bewältigung des Unwetters von Ende Juni bis zum 28. Juli fort. Die Tessiner Regierung hatte um diese Verlängerung des Unterstützungseinsatzes für die zivilen Behörden gebeten. Der Bund bewilligte den verlängerten Einsatz.

11.07.2024, 18:53 Uhr

Evakuierungsplan und Luftbrücke

Die Gefahr durch heftige Gewitter hält die Schweiz weiterhin in Atem. Der Bund warnt vor weiteren Unwettern in den kommenden Tagen, wobei im Tessin das Risiko am grössten ist.

Man stehe wegen der erneuten Unwetterwarnung in regelmässigem Austausch mit Meteoschweiz, sagte Ryan Pedevilla, Leiter der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz im Kanton Tessin, an einer Medienkonferenz im Maggiatal. Ein Evakuierungsplan stehe bereit. Für das von den Unwettern Ende Juni besonders hart getroffene Bavonatal, ein Seitental des Maggiatals, werde noch am Donnerstagabend eine Luftbrücke eingerichtet.

Bewohner können selbst entscheiden

Auf Nachfrage eines Medienschaffenden präzisierte Pedevilla, dass es sich beim Evakuierungsplan um eine «reduzierte Version» des Plans von letzter Woche handle. Auch vor dem vergangenen Wochenende waren heftige Gewitter angekündigt gewesen. Es blieb aber ruhig im Maggiatal. 

Der Vorsteher des Tessiner Polizei- und Justizdepartements, Lega-Politiker Norman Gobbi, ergänzte, dass in der Schweiz die Bürgerinnen und Bürger selbst entscheiden könnten, ob sie evakuiert werden wollten oder nicht. «Das ist nicht wie in amerikanischen Filmen.»

11.07.2024, 15:50 Uhr

Brückenbau im Maggiatal hat begonnen

Nach den verheerenden Unwettern hat die Schweizer Armee mit der Erstellung einer Unterstützungsbrücke in Cevio TI als Ersatz für die eingestürzte Visletto-Brücke begonnen. Damit würden das obere und das untere Maggiatal wieder verbunden.

Die Unterstützungsbrücke des Typs Mabey der Schweizer Armee ist 61 Meter lang und 4,8 Meter breit, wie die Gruppe Verteidigung am Donnerstag mitteilte. Sie habe eine Tragfähigkeit von 40 Tonnen, sodass auch auch das bisher abgeschnittene Unwettergebiet Val Bavona und Lavizzara-Tal wieder für Hilfe mit schweren Mitteln zugänglich werde, hiess es weiter. Bis anhin diente ein Steg als Notlösung, seine Befahrbarkeit und Belastbarkeit sind jedoch stark beschränkt.

Die Visletto-Brücke wurde bei den Unwettern zerstört.

Im Maggiatal hilft die Armee bei der Wiedererstellung lebenswichtiger Infrastruktur. Die Luftwaffe hatte bis zum vergangenen Montag mit der Hilfe von Helikoptern zudem insgesamt 445 Menschen aus den Unwettergebieten im Tessin evakuiert, wie es weiter hiess. Auch wurden rund 22 Tonnen Material transportiert.

10.07.2024, 16:15 Uhr

Provisorische Brücke kommt in einigen Wochen

Nördlich der infolge der Unwetter zusammengebrochenen Visletto-Brücke soll in den nächsten Wochen durch die Schweizer Armee eine provisorische Brücke gebaut werden. Einen genauen Zeitplan konnte der Tessiner Notfallstab auch am Mittwoch noch nicht präsentieren.

Einerseits dauere die Konstruktion einer solchen Brücke normalerweise mehrere Monate, hielt Diego Rodoni, Leiter der Abteilung Bauwesen, am Mittwoch vor den Medien in Locarno fest.

Andererseits sei noch nicht klar, welche Art von Untergrund man unterhalb der Erdoberfläche finden werde. Aufgrund des hohen Wasserstandes der Maggia hätten diese Untersuchungen nicht so rasch durchgeführt werden können.

Die provisorische Brücke sei für eine Lebensdauer von ungefähr einem Jahr konzipiert, fuhr Rodoni fort. Es sei eine «Frage von Wochen», bis die Brücke stehe.

10.07.2024, 15:50 Uhr

Suche nach Vermissten im Tessin für den Moment unterbrochen

Die Suche nach den verbleibenden drei als vermisst gemeldeten Personen im Maggiatal ist unterbrochen. Dies erklärte der Verantwortliche des Tessiner Krisenstabs Antonio Ciocco an einer Medienkonferenz in Locarno.

Der Krisenstab sei jederzeit bereit, die Suche wieder aufzunehmen, fuhr Ciocco fort. Eine auf das gesamte Maggiatal ausgedehnte Suche habe jedoch keinen Sinn.

Wiederaufnahme bei Hinweisen

Zwei der tot aufgefundenen Vermissten hätten sich an ganz unterschiedlichen Orten aufgehalten, seien jedoch beide bei Riveo geborgen worden. Diese Tatsache zeige, dass der Notfallstab ohne Hinweise in einem «riesigen Gebiet» suchen müsste.

Falls erneut Hinweise auf mögliche Spuren auftauchten, würde man die Suche wieder aufnehmen, schloss Ciocco.

Gesuche um Unterstützung

Derweil sind aus dem schwer getroffenen oberen Maggiatal bisher zwölf Gesuche um finanzielle Unterstützung beim Kanton eingetroffen. Dies teilte der Tessiner Krisenstab am Mittwoch vor den Medien in Locarno mit.

Aus dem Bereich Landwirtschaft sind bisher sieben Gesuche um Unterstützung eingereicht worden, von Privaten, Ämtern und Gemeinden fünf.

29.06.2024, 12:12 Uhr

Suche nach vermisster Person dauert an

Im Bündner Südtal Misox wird nach den heftigen Unwettern vom vergangenen Wochenende weiterhin eine Person vermisst. Die Suchaktion dauert an.

Gesucht werde mittlerweile ausschliesslich am Boden mit Unterstützung von Förstern und der Wildhut. Auf weitere Helikopterflüge werde verzichtet, hiess es bei der Kantonspolizei Graubünden am Samstag auf Anfrage.

Die weibliche Leiche, die am Donnerstag aus dem Fluss Moesa geborgen wurde, konnte bisher nicht identifiziert werden, sagte der Sprecher weiter. Bereits am vergangenen Sonntag bargen die Einsatzkräfte eine männliche Leiche aus der Moesa. Am Tag davor konnte eine Überlebende aus den Schuttmassen befreit werden.

28.06.2024, 16:43 Uhr

A13-Teilstrecke soll am 5. Juli eröffnet werden

Der Wiederaufbau der A13 zwischen Lostallo und Mesocco schreitet gut voran. Das provisorische Ufer der Moesa ist hergestellt, so dass der Fluss wieder in seinem Bett fliesst. Bereits laufen die Erdarbeiten für den Wiederaufbau des Strassentrasses. Diese dauern voraussichtlich bis am Sonntag. Das Astra ist zuversichtlich, dass Anfang Woche die Belagseinbauarbeiten beginnen können.

Aufgrund des Baufortschritts strebt das Bundesamt für Strassen die Eröffnung der Strecke am Freitag, den 5. Juli 2024, 12 Uhr an. Der Verkehr wird dann im Gegenverkehr mit zulässiger Höchstgeschwindigkeit von 60 bis 80 km/h wieder auf der A13 verkehren können. Bedingung dafür sind ein weiterhin reibungsloser Bauablauf sowie stabile Witterungsverhältnisse. Auch ein Erdriss abseits der Nationalstrassenführung bei Mesocco könnte einen Einfluss auf die Bauarbeiten haben. Droht eine Ablösung des Erdreichs, müssten die Bauarbeiten an der A13 aus Sicherheitsgründen unterbrochen werden. Das schreibst das Astra in einer Medienmitteilung.

28.06.2024, 15:32 Uhr

120 Meter langer Bodenriss beim Autobahnanschluss Mesocco Süd

Die Kantonspolizei Graubünden veröffentlichte ein Bild des Bodenrisses.

Beim Autobahnanschluss Mesocco Süd hat sich ein 120 Meter langer Bodenriss gebildet. Ob es sich dabei um Auswirkungen des Unwetters handelt, war zunächst unklar. Externe Fachleute untersuchen derzeit den Einriss. Zu den Auswirkungen würden Stand Freitag noch keine Ergebnisse vorliegen, schrieb das Bündner Tiefbauamt am Nachmittag in einer Mitteilung.

Das Amt öffnete am Freitag die geräumte Kantonsstrasse für Reisende mit einer nachweisbaren Reservierung im Misox. Personen mit einem Zielort zwischen San Bernardino und Grono GR seien berechtigt, die geräumte Kantonsstrasse zu nutzen. Wegen den Aufräumarbeiten ist diese ansonsten nur für den Lokalverkehr benutzbar.

Der Transitverkehr, der die durch die Unwetter zerstörte A13 nicht passieren kann, darf nicht über die Kantonsstrasse geleitet werden. Es sei zentral, so viel Verkehr wie möglich aus dem Gebiet fernzuhalten, damit die Strasse für Baumaschinen, Lastwagen und die lokale Bevölkerung verfügbar ist, schrieb das Bündner Tiefbauamt weiter.

27.06.2024, 17:32 Uhr

Tote Frau im Fluss Moesa gefunden: Ist es eine Vermisste?

Am Donnerstag ist in Grono im Fluss Moesa eine tote Frau aufgefunden worden. Es wird abgeklärt, ob es sich um eine der vermissten Personen handelt.

Am Donnerstag um 10.25 Uhr wurde, mit Unterstützung der Polizeitaucher der Kantonspolizei Tessin, in einer gemeinsamen Suchaktion der Alpinpolizeien der Kantonspolizeien Tessin und Graubünden sowie der Feuerwehren Bassa Mesolcina und Lugano in der Moesa bei Grono die Leiche einer Frau aufgefunden. Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Graubünden klärt die Kantonspolizei die Identität der toten Frau ab, und ob es sich bei ihr um eine der bei der Hochwasserlage vermissten Personen handelt.

27.06.2024, 17:19 Uhr

A13-Sperrung belastet insbesondere die A2

Am Mittwoch wurden im Vergleich zum vergangenen Jahr auf der A2 18 Prozent mehr Fahrzeuge gezählt.

Die Bauarbeiten an der zerstörten A13 schreiten weiter voran. Neben den Arbeiten an der Moesa sowie den Schüttungsarbeiten für die Strasse werden erste Geotextilien und Gitter für die Ufersicherung ausgelegt. Auf der Simplon-Route werden Bauarbeiten notwendig, um wegen der Murgänge die Galerie Engi zu verstärken. Eine erste Auswertung und Prognosen zeigen, dass die Sperrung der A13 insbesondere auf der A2 zu Mehrverkehr führen wird. Das schreibt das Bundesamt für Strassen (Astra) in einer Medienmitteilung.

Der Transitverkehr wird seit Samstagvormittag grossräumig über die Autobahn A2 umgeleitet. Als weitere Alternativrouten stehen zudem die Simplon-Route und der Grosse St. Bernhard zur Verfügung.

Leichte Stau-Entwarnung für Mitte Juli

Das Astra rechnet damit, dass die Ausweichrouten wegen der Sperrung der A13 stärker belastet werden als üblich. Auf der A2 am Gotthard wurden am Mittwoch 18 Prozent mehr Fahrzeuge gezählt als vor einem Jahr. Auf das Stauaufkommen hatte diese Zunahme jedoch nur geringen Einfluss. Auf dem Simplon verkehrten am Mittwoch 11 Prozent weniger als am Vergleichstag im Jahr 2023. Auf dem Grossen St. Bernhard fiel das Verkehrsaufkommen um 14 Prozent höher aus.

Mit Blick auf die Ferienanfänge dürfte Mitte Juli mit der grössten Reisewelle in Richtung Süden zu rechnen sein. Speziell an den Spitzentagen am Wochenende ist voraussichtlich mit längeren Staus als 2023 zu rechnen. Bis Mitte Juli sollte die A13 aber geöffnet sein, was die alternativen Routen wieder entlasten wird. «Da es sich bei der Baupiste um eine provisorische Lösung (reduzierte Geschwindigkeit, Verkehrsführung im Gegenverkehr) handelt, wird die teil geöffnete A13 aber über eine leicht geringere Kapazität als gewohnt verfügen», schreibt das Astra in der Mitteilung weiter.

Nach dem Unwetter im Kanton Graubünden wurden zunächst vier Personen vermisst. Eine davon konnte lebend gerettet werden. Mehrere Dutzend Personen mussten in der Region Misox und Calanca aus ihren Häusern evakuiert werden, wie die Kantonspolizei Graubünden am Samstag nach 5 Uhr mitteilte. Weitere Angaben waren zum Zeitpunkt der Mitteilung nicht möglich. Die Kantonspolizei berief für Samstagmorgen, 9 Uhr, eine Medienkonferenz ein.

Die massiven Gewitter und Niederschläge hätten am Freitagabend nach einem Bergsturz zu einer Hochwassersituation geführt, hiess es in der Mitteilung weiter. Flüsse seien über die Ufer getreten und Strassen überschwemmt worden.

In Misox ereignete sich am Freitag ein Erdrutsch, der zwischen Roveredo GR und Lumino TI im untersten Teil des Tals die Autobahn A13 in beide Richtungen unterbrach. Die A13 und die italienische Strasse H13 mussten zwischen San Vittore und dem Nordportal des San-Bernardino-Tunnels gesperrt werden. Die Zufahrt von Norden in Richtung Roveredo sei wegen der Sperrung nicht möglich, teilte die Kantonspolizei Graubünden mit.

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