Nach Antisemitismus-Vorwürfen wegen Dusch-Plakat in Hotel
Jetzt sollen jüdische Vermittler in Arosa GR schlichten

Vor zwei Jahren erlangte das Hotel Paradies in Arosa GR schweizweit zweifelhafte Bekanntheit. Grund war eine Botschaft an die jüdischen Gäste, sie sollten doch die Dusche benutzen. Solche «Missverständnisse» sollen jüdische Vermittler nun verhindern.
Publiziert: 03.06.2019 um 20:18 Uhr
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Aktualisiert: 19.07.2023 um 16:12 Uhr
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Dieses Plakat, aufgehängt im Appartementhaus Paradies in Arosa, brachte dem Tori-Hotspot Antisemitismus-Vorwürfe ein.

Ein Hinweis an jüdische Gäste im Apartmenthaus Paradies in Arosa GR sorgte im Sommer 2017 für Aufruhr. «An unsere jüdischen Gäste: Bitte duschen Sie vor und nach dem Schwimmen in unserem Schwimmbad. Tun Sie das nicht, bin ich gezwungen, das Schwimmbad für Sie zu schliessen», schrieb die Abwartin des Hauses auf einem Plakat.

Sofort wurden Antisemitismus-Vorwürfe laut, in Israel und der Schweiz. Vor allem, weil das Dusch-Plakat Erinnerungen an die Hitler-Zeit weckt, als Juden in Duschkammern mit Giftgas getötet wurden.

Erklären, wie jüdische Gäste ticken

Jetzt, zwei Jahre später, schickt der Schweizerisch-Israelitische Gemeindebund (SIG) Vermittler an den Touristen-Hotspot in den Alpen. Um «Missverständnisse» zu verhindern. «Wir wollen so mehr gegenseitiges Verständnis zwischen Gastgebern und jüdischen Gästen vermitteln», schreibt die Organisation in einer Mitteilung.

Info-Broschüren und jüdische Vermittler vor Ort sollen der Tourismusbranche erklären, wie die jüdischen Gäste ticken – und umgekehrt. «Sie werden während der Hochsaison in Arosa, Davos und im Saas-Tal auf die Menschen zugehen, aufklären und als Ansprechpersonen fungieren», heisst es weiter. Zudem sind mehrere Info-Anlässe geplant.

Abwartin: «Ich musste bitter bezahlen»

Arosa und Davos sind seit jeher ein beliebter Ferienort bei der jüdisch-orthodoxen Bevölkerung. Doch der Aufklärungsbedarf in den Hotspots ist aus Sicht des SIG noch immer gross. So erlebten die jüdischen Gäste beispielsweise das «Grüezi» von Unbekannten als befremdlich – was viele nicht wissen.

Ruth T.*, die Schreiberin des Plakats im Paradies bezeichnete ihre Aktion im Nachhinein als «naiv». Zu BLICK sagte sie damals: «Ich musste dafür bitter bezahlen.» So sei das Apartmenthaus auf booking.com gesperrt und sie selbst mit heftigen Briefen und Anrufen traktiert worden. Zwar flachte die Wut irgendwann ab. Doch auch zwei Jahre nach dem Vorfall ist das Apartmenthaus auf der Plattform booking.com nicht mehr auffindbar. (hah)

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