Jüdischer Verband nach Ferienhaus-Absage in Graubünden empört
«Das ist systematische Diskriminierung»

Dass ein Ferienhaus-Vermieter aus Parpan GR keine orthodoxen Juden als Gäste will, sorgt beim israelitischen Verband für Entrüstung. Es handle sich aber um keinen Einzelfall. Der Verband spricht von systematischer Diskriminierung.
Publiziert: 20.07.2023 um 17:00 Uhr
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Aktualisiert: 20.07.2023 um 19:16 Uhr
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In Parpan GR hat ein Vermieter die Anfrage einer orthodox-jüdischen Familie wegen ihrer Religion abgelehnt.
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Carla De-VizziRedaktorin News

Weil sie jüdisch-orthodox sind, gab der Vermieter einer Ferienunterkunft in Parpan GR Familie Feldinger einen Korb. Das enthüllt Blick am Donnerstag. Wie die deutsche Mutterfirma mit Sitz in Deutschland mitteilte, entspreche das Haus nicht den Anforderungen streng jüdisch-orthodoxer Gruppen. Zudem habe man mit jüdischen Familien schlechte Erfahrungen gemacht.

Beim Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) sorgt der Fall für Empörung. «Das ist extrem stossend», sagt Generalsekretär Jonathan Kreutner (44) zu Blick. Besonders: Es ist kein Einzelfall. «Bereits im März wollte eine jüdische Familie diese Unterkunft mieten und hat die exakt selbe Antwort erhalten», so Kreutner. Blick liegt das entsprechende E-Mail vor.

«Das ist schwer zu verdauen»

Dass die Firma nach wie vor «dieselben diskriminierenden Aussagen» macht, obwohl der SIG bereits nach dem ersten Vorfall im Frühling die Antisemitismus-Meldestelle in Deutschland informiert hat, stösst dem Generalsekretär sauer auf. «Es handelt sich um systematische Diskriminierung.»

Nach Angaben des Generalsekretärs sei es in der Vergangenheit bereits vorgekommen, dass jüdische Familien die Vermutung hatten, aufgrund ihrer Herkunft eine Absage für eine Unterkunft erhalten zu haben. «Dass eine Firma dies aber explizit schreibt, ist schwer zu verdauen.»

«Mir ist schleierhaft, von welchen Anforderungen die Firma spricht.»SIG-Generalsekretär Jonathan Kreutner

Auch die Ausrede, die Unterkunft entspreche nicht den streng jüdisch-orthodoxen Ansprüchen, empfindet Kreutner als äusserst problematisch. «Mir ist schleierhaft, von welchen Anforderungen sie sprechen.» Die Familie könne schliesslich selbst entscheiden, was sie benötige und was nicht.

Graubünden Tourismus spricht von Einzelfall

Graubünden Ferien will auf den Fall von Familie Feldinger nicht näher eingehen. Mediensprecher Luzi Bürkli (49) sagt aber zu Blick: «Im Bündnerland sind alle Gäste unabhängig von ihrer Herkunft und Religion willkommen.»

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Bürkli geht davon aus, dass es sich um einen Einzelfall handelt. «Viele Gäste der jüdischen Gemeinschaft kommen jedes Jahr gerne zu uns in die Ferien.» Besonders Arosa und Davos seien beliebt.

Um solche unerfreulichen Vorfälle wie jener mit Familie Feldinger zu verhindern, soll das Likrat-Public-Sommerprojekt des SIG Abhilfe schaffen. Es handle sich um ein Dialogprojekt rund um jüdische Gäste in Schweizer Ferienorten. «Damit sollen Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden», erklärt Kreutner. Durchgeführt werde das Programm im August in den Kantonen Graubünden und Wallis.

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