Darum gehts
- Syrische Truppen rücken in Kurdengebiete vor, Protest in Bern am Dienstag
- Die Polizei nahm drei Personen mit auf den Posten
- Mehrere Hundert Menschen protestierten am 19. Januar in Bern
Die Polizei setzte am Dienstagabend Gummischrot und Pfefferspray in der Stadt Bern ein. Grund war eine unbewilligte Demonstration für die Kurden in Syrien, bei der Protestierende in die Altstadt vordringen wollten und Pyros zündeten.
Die Stimmung an der Kundgebung war laut der «Berner Zeitung» schon von Beginn an aufgeheizt. «Wir sind nicht da, um etwas kaputtzumachen oder zu streiten. Wir haben gegen den IS gekämpft», soll jemand durch ein Megafon gerufen haben. «Die ganze Welt hat die Kurden im Stich gelassen.»
Wie die Kantonspolizei Bern in einer Mitteilung schreibt, haben Teilnehmende während der Proteste versucht, eine Sperre zu durchbrechen. Auch seien die Beamten mit Gegenständen beworfen und gezielt mit Lasern geblendet worden.
Polizei unterband Marsch in die Innenstadt
Bei der Lorrainebrücke «musste kurzzeitig Reizstoff eingesetzt werden», so die Polizei. «Die Teilnehmenden wurden mehrfach darauf hingewiesen, dass eine Platzkundgebung auf der Schützenmatte stattfinden könne, ein weiterer Umzug durch die Innenstadt jedoch nicht toleriert werde.»
Als sich der Umzug trotzdem erneut in Richtung Bahnhof bewegte, habe die Polizei eine Sperre errichtet. «Die Einsatzkräfte wurden mit Wurfgegenständen, darunter Flaschen und Pyrotechnika, beworfen, weshalb Gummischrot, sowie Gummigeschosse eingesetzt werden mussten», so die Kapo.
Auf Videos der Demo ist zu sehen, wie die Polizisten und die Demonstranten aneinandergeraten. Plakate und Transparente fliegen durch die Luft. Laut Polizei wurden drei Personen festgenommen und für weitere Abklärungen in Polizeiräumlichkeiten gebracht.
Syrischer Einmarsch in Kurden-Gebiete
Syrische Regierungstruppen rücken in den letzten Tagen immer weiter in die Gebiete der kurdischen Minderheit vor. Dagegen richteten sich die Proteste am Dienstagabend in Bern. Kurz vor 19 Uhr bewegte sich die Demonstration vom Bahnhofplatz aus in Richtung Bundesplatz.
Die Demonstrierenden skandierten unter anderem «Free free Rojava», wie ein Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor Ort beobachtete. Ausserdem wurde Feuerwerk und andere Pyros gezündet. Eine Platzkundgebung auf dem Bundesplatz werde toleriert, teilte die Kantonspolizei auf der Plattform X mit. Bewilligt war die Kundgebung aber nicht.
Kurz nach 22 Uhr schrieb die Polizei auf X, dass sich die Kundgebung grösstenteils aufgelöst hat. Die Beamten würden aber noch vor Ort bleiben, um die Lage zu kontrollieren.
«Roter Teppich für Jihadist»
Die Proteste richten sich auch gegen das laufende World Economic Forum WEF. Mit der Einladung des syrischen Übergangspräsidenten an die Veranstaltung werde laut den Demonstranten «einem Jihadisten der rote Teppich ausgerollt».
Hintergrund für die Kämpfe zwischen der syrischen Regierung und den Kurden ist ein Streit zur Eingliederung der bisher autonom verwalteten Kurdengebiete in die staatliche Ordnung. Ein am vergangenen Sonntag verkündeter Waffenstillstand scheint inzwischen faktisch beendet.
Auch in Basel demonstrierten laut Polizei rund 500 Personen unbewilligt für die Kurden in Syrien. Die Aktivisten zündeten Böller und hängten an verschiedenen Orten Transparente auf.