Darum gehts
- KI-Chatbot kann frühkindliche Entwicklung durch Erziehungsberatung unterstützen, zeigt Schweizer Studie
- Hausbesuche effektiver, aber 15-mal teurer als digitale Unterstützung
- Studie mit 2461 Mutter-Kind-Paaren in Peru durchgeführt
Frühkindliche Förderung durch Künstliche Intelligenz: Eine neue Studie unter Schweizer Leitung zeigt, dass der Einsatz eines KI-Chatbots als Erziehungsberater dabei helfen kann, die Entwicklung von Kindern zu verbessern.
In der am Mittwoch in der Fachzeitschrift «Science Advances» veröffentlichten Studie wurde ein Chatbot getestet, der entwickelt wurde, um Eltern mit altersgerechten Empfehlungen und Erziehungstipps zu unterstützen. Die Studie wurde unter der Leitung des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) und der Universität Basel durchgeführt.
Nachweislich erhebliche Vorteile
«Weltweit sind mehr als 250 Millionen Kinder unter fünf Jahren aufgrund von Armut, mangelnder Förderung und unzureichender frühkindlicher Betreuung gefährdet, ihr Entwicklungspotenzial nicht voll auszuschöpfen», schreiben die Forscherinnen und Forscher in der Studie.
Es existierten zwar teilweise Hausbesuchsprogramme, die nachweislich erhebliche Vorteile für die frühkindliche Entwicklung böten. Diese seien aber in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf breiter Ebene nur schwer umzusetzen.
Alle zwei Wochen persönliche Hausbesuche
Für die Studie wurden in der ländlichen Region Cajamarca in Peru 2461 Mutter-Kind-Paare in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt via Messenger-Dienst regelmässig Lernanregungen und Spielideen vom KI-Chatbot. Eine zweite Gruppe bekam alle zwei Wochen persönliche Hausbesuche, während eine dritte als Kontrollgruppe diente.
Im Alter von zweieinhalb Jahren wurden die Kinder erneut auf ihre Entwicklung hin getestet. Sowohl die Kinder der Eltern mit Unterstützung durch Hausbesuche, als auch die Kinder der Eltern mit KI-Unterstützung schnitten in den Entwicklungstests deutlich besser ab als die Kinder der Kontrollgruppe, wie die Forschenden berichten.
Rund 15 Prozent nicht mit dem Chatbot verbunden
Die Kinder der Hausbesuchsgruppe erzielten dabei noch etwas bessere Resultate als die Kinder der Chatbot-Gruppe. Die Hausbesuche waren jedoch rund 15-mal teurer als die digitale Unterstützung.
Die Forscherinnen und Forscher sehen daher in der KI-gestützten Erziehungsberatung eine vielversprechende Ergänzung. Insbesondere in Regionen mit knappen personellen Ressourcen oder für verstreut lebende Bevölkerungsgruppen sei der Ansatz besonders attraktiv.
Allerdings konnten rund 15 Prozent der Familien nicht mit dem Chatbot verbunden werden, oft wegen ihres sozioökonomischen Status. Dies zeige, dass ergänzende Programme nötig seien, um Ungleichheiten nicht zu verstärken.