Überall lodern Flammen, öffentliche Einrichtungen sind geschlossen, Touristen flüchten an Flughäfen – in Mexiko herrscht Chaos. Auslöser ist der Tod von Nemesio Oseguera Cervantes (†59), dem mächtigsten Drogenboss Mexikos. «El Mencho», wie der Kartellchef auch genannt wurde, erlag am Wochenende nach einem Militäreinsatz zu seiner Festnahme im westlichen Bundesstaat Jalisco seinen Verletzungen. Seither überziehen Bandenmitglieder das Land mit einer Welle der Gewalt.
Einer, der das Chaos vor Ort zurzeit hautnah miterlebt, ist Thomas Egli. Der Schweizer Önologe lebt seit 2007 im Norden von Mexiko. Derzeit hält er sich im Haus der Schwiegereltern seines besten Freundes in Tapalpa auf.
Am Samstag nahmen sie noch an einem Weinanlass in Chapala teil. Die kleine Stadt liegt etwa zwei Autostunden von Tapalpa entfernt. Noch einmal Auto tanken – und schon ging es los. «Der Weinanlass war ein Erfolg», sagt Egli zu Blick. Er und die anderen genossen den Tag auf dem Gelände des Yachtklubs von Chapala. «Nachts assen wir noch ein paar Tacos in einem Restaurant, das sich auf einem grossen Platz befindet.» Danach ging es zurück nach Tapalpa.
«Wir wagten uns nicht einmal auf die Strasse»
Am Sonntag hätte der zweite Teil des Weinanlasses stattfinden sollen. Doch daraus wurde nichts. Am Morgen seien sie gleich nach dem Aufstehen mit den Nachrichten konfrontiert worden. «Schnell machte das Gerücht die Runde, dass ‹El Mencho› erschossen wurde und Narco-Blockaden errichtet wurden», so Egli. «Dazu werden bevorzugt öffentliche Autobusse und Taxis verwendet, aber auch private Autos.» Der öffentliche Verkehr sei stillgelegt worden – selbst Uber habe es keine mehr.
«Wir hatten überhaupt keine Gelegenheit, auf irgendeiner Achse nach Chapala zu gelangen», berichtet der Schweizer Auswanderer weiter. Es habe grosse Unsicherheit geherrscht. «Wir wagten uns nicht einmal auf die Strasse, um Essen oder Trinken zu kaufen. Wir mussten mit dem auskommen, was wir im Kühlschrank hatten.» Viel hatten sie nicht, da sie eigentlich beim Anlass essen wollten. «Der wurde logischerweise abgesagt.»
«Unsere Tankstelle wurde angezündet»
Doch das ist längst nicht alles. Auch auf dem Gelände des Yachtklubs herrschte am Sonntag grosse Verunsicherung. «Einige unserer Kollegen waren bereits seit dem frühen Morgen auf dem Festgelände, um sich vorzubereiten», weiss Egli. «Als jedoch der ‹Código Rojo› ausgerufen wurde, mussten sich alle im Yachtklub einschliessen und warten.» Nach den Ausschreitungen wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen. Dabei werden nicht nur alle Behörden in Alarmbereitschaft versetzt, sondern auch grosse Veranstaltungen abgesagt und der Schulunterricht ausgesetzt.
«Zusätzlich fanden wir heraus, dass unsere Tankstelle vom Vortag angezündet wurde», berichtet der Schweizer weiter. «Und auf dem Platz, wo das Taco-Restaurant war, fand eine Schiesserei statt.»
Wie es nun weitergeht, weiss Egli noch nicht.
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