«Man kauft hier die Katze im Sack»
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Züchter bei Versteigerung:«Man kauft hier die Katze im Sack»

Pferde vom Ramiswil-Hof wurden heute versteigert
Jetzt wurde auch «Hanja» verkauft – zum Schnäppchenpreis

Nach dem Tierschutzfall in Ramiswil SO wurden am Mittwoch 35 beschlagnahmte Pferde in Bern versteigert. Alle Pferde erhielten ein neues Zuhause. Bei einer Stute war allerdings lange unklar, ob sie einen neuen Besitzer finden würde.
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Heute werden die in Ramiswil beschlagnahmten Pferde versteigert.
Foto: Blick

Darum gehts

  • Versteigerung von beschlagnahmten Pferden aus Tierschutzfall in Ramiswil SO
  • Zuchtverantwortlicher und Zuschauer äussern sich zur Auktion und Tierhalterin
  • 43 Pferde beschlagnahmt, 35 versteigert
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Der Tierschutzfall von Ramiswil SO sorgte schweizweit für Entsetzen: 120 Hunde mussten nach ihrer Unterbringung auf dem Horror-Hof eingeschläfert werden – zudem wurden 43 Pferde beschlagnahmt. Ein Grossteil dieser Tiere wurde heute in Bern versteigert – und erhielt ein neues Zuhause.

Rund 60 Interessentinnen und Interessenten hatten sich für die Versteigerung angemeldet. Sie mussten nach Angaben des Kantons Auflagen erfüllen und sich vorgängig anmelden.

«Ich komme heute rein aus Interesse schauen»

Bereits vor dem Start der Auktion um 9 Uhr liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Erste Zuschauer waren schon vor Ort. Andreas Siegenthaler, Zuchtverantwortlicher beim Schweizer Haflingerverband, sagt zu Blick: «Ich komme heute rein aus Interesse schauen. Ich würde gerne die Pferde sehen, da einige eine interessante Abstammung aufweisen.»

Die Interessenten konnten die Pferde bereits besichtigen, verrät Siegenthaler. «Da kann man sehen, in welchem Zustand sie sich befinden, wie ihre Bewegungen sind und ob Krankheiten vorliegen.»

Shakira, Spirit und Sabrina finden neue Besitzer

Schon kurz nach Auktionsbeginn waren die ersten Pferde bereits verkauft. So wechselten die vier Jahre alte Shakira und ihr sechs Monate altes Fohlen Spirit zusammen für 1400 Franken den Besitzer.

Ein weiteres Fohlen mit dem Namen Sabrina wurde für 700 Franken verkauft. Es hat Verletzungen. Das Fohlen ist erst acht Monate alt.

Gute Nachrichten für Sunny und ihre Mutter

Die elf Jahre alte Surprise of Wapi und ihr sechs Monate altes Fohlen Sunny wurden zusammen für 2400 Franken verkauft.

Zittern um Stute Hanja

Einige Pferde konnten zunächst nicht verkauft werden – und das, obwohl der Preis halbiert wurde. Eine ist die fünf Jahre alte Hanja. Ursprünglicher Schätzpreis: 7500 Franken. Sie sollte in der zweiten Runde nur noch 3700 Franken kosten. Trotzdem melde sich kein Interessent. Erst, als der Preis erneut herabgesetzt wurde, fand sich schliesslich ein Käufer. Für 2000 Franken erhielt er den Zuschlag.

Alle Pferde verkauft

Am Ende der Veranstaltung können sich alle glücklich schätzen. Sowohl Veranstalter als auch Käufer und vor allem die Pferde. Jedes Pferd konnte am Mittwoch verkauft werden.

Acht der 43 beschlagnahmten Pferde wurden unterdessen nicht an der Auktion angeboten. Entweder lasse dies ihr aktueller Gesundheitszustand nicht zu oder sie stammen aus einem speziellen Zuchtprogramm zur Rassenerhaltung.

«Da macht man sich schon Gedanken»

Der Zuchtverantwortliche Andreas Siegenthaler kannte Tierhalterin Lucia T.* auch persönlich. Er sagt: «Ich denke nicht, dass die Tiere traumatisiert sind. Man muss jetzt aber schauen, wie sie sich verhalten. Ich weiss nicht, was sie alles gemacht hat.»

Andrea Grüter ist als Zuschauerin nach Bern gekommen. Die 45-Jährige ist gespannt, was nach der Auktion mit den Pferden geschieht und wo sie landen. «Man weiss ja nicht, ob es dann mit dem Besitzer zusammenpasst, da macht man sich schon Gedanken.»

Zuschauer Hans Studer (72) fügt hinzu: «Es ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit für diese Pferde, wieder aufgepäppelt zu werden. Einfach ist es definitiv nicht.»

* Name geändert

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