Riesiger Ärger in Liestal BL
Autofahrer gebüsst – wegen manipuliertem Verkehrsschild?

In Liestal wurde eine Tempolimit-Tafel von Unbekannten überklebt. Die Autofahrer gingen so davon aus, dass dort 80 statt 60 erlaubt sei. Nur kurz zuvor war eine Radarfalle installiert.
Publiziert: 22.04.2021 um 15:56 Uhr
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Dreist: Unbekannte überklebten dieses Tempo-Schild in Liestal. Statt Tempo 60 stand «Tempo 50 aufgehoben».

Dreiste Aktion in Liestal: Im Baselbieter Kantonshauptort überklebten Unbekannte ein Tempo-60-Verkehrsschild. Neu zeigte es «Tempo 50 aufgehoben» an. Sprich: Wer dort durchfährt, geht davon aus, dass er ab dem Schild wieder 80 Stundenkilometer fahren darf. Die «Basler Zeitung» berichtete über den skurrilen Fall.

Passiert ist der Schilder-Streich an der Oristalstrasse, die von Liestal in Richtung Kanton Solothurn führt. Wer in Nuglar SO oder in Büren SO wohnt, fährt von Liestal aus auf dieser Strasse nach Hause.

2000 Mal blitzte es

Pikant: Kurz nach dem betreffenden Temposchild, gleich beim Zeughaus, stand eine Radarfalle. Und: Unzählige Autofahrer tappten in die Radarfalle. Etwa 2000 Mal blitzte es an den 17 Tagen, an denen die Polizei dort die Anlage montiert hatte. Immer, weil schneller als 60 gefahren wurde, berichtet die «Basler Zeitung». Bis letzten Freitag stand der Radar dort.

Die Abklärungen der Polizei Basel-Landschaft hätten ergeben, dass Unbekannte tatsächlich die besagte Tempotafel überklebt hatten.

Doch wer als Gebüsster nun glaubt, wegen des Streichs von der Busse befreit zu werden, irrt. Zahlen müssen die Geblitzten trotzdem: «Die Ordnungsbussen werden normal ausgestellt», sagt Polizeisprecher Adrian Gaugler zur Zeitung. Grund: Der Radar soll schon wieder abmontiert gewesen sein, als die dreiste Überkleb-Aktion stattfand.

Polizei wird erst durch BaZ auf Überkleb-Schild aufmerksam

Allerdings wurde die Polizei auf den Schild-Bschiss erst durch die «BaZ»-Anfrage aufmerksam, schreibt die Zeitung. Am Tag darauf sei das Schild wieder korrigiert gewesen: Es stand wieder Tempo 60 drauf.

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Die Polizei wertete aber auch die Radar-Daten aus. Sprecher Gaugler sagt, dass «während der ganzen Dauer der Messung keine signifikanten Änderungen der Geschwindigkeiten» bemerkt worden seien. Hätte die Überkleb-Aktion schon früher stattgefunden, wäre wohl ab dem Zeitpunkt des dreisten Streichs «eine deutliche Steigerung» der Übertretungen festgestellt worden.

Gefrustet sind jetzt vor allem diejenigen, die in die Radarfalle tappten. Bitter ists für die Lenker, die 21 oder mehr km/h zu schnell unterwegs waren. Normalerweise bedeuten 81 km/h bei Tempo 60 Verzeigung und Billett einen Monat weg.

Wenn für das Gericht aber infrage komme, dass die Tempo-Tafel bereits vorher überklebt worden sei, hätten die besagten Geblitzten gute Chancen auf einen Freispruch.

So oder so droht dem dreisten Überkleber Ärger: Wird er ermittelt, wird er mit einer Busse bestraft. (nl)

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