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Polizei muss vor ESC-Final eingreifen:Tränengas und Gummischrot bei Pro-Palästina-Demo in Basel

Polizei setzte lange auf Dialog – und zog dann doch noch härtere Saiten auf
Anti-Israel-Demonstration wird von der Polizei eingekesselt

Die Basler Polizei versuchte lange, die grosse Demonstration gegen die Teilnahme von Israel am ESC mit Dialog zu steuern. Am Schluss kamen trotzdem Gummigeschosse und Tränengas zum Einsatz. Drei Polizisten wurden bei dem Grosseinsatz verletzt.
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«ESCalate for Palestine» lautete das Motto der Demonstration, die um 19 Uhr auf dem Barfüsserplatz in Basel startete.
Foto: RMS

Darum gehts

  • Demonstration in Basel gegen Israels Teilnahme am ESC
  • Demonstranten zündeten israelische und US-Flaggen an
  • Rund 700 bis 800 Personen nahmen teil

«ESCalate for Palestine» lautete das Motto der Demonstration, die um 19 Uhr auf dem Barfüsserplatz in Basel startete. «Wir rufen alle dazu auf, gegen den Eurovision Song Contest (ESC) zu protestieren und zu boykottieren!», schrieb das Kollektiv «Basel for Palestine» in den sozialen Medien.

Die Teilnahme Israels am ESC sei ein «tragischer und schrecklicher Schritt zur Normalisierung des kolonialen Siedlerstaates». Zum Start der Demonstration waren die Palästina-Flaggen am Barfüsserplatz nicht mehr zu übersehen. Insgesamt kamen rund 700 bis 800 Personen zusammen, um gegen die Teilnahme von Israel am Musikwettbewerb zu demonstrieren.

Zuerst wurden vor Ort Plakate gezeigt mit Aufschriften wie «Stoppt den Genozid!», «Tanzen auf den Gräbern von Gaza» oder «Es ist ein Massaker!». Dazu wurden Slogans gerufen wie «Free, free Palestine», «Hoch die internationale Solidarität» oder das problematische «From the river to the sea, Palestine shall be free».

Flaggen von Israel und der USA angezündet

Die Basler Polizei wollte eigentlich verhindern, dass sich der Demonstrationszug in Richtung Innenstadt bewegt. Die Demonstranten widersetzten sich jedoch dieser Anweisung, und die Polizei liess den Zug zunächst laufen. Die Demonstrierenden zündeten Leucht- und Rauchfackeln. Erst als der Zug die Mittlere Brücke erreichte, brachte die Polizei den Zug zum Stillstand – und damit auch die wichtige Verkehrsachse.

Es folgte ein längeres Kräftemessen zwischen Polizei und Demonstranten, die hier auch Flaggen von Israel und der USA anzündeten. Letztlich überquerten die Demonstranten den Rhein bei der Johanniterbrücke. In Kleinbasel blockierten schliesslich mehrmals Polizisten in Vollmontur die Wege der Demonstranten. Die Polizisten setzten dabei Reizstoffe, Gummigeschosse und Blitzlichter ein. Die Demonstranten versuchten unter anderem, mit Rennen die Polizei zu umgehen, worauf die Situation unübersichtlich wurde.

Personenkontrolle bis spät in die Nacht

Am Rande kam es zu einer Auseinandersetzung, als zwei Männer mit Israel-Fahnen auftauchten. Mehrere Demonstrierende versuchten daraufhin, ihnen die Fahnen wegzunehmen. Schliesslich griff ein Dialogteam der Polizei ein und geleitete die Männer aus der Versammlung.

Nach etwa zwei Stunden wurde die Demonstration auf der Feldbergstrasse eingekesselt – wieder knallten dabei Gummigeschosse. Während weiteren zwei Stunden skandierten die Demonstranten dort weiter Parolen wie «There is only one solution – Intifada revolution». Dann begann die Polizei, Teilnehmer einzeln zu kontrollieren und wieder aus dem Kessel zu entlassen. Insgesamt wurden rund 400 Personenkontrollen durchgeführt. Dies dauerte bis spät in die Nacht. Manche Demonstrierende urinierten wegen der langen Wartezeit auf den Boden. Die Polizei setzte lange auf Dialog, bevor doch noch scharfe Zwangsmittel eingesetzt wurden.

Verletzte Polizisten

Wie die Basler Polizei am Sonntag mitteilt, wurden drei Polizisten nach einem Böllerwurf mit Verdacht auf Knalltrauma ins Spital gebracht. Eine Person aus der Demonstration sei ambulant versorgt worden.

Keine Freude am Demozug hatte Piero Vecchioli, Eventmanager von drei Betrieben im Basler Kasernenareal. «Das war ein Totalversagen der Polizei», sagte er. Die Betriebe waren zeitweise für Besucher nicht zugänglich. «Manche Gäste sind verängstigt gegangen», sagte Vecchioli. Er ist speziell deshalb verärgert, weil die Polizei im Vorfeld auf Social Media angekündigt hatte, dass sie die Situation im Griff habe. Nun erlitten die Betriebe einen wirtschaftlichen Schaden – trotz des eigentlich tollen Fests in Basel.

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