Nach SonntagsBlick-Bericht über «White Resistance»
Basel eröffnet Verfahren gegen Neonazi-Terrorgruppe

Mehrere Rechtsextreme aus dem Raum Basel bildeten die Gruppe «White Resistance» – weisser Widerstand. Geheime Chats zeugen von Gewaltfantasien. Jetzt schaltet sich die Staatsanwaltschaft ein.
Publiziert: 13.05.2019 um 15:40 Uhr
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Aktualisiert: 24.01.2024 um 00:07 Uhr
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In einem geheimen Chat auf Facebook planten die verhafteten Neonazis eine rechtsextreme Terrorzelle. Sie sahen sich als neuen NSU, die Abkürzung für den Nationalsozialistischen Untergrund, das Terrortrio, das in Deutschland neun Migranten und eine Polizistin ermordet hat.

Die Gruppe bildet sich im März, wenige Stunden nachdem in Christchurch in Neuseeland ein rechtsextremer Terrorist 50 Muslime getötet hatte: Weisser Widerstand nennt sie G.S.*, ein Neonazi aus Basel. Zwei Dutzend Personen sind in der Gruppe, tauschen sich über ihre Fantasien und ihren Fremdenhass aus. 

SonntagsBlick hat mehrere Monate verdeckt recherchiert, sich bis in den innersten Zirkel der Geheimgruppe vorgearbeitet. Unbemerkt von den Behörden bildet sich die gewaltbereite Neonazi-Zelle. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Basel ein Verfahren wegen Rassendiskriminierung eingeleitet, bestätigt der Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft gegenüber BLICK. 

Wer im Fokus der Ermittlungen steht, wollen die Behörden nicht preisgeben. Der Anführer der Gruppe, G.S., posiert auf Fotos mit Pistolen und Messern, auf seinem Unterarm prangt ein tätowiertes Doppel-S, das Erkennungszeichen von Hitlers «Schutzstaffel», der SS. 

Tägliche Hetze 

Täglich hetzen die Mitglieder gegen Juden, Ausländer und ­Andersdenkende. «Sobald mir formiert sind, wärde mr Schweiz weit terror verbreite. NSU style», kündigt S. an. Die Chatprotokolle zeigen: Die Gruppe ist brandgefährlich. «Mir sübrre stadt», schreibt einer. Ein anderer doppelt nach: «ethnischi süüberig.»

Und Gruppengründer S. fantasiert: «Mir rotten alles us. In 10 Johr luege mr zrugg und sage guet gmacht.» In ihrem Wahn malt sich die Gruppe aus, wie sie gemeinsam einen Schwarzen umbringt. «Du dörfsch natürlich au nomol dri schutte wenn er nix me mitbekommt», schreibt S. an die Frau in den eigenen Reihen. 

Dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) ist es verboten, elektronische Überwachungsmassnahmen gegen militante Rechtsextreme anzuordnen. Dass ein lascher Umgang 
mit Rechtsextremen tödlich 
enden kann, zeigte der Anschlag von Christchurch. Der Täter hetzte jahrelang auf 
Facebook – und schlüpfte 
trotzdem unter dem Radar der Behörden durch.

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