Darum gehts
- FDP-Politiker Jehuda Spielman nutzt provokante Slogans für Gemeinderatswahl Zürich
- Ein Plakat parodiert die Forderung nach einer Zweistaatenlösung in Nahost
- Wahl in fünf Wochen, Spielman will mit Humor gegen Vorurteile ankämpfen
Zürich statt Nahost: Diese Wahlwerbung von Gemeinderat Jehuda Spielman (30) dürfte anecken. Der FDP-Politiker will in fünf Wochen erneut in den Zürcher Gemeinderat gewählt werden – und setzt dafür jetzt auf heikle Wortspiele.
«Siedlungen? Ja – in Zürich. Und dringend», steht auf einem seiner Wahlplakate, die er über Social Media verbreitet – eine Anspielung auf die hochumstrittene israelische Siedlungspolitik im Westjordanland, umgemünzt zur Forderung nach mehr Wohnraum in der Stadt.
Auch weitere Formulierungen in Spielmans Wahlkampf erinnern an den Nahostkonflikt: «Zwei-Kantone-Lösung? Unsinn! Bei uns löst man Konflikte anders.» Der Slogan wendet sich gegen die Idee einer Abspaltung der Stadt Zürich vom Kanton, ist aber gleichzeitig angelehnt an die viel diskutierte Zweistaatenlösung im Nahen Osten.
Sprüche auf dem Rücken eines jahrzehntealten Konflikts: Verhöhnt der FDP-Politiker für seinen Wahlkampf die Zehntausenden Opfer im Nahen Osten? Ganz und gar nicht, betont er gegenüber Blick. «Ziel meines Humors sind Menschen, die den Konflikt missbrauchen, um hier in der Schweiz den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu untergraben – etwa indem sie jüdische Menschen auf der Strasse mit ‹Free Palestine›-Rufen belästigen oder mit Graffitis den öffentlichen Raum verschandeln.»
«Ich erlebe eine konstante Fremdbestimmung»
Spielman trägt eine Kippa und gehört zur jüdisch-orthodoxen Gemeinschaft im Quartier Wiedikon. Laut eigenen Angaben werde seine Politik für die Stadt Zürich deshalb immer wieder mit den Ereignissen in Israel verknüpft. «Ich erlebe eine konstante Fremdbestimmung», sagt er. Dabei sei er Gemeinderat von Zürich und nicht von Jerusalem. Und besitze nicht einmal eine israelische Staatsbürgerschaft.
Mit den Wahlsprüchen will Spielman «den Spiess umdrehen». «Mit Humor und Selbstironie möchte ich Menschen dazu bringen, über ihre eigenen Vorurteile nachzudenken.» Er hoffe, die teils aufgeheizte Stimmung so lockern zu können – «mit Köpfchen, Kippa – und einem Herz für Zürich», wie es auf einem seiner Plakate heisst.