Vorwurf der Hamas-Propaganda
Swisscom und Sunrise kippen Al Jazeera Arabic aus dem TV-Angebot

«Wir haben Hinweise, dass der Sender gegen Schweizer Recht verstösst», so eine Swisscom-Sprecherin. In der Schweiz gilt ein Hamas-Verbot, das jede Art der Propaganda für die TV-Anbieter verbietet.
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Sowohl Sunrise als auch Swisscom strahlten bis vor kurzem den Sender Al Jazeera Arabic aus.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Al Jazeera Arabic seit Dezember 2025 nicht mehr in der Schweiz empfangbar
  • Swisscom und Sunrise beenden Ausstrahlung wegen möglicher rechtlicher Verstösse
  • Dem Sender aus Katar wird Hamas-Propaganda vorgeworfen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Marco LüssiBlattmacher

Der katarische Nachrichtensender Al Jazeera ist der meistgeschaute und einflussreichste TV-Kanal in der arabischen Welt. Auch in der Schweiz wurde er bis vor kurzem ausgestrahlt – sowohl von Sunrise als auch vom Swisscom-Angebot Blue TV. Doch damit ist Schluss: Seit rund drei Wochen ist die arabischsprachige Version von Al Jazeera hierzulande nicht mehr zu empfangen.

«Wir haben Hinweise erhalten, dass Al Jazeera Arabic gegen Schweizer Recht verstösst», sagt Swisscom-Sprecherin Alicia Richon (35) zu Blick. Die Swisscom habe deshalb entschieden, den Sender aus dem Programm zu nehmen, bis die Vorwürfe geprüft worden seien. Weiterhin ausgestrahlt wird dagegen der an ein westliches Publikum gerichtete englischsprachige Kanal von Al Jazeera.

«Im rechtlichen Graubereich»

Auch Sunrise-Kunden können den arabischsprachigen Sender mittlerweile nicht mehr empfangen, wie Sprecher Rolf Ziebold (55) bestätigt: «Al Jazeera Arabic ist seit dem 10. Dezember 2025 nicht mehr Teil des optionalen Sprachpakets, das mit weiteren arabischsprachigen TV-Sendern angeboten wird. Dies, weil sich Inhalte von Al Jazeera Arabic oftmals in einem rechtlichen Graubereich bewegen.» Den englischsprachigen Kanal von Al Jazeera strahlt Sunrise ebenfalls weiterhin aus.

Dass Schweizer TV-Anbieter den arabischsprachigen Sender verbreiteten, kritisierte die proisraelische Gruppierung Fokus Israel, hinter der unter anderen der Journalist und PR-Berater Sacha Wigdorovits (73) steht, schon im November 2025 auf ihrer Website. Fokus Israel verwies dabei auf eine Untersuchung des israelischen Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Centers (ITIC), die zum Schluss kommt, dass der Sender seit Jahren Hamas-Propaganda betreibe.

Plattform für Hamas-Führer

Den militärischen und politischen Führern der radikalislamistischen palästinensischen Terrormiliz habe Al Jazeera Arabic während des Gazakriegs eine Plattform geboten, um ungefiltert ihre Botschaften zu verbreiten, und durch die Ausstrahlung von Videos israelischer Geiseln sowie die Übertragung der «Übergabezeremonien» bei Geiselfreilassungen habe der Sender die Hamas in der psychologischen Kriegsführung unterstützt, hält ITIC fest.

Seit dem Waffenstillstand im Gazastreifen verbreite Al Jazeera Arabic kontinuierlich die Nachricht, dass die Hamas als Organisation überlebt habe und dass Israel im Krieg einen hohen Preis habe bezahlen müssen. In der Schweiz ist seit Mitte Mai 2025 das Hamas-Verbot in Kraft, das auch jede Art der Propaganda für die Terrormiliz verbietet.

Rösti erinnert Swisscom an Rechtsordnung

Al Jazeera Arabic war im Dezember auch Thema in der Wintersession des Nationalrats: Der Zürcher EDU-Nationalrat Erich Vontobel (66) wollte in der Fragestunde von Medienminister Albert Rösti (58) wissen, ob die Landesregierung «Hamas-Propaganda bei der Swisscom dulde». Rösti antwortete darauf, der Bundesrat verurteile antisemitische Inhalte und jede Form der Unterstützung terroristischer Organisationen klar und deutlich. «Die Swisscom ist zur Einhaltung der Schweizer Rechtsordnung verpflichtet.»

Der Bundesrat steuere die Swisscom über strategische Ziele, so Rösti weiter. «Auf eine Vorgabe, welche Sender im TV-Angebot der Swisscom angeboten werden, verzichtet der Bundesrat.» Ob strafrechtliche Tatbestände verletzt sein könnten, müssten die Strafgerichte beurteilen. Wenige Tage nach Röstis Votum reagierten sowohl Swisscom als auch Sunrise – und zogen dem Sender aus Katar den Stecker.

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