Darum gehts
- Google beanstandet Fasnachtsbilder der Gemeinde Ebikon wegen angeblicher Gewaltinhalte
- Gemeinde weist Vorwürfe zurück und kritisiert absurde Richtlinien des Tech-Konzerns
- Altersbeschränkung der App könnte erhöht werden, Entscheidung von Google ausstehend
Es tönt schon fast wie ein eigenes Fasnachtssujet: Am «Güdisdienstag» hat in der Luzerner Gemeinde Ebikon der traditionelle Fasnachtsumzug stattgefunden. Anian Heierli fotografierte fleissig Larven und Guggenmusigen. Gegen Abend publizierte der Kommunikationsbeauftragte der Gemeinde die Bilder in der offiziellen Gemeinde-App «Ebikon Aktuell». Doch: Nur ein paar Stunden später folgt dicke Post.
Spätabends erhielt Heierli vom Tech-Konzern Google, der den Play-Store auf Android-Handys verwaltet, ein E-Mail. Die App entspreche nicht den Richtlinien des Stores, heisst es darin, wie die «Luzerner Zeitung» berichtet.
«Das ist ziemlich absurd»
Die Vorwürfe sind happig: «Ihre App enthält Darstellungen von Gewalt, die für Kinder ungeeignet sind. Apps, die Gewalt, Blutvergiessen, schockierende Inhalte oder gefährliche Aktivitäten darstellen, dazu anstiften oder diese beinhalten, sind nicht zulässig.»
Heierli versteht die Welt nicht mehr: «Ich habe einfach Fasnachtsbilder hochgeladen und verstand nicht, was das Problem war», wird er zitiert. Darauf habe er beim Google-Support Beschwerde eingereicht. Er habe festgehalten, dass es sich lediglich um Bilder einer Schweizer Tradition handle, die auch von Familien und Kindern besucht werde.
Nach einer ersten Antwort auf Chinesisch habe sich ein Experte von Google gemeldet. Auch dieser befand, die App verstosse gegen Richtlinien. Die Gemeinde musste einen Fragebogen ausfüllen. «Wir mussten Fragen zu Gewaltdarstellungen ausfüllen, obwohl wir aus unserer Sicht gar keine Gewalt darstellen», so Heierli zur LZ. «Das ist ziemlich absurd.»
«Selbstzensur finden wir falsch»
Eine Alternative wäre es gewesen, die offenbar anstössigen Fasnachtsbeiträge gleich ganz zu löschen, schreibt die Zeitung weiter. Das aber will die Gemeinde nicht. «Diese Art von Selbstzensur finden wir grundsätzlich falsch», sagt Heierli. «Ausserdem hätten wir an der nächsten Fasnacht wohl wieder dieselben Scherereien.»
Ebikon wolle die Sache mit dem Tech-Giganten deshalb jetzt klären. Wahrscheinlich werde die Altersbeschränkung der Gemeinde-App erhöht, vermutet Heierli. Die Fasnächtler hätten definitiv ein nächstes Sujet.