Ringen um Staffel geht weiter
Sogar Offiziere schiessen gegen Patrouille Suisse

Der Nationalrat hat vergangene Woche das Ende der Patrouille Suisse eingeläutet. Die Bürgerlichen im Ständerat aber stemmen sich nochmals dagegen. Nun fällt ihnen aber sogar die Schweizerische Offiziersgesellschaft in den Rücken.
Publiziert: 17.06.2024 um 14:08 Uhr
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Aktualisiert: 17.06.2024 um 16:41 Uhr
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Der Nationalrat hat das Ende der Patrouille Suisse eingeläutet – aus Kostengründen.
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Daniel BallmerRedaktor Politik

SVP-Ständerat Werner Salzmann (61) gibt nicht auf. Gemeinsam mit zehn Ratskollegen von SVP, FDP und Mitte will er unbedingt an der Kunstflugstaffel Patrouille Suisse festhalten – eine Mehrheit in der kleinen Kammer ist damit absehbar.

«Als Botschafter der Schweiz und der Schweizer Luftwaffe lässt die Patrouille Suisse die Herzen des Publikums seit 60 Jahren im In- und Ausland höherschlagen», schreibt Salzmann in einem eben eingereichten Vorstoss. «Sie kennzeichnet sich durch Ihre Perfektion, Leistungsfähigkeit und Präzision auf höchstem Niveau aus. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Abschreckung potenzieller Gegner unseres Landes.»

«Den heutigen Bedrohungsszenarien nicht mehr gewachsen»

Der Ständerat wehrt sich damit gegen den Entscheid des Nationalrats von vergangener Woche. Die grosse Kammer wollte nichts wissen von einem weiteren Bericht zur Weiternutzung der F-5-Tiger. Verteidigungsministerin Viola Amherd (62) möchte die veralteten Kampfjets spätestens 2027 vom Himmel holen – womit das Ende der Patrouille Suisse eingeläutet wird. Die nötigen Millionen für Unterhalt und Betrieb sollen besser in die Verteidigungsfähigkeit der Armee gesteckt werden, argumentiert Amherd. «Der F-5-Tiger hat keinen militärischen Nutzen mehr.»

Und nun schiesst auch noch die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) gegen die Patrouille Suisse. «Der F-5 ist den heutigen Bedrohungsszenarien nicht mehr gewachsen und völlig veraltet», findet SOG-Präsident Dominik Knill. Gerade die Bewaffnung sei nicht mehr zeitgemäss. Teile der Bordkanone seien aus technischen Gründen gesperrt, genauso wie die Lenkwaffen für den Flugbetrieb. Und es gebe keinen Vorrat an Kanonenmunition mehr.

Zudem verfüge die Armee am Boden nicht über die nötigen personellen und materiellen Ressourcen für Logistik und Unterhalt einer Drei-Flotten-Strategie neben der F/A-18 und der neuen F-35, die ab 2028 eintreffen soll. Die Beibehaltung der Tiger-Flotte «aus vorwiegend emotionalen oder traditionellen Gründen» sei nicht mehr vertretbar. Die Betriebskosten von über 40 Millionen Franken pro Jahr rechtfertigen einen weiteren Betrieb nicht mehr.

Ständeräte pochen auf Nutzen

Davon aber wollen SVP-Ständerat Salzmann und seine Mitstreiter nichts wissen. Sie sind davon überzeugt, dass die Patrouille Suisse mehr als nur ein Hobby sei. Die F-5-Kampfjets würden in der Ausbildung der Piloten zur Zieldarstellung benötigt, zu Schulungszwecken oder für Testflüge. Sie würden damit die F/A-18-Kampfjets entlasten, die noch bis 2030 im Einsatz stehen sollen, bevor auch sie vom neuen US-Tarnkappenjet F-35 abgelöst werden sollen.

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Die USA hätten den Wert der F-5 Tiger erkannt, betont Salzmann. Sie haben der Schweiz mehrere Maschinen für Trainings abgekauft. Schliesslich ist der Tiger günstiger zu betreiben als andere Typen. Daher sei der Betrieb einer minimalen Anzahl Tiger F-5 auch für die Schweiz kein Luxus, sondern ein Beitrag zur Verteidigungsfähigkeit und zur Abschreckung. Die bürgerliche Mehrheit im Ständerat dürfte ihren Sicherheitspolitikern folgen. Das Ringen um die Patrouille Suisse geht weiter.

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