Darum gehts
- Migros und Coop nehmen Gustavs Vitamindrinks aus dem Sortiment
- Migros kritisiert politische Aussagen, Coop nennt geringe Nachfrage als Grund
- Gustav hat 5,5 Millionen Follower auf Tiktok
Das Getränke-Geschäft von Joung Gustav fällt in sich zusammen. Den Anstoss gab die Migros. Der orange Riese hat Gustavs Vyte-Getränke von einem Tag auf den anderen aus den Regalen verbannt. Nun folgt der nächste Rückschlag. Auch Coop kündigt an, die Vitamindrinks des Influencers aus dem Sortiment zu nehmen.
Eine weitere Zusammenarbeit sei «nicht mit unserem Wertekanon vereinbar», begründete die Migros den Entscheid. Hintergrund sind politische Äusserungen, die Gustav in den sozialen Medien gemacht hat. Dort folgen ihm mehrere Millionen Menschen, allein auf Tiktok hat er 5,5 Millionen Follower.
«Geringe Nachfrage»
Gustav wurde einst bekannt durch lockere Strasseninterviews an Zürcher Hotspots. Vor allem junge Leute gehörten zu seinem Publikum. Dann eröffnete er einen Zweitkanal und begann sich überraschend radikal zu positionieren. So warnte er vor den «Schattenseiten der Asylpolitik», oder sprach davon, Schweizer könnten im eigenen Land zur Minderheit werden und «buchstäblich aussterben».
Kurz darauf war der Migros-Deal Geschichte. Nun zieht auch Coop nach. Auf Anfrage teilt der Konzern mit, man habe «die Thematik zur Kenntnis genommen». Doch anders als bei der Migros sollen nicht Gustavs Äusserungen zur Beendigung der Zusammenarbeit geführt haben. «Unabhängig davon wurde bereits zuvor aufgrund der geringen Nachfrage entschieden, die Vyte-Artikel per Ende Mai aus dem Sortiment zu nehmen», erklärt Coop den Schritt.
Joung Gustav will auf Onlinehandel setzen
Für Gustavs Getränkefirma wird die Luft dünn. Fällt Coop weg, bleiben die Vitamindrinks nur noch am Kiosk erhältlich – sofern diese Vertriebspartner nicht ebenfalls abspringen.
Gustav reagierte diese Woche trotzig auf die Entwicklungen. In einem Video in den sozialen Medien sagte er: «Wenn du als Influencer in der Schweiz Geld verdienen willst, gilt die Devise: Sei links oder sei ruhig.» Seine Karriere als klassischer Influencer sei vorbei. Nun wolle er neue Projekte lancieren, darunter mit einem Produkt, mit dem man nicht von grossen Detailhandelsketten abhängig sei. Stattdessen wolle er auf Onlinehandel setzen. Viel mehr bleibt ihm derzeit nicht übrig.