Nach Nein zum Bürgerdienst
Jetzt sollen die Rentner an die Front!

Die Bürgerdienst-Initiative ist grandios gescheitert. Kein Wunder. Sie wollte nur die junge Generation in die Pflicht nehmen. Ein Kommentar.
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Deutlich unterlegen: Noémie Roten, Initiantin von «Service Citoyen».
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

  • Service-Citoyen-Initiative scheitert an der Urne wegen Konstruktionsfehler
  • Jüngere zahlen für 13. AHV-Rente und tragen Last der Staatsschulden
  • Schweizer Rentner haben mehr Zeit, Ressourcen und weniger Druck als Jüngere
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Lucien FluriCo-Ressortleiter Politik

Die Service Citoyen-Initiative war zu teuer, zu radikal, nicht im Sinn der Armee und ungerecht für die Frauen. So musste sie Schiffbruch erleiden. Eine überragende Mehrheit der Stimmbürger sagte Nein. Schweizerinnen und Schweizer mögen keine radikalen Systemwechsel.

Die Initiative hatte vor allem einen Konstruktionsfehler. Warum sollte allein die junge Generation für den Bürgerdienst herhalten? Mitten in der Ausbildung, vielleicht vor einer Familiengründung. Dass vor allem junge und fitte Menschen für den Armeedienst vorgesehen sind, erklärt sich von selbst. Aber es erschliesst sich nicht, warum für einen allgemeinen, gemeinnützigen Bürgerdienst nicht auch die Älteren, vor allem die Rentner, Zeit für die Gesellschaft hergeben sollten.

Junge stark belastet

Bevor es jetzt heisst: Welch eine Frechheit! Die Rentner haben ein Leben lang «krampfet» und genug geleistet – das Gedankenexperiment lohnt sich.

Die Jüngeren zahlen für die 13. AHV-Rente. Milliarden werden in der Vorsorge von jung zu alt geschoben. Staatsschulden lasten auf den künftigen Generationen. Gleichzeitig müssen die Jüngeren, mit Blick auf die Weltlage und brachiale Änderungen wie der künstlichen Intelligenz, mit einer ungewissen Zukunft rechnen.

Den Schweizer Rentnern dagegen geht es finanziell derzeit so gut wie vielleicht noch nie in der Geschichte. Sie haben mehr Zeit, mehr Ressourcen und weniger Druck als die Jüngeren. Die Zahl der Senioren nimmt zu, und sie haben einen riesigen Erfahrungsschatz, von dem alle profitieren können.

Viele Rentner helfen längst der Gesellschaft: Sie pflegen Angehörige, betreuen Enkel oder arbeiten ehrenamtlich. Man könnte auch ihre frühere Fürsorge und Freiwilligenarbeit anrechnen. Für viele würde sich so kaum etwas ändern – und die anderen würden einen sinnvollen Beitrag an die Schweizer Allgemeinheit leisten.

Nur mal so als Gedankenexperiment.

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