Darum gehts
- Historisches Treffen zwischen Reagan und Gorbatschow 1985 in Genf
- Villa Fleur d’Eau in Versoix war Ort der Zusammenkunft
- Verkaufspreis: 10 Millionen – statt der ausgeschriebenen 23 Millionen Franken
An hochtrabenden Beschreibungen mangelt es nicht. Mal ist von einer «Sternstunde der Schweizer Diplomatie» die Rede, mal sogar vom «Anfang vom Ende des Kalten Krieges».
Vor gut 40 Jahren, im November 1985, organisierte die Schweiz in Genf ein historisches Treffen zwischen den Kontrahenten des Kalten Krieges. Erstmals trafen US-Präsident Ronald Reagan (1911–2004) und Sowjet-Generalsekretär Michail Gorbatschow (1931–2022) aufeinander.
Der Ort der Zusammenkunft: ein prächtiges Gebäude am Genfersee. Die damals mächtigsten Männer der Welt trafen sich in der Villa Fleur d’Eau in der Gemeinde Versoix GE. Zwischen dem 19. und dem 21. November 1985 verhandelten sie miteinander in dem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Das wichtigste Thema: die Abrüstung.
Jetzt hat der Ort des Treffens, die historische Villa Fleur d’Eau, einen neuen Besitzer. Der Kaufpreis lag bei 10,75 Millionen Franken, wie die «Tribune de Genève» berichtet. Hinter dem Kauf steckt demnach der Juwelier François Graff (62). Er stammt aus der Diamantenhändler-Dynastie Graff. Auf der Reichstenliste der Bilanz wird Vater Laurence Graff mit einem Vermögen von 5,5 Milliarden Franken gelistet.
Hat der neue Besitzer damit ein Schnäppchen gemacht? Angeboten worden war die Prachtsimmobilie, die 1867 für einen Bankier erstellt worden war, zuvor auf verschiedenen Portalen. Die Verkäuferin, eine international tätige Firma, wollte das Prunkstück nämlich für einen massiv höheren Preis veräussern: Dem Vernehmen nach waren es 23 Millionen Franken, die gefordert worden sind.
Unabhängig vom Verkaufspreis: Geboten wird dem neuen Besitzer einiges: direkter Seezugang, zwölf Zimmer und 1000 Quadratmeter Wohnraum sowie 12’000 Quadratmeter Park.
Ein überragender Bundesrat und das Damenprogramm
Der neue Besitzer kann künftig bei Besuch aus dem Nähkästchen der Weltgeschichte plaudern. Wichtiger als die fehlenden konkreten Ergebnisse des Gipfels am Genfersee war aus Sicht der Historiker allerdings das Gespräch an sich: der Geist von Genf, der eine Zeit der Entspannung einläutete. Reagan und Gorbatschow trafen sich zu weiteren Gesprächen in Reykjavík (1986), Washington (1987) und Moskau (1988). Wenig später war der Kalte Krieg zu Ende.
Das Gipfeltreffen 1985 bot auch dem damaligen Schweizer Bundespräsidenten Kurt Furgler (1924–2008) eine internationale Bühne. Der CVP-Bundesrat galt in den 1970er- und 1980er-Jahren als überragende Figur in der Landesregierung.
Gorbatschow begrüsste er auf Russisch, Reagan auf Englisch. Wie Schweizer Teilnehmer später verrieten, war alles minutiös geplant: Furglers Rede war komplett eingeübt, aber so, dass sie spontan wirkte.
Nicht nur die Staatsmänner trafen sich damals, sondern auch ihre Frauen. Nancy Reagan (1921–2016) und Raissa Gorbatschowa (1932–1999) erhielten ein «Damenprogramm» organisiert. Gemeinsam mit Bundesratsgattin Ursula Furgler (1927–2015) legten sie den Grundstein für das Museum des Internationalen Roten Kreuzes in Genf.
Erinnerungen an die historischen Gespräche wurden wach, als sich im Juni 2021, ebenfalls in Genf, Russlands Machthaber Wladimir Putin (73) und der damalige US-Präsident Joe Biden (heute 83) trafen. Dies ebenfalls in einer historischen Villa, allerdings auf der anderen Seeseite.