Künftig betreibt die Post nur noch 600 eigene Filialen
170 Filialen in 155 Gemeinden werden umgewandelt

Post-Chef Roberto Cirillo kündigte Ende Mai aus Spargründen die Schliessung von 170 Poststellen bis 2028 an. Am Dienstag wird klar: 155 Gemeinden in der ganzen Schweiz sind betroffen. Die betroffenen Filialen sollen an Partner abgegeben werden.
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Post-Chef Roberto Cirillo: Sein Unternehmen hat im Mai den Abbau von 170 Poststellen bekannt gegeben.
Foto: Keystone

Die Post kämpft mit der Digitalisierung: Immer weniger Menschen versenden Briefe oder tätigen ihre Einzahlungen am Schalter. Daher ist Sparen angesagt. Bereits Ende Mai liess Post-Chef Roberto Cirillo (53) die Bombe platzen: Weitere 170 Poststellen sollen bis 2028 geschlossen werden. Gut 30 Millionen Franken will der Staatsbetrieb damit einsparen. Es soll Gemeinden über die ganze Schweiz hinweg treffen. «Einzelne Gebiete werden stärker betroffen sein als andere, das muss die definitive Analyse zeigen», hiess es damals.

Nun ist klar, welche 155 Gemeinden bluten müssen. Doch komplett wegfallen werden die Filialen nicht: Wie Cirillo und sein Vize Thomas Baur (60) am Dienstag an einer Medienkonferenz mitteilen, sollen sie von Partnerfirmen übernommen werden. Heisst: Das Filialnetz mit 2000 Standorten wird – zumindest nach Ansicht der Post – beibehalten. Davon sollen aber bis in vier Jahren nur noch 600 von der Post selbst betrieben werden. Damit könne der gelbe Riese auch in Zukunft ohne Steuergelder auskommen, sagte Konzernleiter Cirillo.

Grundversorgung bleibt laut Post eingehalten

«Die Filialpartnerschaften sind ein Modell, das sich sehr bewährt hat», erklärte Stellvertreter Baur. Aus den Gemeinden erhalte das Staatsunternehmen durchwegs positive Rückmeldungen. Und auch der Grundversorgungsauftrag sei damit weiterhin eingehalten. Die Filialerreichbarkeit würde durch die Umwandlungen nur wenig sinken.

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Gespräche mit den betroffenen Kantonen und Gemeinden würden bereits seit Juli gesucht. Doch laut Baur hat dies noch nicht bei allen geklappt: Mit 36 betroffenen Gemeinden werde erst in den nächsten Wochen gesprochen – in 3 Gemeinden fehle noch ein Termin. «Bis Ende Jahr werden wir mit jeder Gemeinde ein Gespräch geführt haben», versprach Baur vor den Medien.

100 Millionen Franken für die Modernisierung

Zusätzlich zu den Umwandlungen will die Post bis 2028 100 Millionen Franken investieren, um ihr Filialnetz zu modernisieren. So sollen beispielsweise Video-Beratungen den klassischen Schalter ergänzen – sowohl bei eigenen Filialen als auch bei Partnern. Auch neue Selbstbedienungselemente sollen umgesetzt werden. Immerhin: Kündigungen soll es im ganzen Umbau keine geben. Das versprach die Post bereits im Frühjahr.

Die Gewerkschaft Syndicom kritisiert die Pläne der Post scharf. Zahlreiche Randregionen würden dadurch den Zugang zu einer vollwertigen Postversorgung verlieren, teilt sie mit. Das sei ein klarer Abbau des Service public. Zudem würden hunderte hochwertige Jobs verloren gehen. Auch die SP zeigt sich unerfreut: Sie befürchtet eine Verschlechterung der Servicequalität, wie sie in einer Medienmitteilung schreibt. Dabei seien die angekündigten Filialschliessungen erst der Anfang. So würden Post und Bundesrat Albert Rösti (57) planen, den Postdienst bereits ab dem nächsten Jahr weiter zu schwächen. In einer Revision der Postverordnung will der Bundesrat zukünftig die Zustellpflicht von Briefen und Paketen reduzieren – für die Linken eine weitere deutliche Schwächung der Grundversorgung.

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