In einem sind sich die internationalen Rankings einig: Der Standort Schweiz ist spitze.
Beim «Global Innovation Index» 2025 zum Beispiel belegt das Land einmal mehr den ersten Platz. Aber wie lange hält der Vorsprung noch? Andere Hotspots von Fernost bis nach Amerika holen auf. Und in der Schweiz mehren sich die Anzeichen eines Stillstands: Staatswachstum, Bürokratie und Strukturkonservatismus sind drohende Hindernisse.
Für die Zukunft sind nicht nur die Industrie-Perlen und KMU entscheidend, sondern die Neugründungen. Letztere werden durch den Verband Swiss Startup Association (SSA) vertreten. Dieser schlägt nun Alarm: In einem neuen Positionspapier, das SonntagsBlick vorliegt («Startup-Agenda Schweiz»), nennt die Vereinigung eine ganze Reihe von Forderungen, die es in sich haben. Ein zentraler Punkt: die Mitarbeiterbeteiligung, ein wichtiger Anreiz und Innovationstreiber.
«Andere Länder bieten schnellere Verfahren»
Laut den Autoren sind die bürokratischen Hürden dafür viel zu gross im Land, so sind etwa für eine Beteiligung von Teamkollegen an der Firma aufwendige «Tax Rulings» in jedem einzelnen Kanton nötig. Teuer, ineffizient, abschreckend. Es brauche darum die «Einführung klarer, schweizweit einheitlicher und start-up-freundlicher Regelungen für Mitarbeiterbeteiligungsprogramme», heisst es im Papier. Gerade in dem Bereich ist das Ausland deutlich besser aufgestellt. Im Parlament sind zu dem Thema bereits Vorstösse hängig: GLP-Nationalrätin Céline Weber (51) verlangt per Motion, Angestellte von Start-ups steuerlich nicht mehr zu benachteiligen.
Eine weitere Forderung enthält politischen Zündstoff: «einfachere und schnellere Arbeitsbewilligungen für Angestellte aus Drittstaaten». Das aktuelle System rund um Arbeitsbewilligungen für hoch qualifizierte Fachleute aus Drittstaaten sei in der Schweiz «langsam, kompliziert und unflexibel». Bewilligungsverfahren würden oft mehrere Monate dauern. Solche Hürden würden es Unternehmen schwer machen, «dringend benötigte Talente schnell einzustellen», schreiben die Autoren. «Andere Länder bieten schnellere und einfachere Verfahren, wodurch die Schweiz an Attraktivität verliert.»
Treibende Kraft ist Präsident Raphael Tobler
Ein weiterer Punkt ist die soziale Absicherung von Gründerinnen und Gründern. Obwohl seit der Pandemie politisch anerkannt wird, dass Nachholbedarf besteht, passierte wenig. Wer heute eine Firma gründet, trägt ein erhebliches persönliches Risiko.
Nicht besser fällt das Fazit des Start-up-Verbands bei der Finanzierung aus: Kapital ist in der Schweiz genügend vorhanden, doch lege der Staat Hindernisse in den Weg – zugunsten der Konkurrenz im Ausland: «Obwohl die Schweiz als Finanzplatz international führend ist, setzen viele Venture-Capital-Fonds ihre Strukturen lieber im Ausland auf, weil die rechtlichen und steuerlichen Bedingungen für Fondsstrukturen in der Schweiz unattraktiv sind.» Dazu kommt die Forderung nach steuerlichen Anreizen und besseren Rahmenbedingungen «für Wagniskapital».
Nun sind die Absender daran, ihren Forderungen beim nationalen Gesetzgeber Gehör zu verschaffen. Zu den treibenden Kräften gehört SSA-Präsident Raphael Tobler. Der 38-Jährige ist FDP-Gemeinderat in Winterthur ZH und Gründer der Plattform Eduwo.
In Bundesbern wird eifrig lobbyiert – allerdings kaum für Start-ups, sondern für strukturerhaltende Posten. Die Pfründe reichen von der Subventionierung einer Sesselbahn über altphilologische Forschungsprojekte bis zur Verarbeitung von Zuckerrüben. Da würde etwas frischer Wind die Debatte aufmischen.