Isabella Schmid über den Verlust ihres Lebenspartners
«Ich nehme mein Leben jetzt Schritt für Schritt»

Sie ist eine der populärsten Schauspielerinnen der Schweiz, feiert auch im Ausland Erfolge. Die letzten Jahre wurde es aus privaten Gründen indes ruhiger um die Zürcherin, denn sie verlor ihren Lebenspartner. Sie erzählt, wie sie mit dem Verlust umgeht.
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Isabella Schmid ist eine der populärsten Schauspielerinnen der Schweiz.
Foto: Urs Gantner

Darum gehts

  • Isabella Schmid reflektiert ihre Karriere und Verlust ihres Partners 2024
  • Sie spielte in über 70 TV-Projekten, 60 Bühnenstücken, neun Kinofilmen
  • Ihre Fotos werden im Februar 2026 bei der Photo Schweiz ausgestellt
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
Dominik Hug, GlücksPost
Glückspost

Während des Interviews wirkt Isabella Schmid fröhlich, zwischendurch wischt sie sich aber auch eine Träne aus dem Gesicht, wenn gewisse Erinnerungen hochkommen.

GlücksPost: Sie sind gerade 55 geworden. Wie fühlen Sie sich?
Isabella Schmid: Eigentlich nicht anders als mit 54. Ernsthaft: Das Alter war für mich nie ein Problem. Jede Lebensphase hat ihre guten Seiten.

Was sind aktuell die guten Seiten?
Ich habe weniger Stress als früher, bin genügsamer, was zu einer grösseren inneren Zufriedenheit führt. Mit dem Alter wird man ruhiger, entspannter. Und das wird wohl mit jedem Jahr noch mehr zunehmen. Ich setze mich heute nicht mehr so sehr unter Druck, da ich nicht mehr das Gefühl habe, noch vieles erreichen zu müssen.

Was vermissen Sie am Jungsein?
Vielleicht die Unbeschwertheit, die einen befällt, wenn man noch meint, dass einem die ganze Welt offensteht. Handkehrum, wenn ich mir jetzt die jungen Leute angucke, ihre Anspannung und Unsicherheiten erkenne, bin ich eigentlich ganz froh, dass ich nicht in der Gegenwart jung sein muss.

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Sind Sie heute da, wo Sie sein möchten?
Das weiss ich nicht, denn ich habe mir nie gross Pläne gemacht. Ich bin ein Mensch, der sehr stark im Moment verwurzelt ist. Aber natürlich hatte auch ich in jungen Jahren viele Träume, ich wollte in Serien mitspielen und tolle Spiel- und Kinofilme drehen. Diese Träume gingen glücklicherweise in Erfüllung.

Beruflich haben Sie schon früh vieles erreicht.
Ja, ich ging ins Ausland, spielte in über 70 TV-Projekten, in mehr als 60 Bühnenstücken und neun Kinofilmen mit. Deswegen ist alles, was noch kommen mag, zwar schön, aber ich wäre auch zufrieden, wenn dem nicht so wäre. Ich will keine Zwänge mehr haben. Auch weil ich heute weiss, dass der Beruf nicht alles ist im Leben. Die Schauspielerei ist meine absolute Leidenschaft, die ich nun schon 35 Jahre ausleben darf, gewiss, aber mittlerweile habe ich erfahren, dass andere Aufgaben wichtiger sein können.

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2024 ist Ihr Lebenspartner Urs Gantner verstorben. Sie haben ihn bis zu seinem Tod begleitet.
Ja. Meine Prioritäten haben sich von heute auf morgen komplett verändert. Ist man so deutlich mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert, wird der Beruf und jede kleine Eitelkeit zweitranging.

Was war das Schwierigste in jener Zeit?
Wir Menschen haben unfassbar viel Kraft in uns. Das wurde mir erst nach Urs’ Tod bewusst, als plötzlich nur noch Leere da war. Und das nicht nur deshalb, weil er mir so fehlte, sondern auch, weil die ganze Struktur, die unseren Alltag in dieser Zeit prägte, sich über Nacht in Luft auflöste.

Inwiefern?
Wichtig war mir, da zu sein. Zum damaligen Lebensinhalt gehörten viele Termine. Ärzte werden zu Vertrauten und Kliniken zu Hoffnungsstätten. Plötzlich hat man einen ganz anderen Alltag, der von aussen betrachtet vielleicht anstrengend aussieht; steckt man allerdings selbst mit drin, nimmt man es nicht als Anstrengung wahr.

Was ist das Schlimmste, wenn man allein zurückbleibt?
Diese Endgültigkeit, die der Tod mit sich bringt. Dieses erschreckende Wissen, dass man mit einem geliebten Menschen nie mehr reden, ihn auch nicht mehr spüren kann. Plötzlich ist ein Teil von dir weg. Bei mir ist es so, als würde eine Hälfte von mir fehlen. Da ist jetzt einfach ein Loch.

Wie kommen Sie mit dieser neuen Realität zurecht?
Das bin ich noch am Herausfinden. Es gibt kein Geheimrezept gegen die Trauer, auch keine Pille, die einem die Schmerzen nimmt, denn jeder Mensch geht mit Verlusten anders um. In meinem Fall ist es so, dass ich einfach versuche, den Schmerz zu akzeptieren und ihn auszuhalten.

Was heisst das?
Die Traurigkeit übermannt mich manchmal überraschend bei ganz alltäglichen Dingen wie beispielsweise beim Einkaufen oder im Bus. Und dann ist das halt so und dann will ich auch nicht dagegen ankämpfen. Komme ich mal wirklich ans Limit, probiere ich es mit Verdrängung. So stürze ich mich beispielsweise noch mehr in die Arbeit oder suche mir sonstige Aktivitäten, die mich auf andere Gedanken bringen. Aber das gelingt mir nicht immer.

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Welches Verhältnis haben Sie heute zum Tod?
Ich hatte nie Angst vor dem Tod. Mir war immer bewusst, dass das Sterben zum Leben gehört. Aber das war immer meine persönliche Wahrnehmung von meinem eigenen Ende. Begleitet man einen geliebten Menschen, wird es komplexer. Denn man bleibt am Ende zurück und muss allein weitermachen. Dieses Erlebnis hat mich viel mehr zurückgeworfen, als ich mir zuvor eingestanden hatte. Ich kann auch eineinhalb Jahre danach nicht behaupten, dass ich über seinen Verlust hinweg wäre.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft?
Ich weiss es nicht. Ich nehme mein Leben jetzt Schritt für Schritt. Einen neuen Menschen in mein Leben zu lassen, kann ich mir nicht vorstellen. Zunächst fokussiere ich mich wieder etwas mehr auf die Arbeit.

Neben der Schauspielerei ist die Fotografie eine Leidenschaft von Ihnen. Ihre Bilder werden im Februar erstmals an der Ausstellung Photo Schweiz in Zürich gezeigt.
Urs war unter anderem Fotograf, er hat in mir das Feuer für die Analog-Fotografie entfacht. 2018 kaufte er mir eine alte Olympus-Kamera. Ganz ehrlich, ich fand Paare, die gemeinsame Obsessionen haben, immer seltsam. Geht einer gerne joggen oder ins Yoga, muss der andere das ja nicht automatisch auch mitmachen, dachte ich. Aber das Fotografieren war etwas, was mir durch seine Leidenschaft plötzlich ebenfalls viel Freude bereitete. Durch ihn rutschte ich immer mehr hinein, lernte alles über die Belichtung, den Blickwinkel bis zur Entwicklung der Bilder.

Was für Bilder zeigen Sie an der Photo Schweiz?
Als ich die Anfrage bekam, dachte ich erst, na ja, meine Bilder sind nicht so professionell. Sie entstanden lediglich durch meine Passion, mit alten Kameras die Welt einzufangen. Das fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Es sind stille Bilder. Sie zeigen die Einsamkeit unter Menschen. Es sind traurige, aber auch ruhige und kraftvolle Bilder, die das wirkliche Leben zeigen.

Welche Träume haben Sie?
Zurzeit habe ich keine Träume. Ich mag mir keine Gedanken über die Zukunft machen, die sowieso oft anders herauskommt, als man meint. Das Leben verläuft wellenartig. Mal ist man oben, dann wieder unten. Auf Schlechtes folgt wieder Gutes und umgekehrt. Daran glaube ich fest. Es wird also auch bei mir irgendwann wieder aufwärtsgehen.

Anlaufstellen für Trauernde: trauernhilft.ch, familientrauerbegleitung.ch und selbsthilfeschweiz.ch 

Textbox:

Isabella Schmid wuchs mit drei Brüdern auf, stand mit vier zum ersten Mal auf der Bühne. Mitte der 90-Jahre ging sie nach Deutschland und spielte in mehreren TV-Produktionen wie «Ein Schwarzwaldkrimi» mit. Zum TV-Star wird sie mit der Serie «Hinter Gittern – Der Frauenknast». Ein Erfolg war auch ihre ZDF-Telenovela «Lena - Liebe meines Lebens» und zuletzt «Die Läusemutter» oder ihre Rolle als Mama Moll im Kinofilm «Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes». Von 2017 bis zu dessen Tod 2024 war sie mit dem Musiker und Fotografen Urs Gantner liiert.

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