Filmkünstler Helmut Förnbacher
«Dass der Tod zum Leben gehört, finde ich einen Seich»

Der erfolgreiche Basler Filmkünstler Helmut Förnbacher wird 90. Er blickt auf 70 abenteuerliche Berufsjahre zurück, macht unermüdlich Theater und ist dankbar, dass ihm ein zweites Leben geschenkt worden ist.
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Kristina Nel und Helmut Förnbacher mit ihren Kindern Julian und Sandra. Am 25. Januar lädt die Familie in Basel zur Filmvorführung von «Sommersprossen».
Foto: STEFAN BOHRER

Darum gehts

  • Helmut Förnbacher wird am 26. Januar 90 Jahre alt
  • Er leitete 25 Jahre ein eigenes Theater und inszenierte Stücke
  • Über 250 Fanclubs widmeten sich ihm im deutschsprachigen Raum
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
Andrea Butorin (Text) und Stefan Bohrer (Fotos), GlücksPost
Glückspost

Am 26. Januar wird der Basler Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor Helmut Förnbacher 90 Jahre alt, und erstmals wird er den Jubeltag gebührend feiern. «Bislang hatte ich nie Lust darauf, schliesslich kann ich ja nichts für meine Geburt. Aber meine Kinder fanden es an der Zeit», sagt er schmunzelnd.

Wer 90 wird, seit 70 Jahren seinen Beruf ausübt, unermüdlich Theater spielt und Stücke schreibt, hat etwas zu erzählen. Helmut Förnbacher hat deshalb in seine Heimatstadt Basel geladen, um aus seinem Leben zu berichten. Auch seine Familienmitglieder schauen kurz vorbei.

Seit 50 Jahren sind er und die deutsche Schauspielerin Kristina Nel (72) verheiratet. Sie gab ihr Filmdebüt in den «Pauker»-Komödien mit Hansi Kraus (73), später drehte sie mit Star-Regisseur Wolfgang Petersen (1941–2022) und spielte in TV-Krimis. Sohn Julian (30) ist Sportjournalist. Tochter Sandra Rudin Förnbacher (41) arbeitet als Theaterpädagogin und Regisseurin und ist Mami einer Tochter (9) sowie eines Sohnes (7).

Bei Schweizer Kultfilm dabei

Helmut Förnbacher startete seine Karriere am Theater. Seine erste Film-Hauptrolle spielte er 1959 im schweizerisch-amerikanischen Film «SOS – Gletscherpilot». Ein Jahr später verkörperte er in Kurt Frühs (1915–1979) Kultfilm «Hinter den sieben Gleisen» den arroganten Schnösel Paul Eberhardt an der Seite der Volksschauspieler Ruedi Walter (1916–1990), Zarli Carigiet (1907–1981) und Max Haufler (1910–1965). «Das waren grossartige Schauspieler», sagt Förnbacher. «Max Haufler ist ein Freund geworden. Von ihm habe ich gelernt, wie man Filme macht.»

Ruedi Walter spielte später in Förnbachers Regie-Debüt «Sommersprossen». Weil dieser Film 1968 mitten in die erste grosse Kinokrise fiel, bei der viele Verleiher bankrott gingen, verschuldete sich Förnbacher mit einer Million Franken.

Es war wohl so etwas wie eine Flucht, dass Förnbacher kurz darauf mit einem Freund zu einer abenteuerlichen und gefährlichen Afrika-Reise aufbrach: In Namibia fuhren sie in einem offenen Jeep ins verbotene Grenzgebiet. Ohne Schutz übernachteten sie im Busch. «Einmal wachten wir von Elefanten umzingelt auf», erinnert er sich.

Mehr in der «GlücksPost»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!

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Von «Tatort» zu «Rosamunde Pilcher»

Ob die TV-Serien «Forellenhof», «Unser Charly» oder Krimi-Reihen wie «Grossstadtrevier» oder «Tatort»: Zurück aus Afrika spielte Förnbacher in unzähligen Gassenhauern mit oder führte Regie. So konnte er seine Schulden zurückzahlen: «Keiner meiner Filme hatte weniger als fünf Millionen Zuschauer. Solche Zahlen wären heute undenkbar.» Amüsiert berichtet er, wie er für seine ARD-Krimis mit illustren Milieu-Figuren Recherchegespräche führte. «Einer sagte: Wir wissen, wo wir dich finden, falls uns dein Krimi nicht gefällt.»

Bei ZDF lebte er seine romantische Seite aus: Förnbacher verfilmte den allerersten Film der «Rosamunde Pilcher»-Reihe. «Das musste ein Erfolg werden, dementsprechend gross war das Budget», so Förnbacher, der sich gern daran erinnert, wie er durch halb England reiste, um die Schauplätze auszuwählen.

Und seine eigene Liebesgeschichte mit Kristina Nel? Sie nahm bei einem Fest von Freunden ihren Anfang. Für beide war es Liebe auf den ersten Blick, 1975 heiratete das Paar. Kristina Nel zog zu ihm nach Basel, wo er stets wohnen blieb, obwohl er mehrheitlich in Deutschland arbeitete. Als sie Eltern wurden, habe er sich bemüht, jede Woche für drei Tage nach Hause zu fliegen. «Das hat einen Grossteil meiner Gage verschlungen», sagt er.

Grosse Leidenschaft fürs Theater

Eigentlich mag sich Helmut Förnbacher nicht entscheiden: Er liebt es gleichermassen, als Schauspieler, Regisseur oder als Drehbuchautor zu arbeiten, am Film oder am Theater, in ernsten oder lustigen Rollen. Film und Fernsehen bescheren ihm eine enorme Popularität: So gab es im deutschsprachigen Raum einst über 250 Helmut-Förnbacher-Fanclubs, und mehrmals zierte er die Titelseite von Jugendzeitschriften wie «Bravo».

Und doch: Für das Theater hat er eine besondere Leidenschaft. «Das Theater ist das Fundament», sagt er. Seit 1980 leitet er seine «Helmut Förnbacher Theater Company». Dort führt er Regie und spielt an der Seite seiner Frau unzählige Hauptrollen. «Dass wir ein Ehepaar sind und so eng zusammenarbeiten, war für Tina anfangs schwierig», sagt Helmut Förnbacher. Und doch habe es funktioniert: Seine Frau sei eine hervorragende Schauspielerin, und er wisse ganz genau, wie man die Zuschauenden packt.

Über 25 Jahre lang führte Förnbacher in Basel sein eigenes Haus, in dem er ganz nach seinem Gusto Theater habe machen können, von den grossen Dramen bis zu Komödien. Besonders wichtig war ihm, Schülerinnen und Schülern, die aus der ganzen Schweiz und aus Süddeutschland anreisten, zu zeigen, «dass Theater gopfridstutz etwas Geiles ist».

2021 schloss sich dieser Vorhang zum letzten Mal – der Mietvertrag wurde gekündigt. Anfangs war Helmut Förnbacher noch überzeugt, in seiner Heimatstadt einen geeigneten Nachfolgeplatz zu finden. Nun resigniert er zunehmend. Immerhin findet seine Company in verschiedenen Basler Häusern wie aktuell dem «Tabourettli» Unterschlupf. Ab dem 4. Februar spielen dort Helmut Förnbacher, Kristina Nel und ihre Tochter Sandra in der Dialektkomödie «Zum Dessert Mousse au Chocolat – e polyamori Beziehig» – geschrieben und inszeniert von Helmut Förnbacher.

Fehler der Schöpfung

«Dass der Tod zum Leben gehört, finde ich einen Seich», sagt Helmut Förnbacher zornig. Es sei ein grosser Fehler unserer Schöpfung, so etwas Grossartiges zu schaffen, die Menschen so viel tun und lernen zu lassen, um all das einfach mit dem Tod auszulöschen. Und so arbeitet er auch mit bald 90 Jahren unverändert leidenschaftlich weiter.

Und doch macht sich das Alter hie und da bemerkbar. Als Filmregisseur kann er schon seit zehn Jahren nicht mehr arbeiten – keine Versicherung will für ihn die obligatorische Ausfallversicherung übernehmen.

Und dann gab es noch den Herzinfarkt in der Silvesternacht 2021/22. Zwei der besten Herz-Koryphäen Basels hätten ihn gerettet. «Ich hatte unglaubliches Glück und bekam ein zweites Leben geschenkt», sagt er heute und fügt an: «Auch deshalb habe ich jetzt Lust darauf, meinen Geburtstag zu feiern.»

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