Ballettstars Yannick Bittencourt und Grégory Dominiak
Vom Prinzen auf der Pariser Bühne zum Tanzlehrer in Bern

Von der Opéra de Paris nach Boll bei Bern! Die beiden Ex-Weltklassetänzer Yannick Bittencourt und Grégory Dominiak unterrichten heute in der Schweiz nicht nur Nachwuchstalente. Sie kümmern sich um die Fortsetzung der Dynastie der elterlichen Tanzschule.
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Yannick Bittencourt (l.) mit Mann Grégory Dominiak und ihrem Vierbeiner Tender in Bern.
Foto: Kurt Reichenbach

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Yannick Bittencourt unterrichtet Ballett in Boll bei Bern
  • Früher tanzte er 15 Jahre an der Opéra de Paris
  • Heute leitet er mit Partner eine Schule mit 50 Schülern
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Vanessa Nyfeler
Schweizer Illustrierte

Fünf Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren reihen sich im Ballettsaal in Boll bei Bern auf. Hoch konzentriert, die Haare streng gebunden, die Rücken kerzengerade. Vor ihnen ihr Lehrer: der ehemalige Ballettprofi Yannick Bittencourt. «Und eins, zwei, drei, jeté!», ruft er ermutigend.

Noch vor nicht allzu langer Zeit sah sein Leben ganz anders aus: Der Berner tanzte 15 Jahre auf den grössten internationalen Bühnen, die meiste Zeit im Ensemble der Opéra de Paris. «Der Traum jedes Balletttänzers», betont Yannicks Mann Grégory Dominiak (43) der in derselben Compagnie tanzte. Denn wer es ins Pantheon des Tanzes in Paris schafft, gehört zur Weltspitze – und steht unter Dauerbeobachtung. Bittencourt hielt dem Druck stand und übernahm Rollen, die im Metier als Ritterschlag gelten: Prinz Siegfried in «Schwanensee», James in «La Sylphide» sowie Benvolio und Graf Paris in «Romeo und Julia».

Mehr als Arbeitskollegen

Jedes Jahr bewertet eine interne Jury die Tänzer. «Es sind spezielle Dynamiken: Es herrscht Rivalität, gleichzeitig mag man sich», so Bittencourt.

Genau in diesem Spannungsfeld entfaltete sich die Liebesgeschichte von Yannick Bittencourt und Grégory Dominiak: Der Franzose war bereits seit sechs Jahren Teil der Compagnie, als der Berner dazustiess. «Liebe auf den ersten Blick», nennt Dominiak es. Es dauerte zwei Jahre, bis aus der Anziehung mehr wurde. «Ich war anfangs noch nicht bereit für eine Beziehung mit einem Mann», erzählt Bittencourt.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.

Sie traten gegeneinander an, freuten sich füreinander – und spürten dennoch manchmal Eifersucht im Beruf: «Es war nicht immer einfach. Aber klar ist: Unsere Begegnung war Schicksal.» In ihren wenigen freien Stunden zog es das Liebespaar hinaus in die Strassen und Cafés. Für Dominiak als gebürtigen Pariser gehörte dieses Leben schon immer dazu. Bittencourt hingegen hat Paris verändert. «Ich hinterfrage heute mehr», sagt er. «Ich diskutiere mehr. Ich bin ein Stück ‹parisien› geworden.» Dominiak grinst: «Inspiriert von den Franzosen ist Yannick auch ein bisschen gemeiner geworden. Aber er bleibt dabei chic.»

Der Körper setzt die Grenze

Der jahrelange Hochleistungssport belastete Bittencourts Hüfte, mit 28 Jahren erhielt er ein künstliches Gelenk. Für viele Tänzer das Ende – ein grossartiges Ärzteteam und sein eiserner Wille ermöglichten dennoch ein Comeback. Dann entschied er sich für den Abschied. «Ich wollte gehen, solange ich noch stark war.»

Daheim in Boll bei Bern unterstreicht Yannick Bittencourt, wie sehr Ballett den Körper fordert: «Man muss extrem athletisch sein, das Tanzen verlangt einem alles ab.» Er und Grégory haben mittlerweile das Pensionsalter für aktive Tänzer erreicht. Seit letztem Sommer ist das Paar zurück in der Schweiz und unterrichtet an der AS Ballett Schule – dem Lebenswerk von Bittencourts Eltern Sônia Melo (70) aus Brasilien, und Alfonso Bausilio (65) aus Italien, welche die Schule 1996 gründeten. Sie befindet sich direkt neben dem Haus, in dem Bittencourt (der Name stammt von seinem leiblichen Vater) heute mit seinem Mann und seinen Eltern lebt.

Tanzen prägt die Familie seit Generationen: Yannicks Bruder Giuseppe (28) schaffte es bis an den Broadway in New York. Und doch beweist die Familie, dass nicht jeder Weg vorgezeichnet ist – bei Schwester Simona (34) sprang der Funke fürs Ballett nämlich nie über. Mit Bittencourt und Dominiak erhält die Schule nun eine neue Handschrift – als Lehrer, kreative Köpfe und künftige Nachfolger. Ein Generationenwechsel, der nicht ganz ohne Reibung verläuft. «Es ist das Baby meiner Eltern», sagt Bittencourt. «Und jetzt wird es langsam auch unseres.» Das Loslassen geschieht Schritt für Schritt. Die Schule ist nicht das einzige Baby, das gerade entsteht. Das Paar steckt mitten in der Familienplanung – mithilfe einer Leihmutter in Mexiko. «Ein langer Prozess, aber ein Kind würde unser Glück vervollkommnen.» Von der grössten Bühne der Welt in einen Tanzsaal eines Berner Vororts. Für die beiden noch lange nicht ihr letzter Tanz und keinesfalls ein Schritt zurück. «Solange wir zusammen sind», so Yannick Bittencourt, «sind wir überall zu Hause.»

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