«Hier kann ich meine Auftritte machen»
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Interview aus dem Jahr 2024:Toni und Ruth Vescoli sind froh über ihre Gesundheit

Ruth und Toni Vescoli über das Lebensende
«Um keine Busse zu bezahlen, mussten wir heiraten»

Vor 60 Jahren mussten sie heiraten, um zusammenleben zu können. Nun feierten sie ihre diamantene Hochzeit. Der Musiker und seine Frau erzählen von ihren Ritualen.
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Ruth und Toni Vescoli mit Kurzhaar-Chihuahua Pippa zu Hause im Zürcher Oberland.
Foto: Linda Käsbohrer

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Toni Vescoli (83) und Ruth (92) feiern 60. Hochzeitstag in Wald ZH
  • Sie heirateten 1966 wegen Konkubinatsverbot, Hochzeit war spartanisch mit Rührei
  • Les Sauterelles als Vorband der Rolling Stones, grösster Erfolg «Heavenly Club»
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Andrea Butorin (Text), Linda Käsbohrer (Bilder), GlücksPost
Glückspost

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet dieser langhaarige, wilde Rockmusiker dereinst seine diamantene Hochzeit feiern wird? Toni Vescoli (83) und seine Ehefrau Ruth hatten jüngst viel zu feiern: Ruth Vescoli ist 92 Jahre alt geworden, und wenig später konnte das Paar auf seinen 60. Hochzeitstag anstossen.

In der Schweizer Showbranche gelten die beiden als Traumpaar: Stets sprechen sie liebevoll übereinander, blicken sich zärtlich an, berühren sich immer wieder. So auch an diesem Nachmittag in ihrem Zuhause in Wald ZH.

Im Stammlokal kennengelernt

Im Wohnzimmer steht eine Jukebox, die sie an ihre allererste Begegnung erinnert: «In meinem Stammlokal sah ich Ruthli an der Jukebox stehen und sagte zu ihr: ‹Frölein, Sie müend d’Rolling Stones wähle›», erzählt Toni Vescoli lachend. «Ich wähle, was ich will!», antwortete sie resolut und entschied sich für ein Lied des französischen Sängers Richard Anthony.

Mehr in der «GlücksPost»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!

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Ein Jahr später steht sie im Publikum, als Toni mit seiner Band Les Sauterelles aufspielt. Die Funken sprühen, und es bleiben keine Fragen mehr offen. In Dietikon ZH ziehen Toni, Ruth und deren beiden Kinder aus einer früheren Beziehung zusammen. Die Patchwork-Familie und Tonis Rockerleben missfallen den Nachbarn: «Wir wurden gemobbt», sagt Toni Vescoli.

Vermutlich hatte jemand die Behörden informiert, denn damals existierte im Kanton Zürich noch ein Konkubinatsverbot. «Um keine Busse zu bezahlen, mussten wir heiraten», sagt Ruth Vescoli. Die Feier vom 17. Januar 1966 fiel spartanisch aus: Kurz aufs Standesamt, danach gab es für die kleine Gesellschaft Rührei mit Tomaten-Ragout. Am Nachmittag musste Toni Vescoli an die Bandprobe. Als Trauzeuge amtete der kürzlich verstorbene Musiker und Künstler Hardy Hepp (†81), der all die Jahre ein guter Freund der Vescolis geblieben war.

Überwintern auf Teneriffa

1968 kam die gemeinsame Tochter Natalie zur Welt, die heute direkt nebenan wohnt und zum Rechten schaut, wenn die Eltern auf Teneriffa weilen. In den 1980er-Jahren hatten sich Vescolis in das kanarische Ferienparadies verliebt und sich dort ein Haus gebaut. Seither verbringen sie im Winter gern einige Monate an der Wärme. Aus Teneriffa stammt auch ihr Hündchen, die siebenjährige Kurzhaar-Chihuahua-Dame Pippa, die ständig die Nähe von Frauchen und Herrchen sucht und sich nun auf Ruth Vescolis Schoss setzt.

Die Attikawohnung des Ehepaars ist voller Erinnerungsstücke: Charaktervolle Möbelstücke zeugen von Tonis Zeit als Möbelrestaurator und von Ruths Leidenschaft für Brockenhäuser. Im Treppenhaus stehen Tonis diverse Prix Walos. An der Wand hängt seine erste Gitarre, umrahmt von unzähligen Autogrammkarten diverser Stars wie The Rolling Stones, The Beatles, Whitney Houston, Polo Hofer, Leonard Cohen oder Bob Dylan. Toni und Ruth Vescoli waren eifrige Unterschriftensammler, dabei hat Frauenschwarm Toni selber ebenfalls unzählige Autogramme gegeben.

Seine Band Les Sauterelles spielte einst als Vorband von The Rolling Stones und feierte mit dem Lied «Heavenly Club» ihren grössten Erfolg. 1971 wurde die Gruppe nach diversen Umbrüchen und Differenzen aufgelöst. Toni Vescoli aber musiziert solo unverändert weiter: So zum Beispiel am 29. Juni am Festival «Zofingen meets New Orleans».

Ihr Rezept gegen Streit

Ausgerechnet am Tag vor ihrer Hochzeit hatten Toni und Ruth Vescoli den schlimmsten Streit ihrer Beziehung: «Ruth verlangte, dass ich mich zwischen ihr und der Gitarre entscheide», erinnert sich der Sänger. Er habe geantwortet, dass der Fall klar sei, woraufhin sie Hals über Kopf ihren Koffer gepackt habe und mit dem Lift nach unten gefahren sei – um kurz darauf wieder vor der Tür zu stehen: «Ich spürte, dass sie die Grenzen ausloten musste und blieb ruhig.»

Ruth Vescoli sagt: «Früher war ich impulsiver. Dank Toni bin ich diplomatischer geworden.» Denn ihr «Antonio», wie sie ihn gelegentlich nennt, habe meistens keine Lust, sich zu streiten. Sollte es doch einmal knallen, gelte das Gesetz, nie im Streit zu Bett zu gehen. Etwas länger dauerte der Streit aber Mitte der 1970er-Jahre, als Toni seiner Frau eine Affäre gestand, die er schnell beendete, um sie nicht zu verlieren.

Abstand war eine Herausforderung

Die längste Dauer, die Toni und Ruth Vescoli je getrennt waren, war der Musik geschuldet: Drei Mal weilte Toni in Texas, um ein Album aufzunehmen. Einmal war er einen ganzen Monat dort. «Das war für mich der Horror, und ich fragte mich: Was tue ich da eigentlich ohne Ruthli?»

Wenige Dinge macht Toni Vescoli für sich allein: So liebt er zügige Spaziergänge, Pilze suchen, Krafttraining und natürlich das Musizieren. Abgesehen davon verbringen er und seine Frau den Alltag meist gemeinsam: Frühmorgens kümmert sich «Lerche» Toni erst ums Administrative, ehe er Punkt 10 Uhr seiner «Eule» Ruth den Kaffee ans Bett serviert. «Dafür unterbreche ich auch ein Telefonat, wenn es sein muss», sagt er lachend.

Ein wichtiges Ritual ist für beide, gemeinsam zu Abend zu essen und anschliessend «Schweiz aktuell», die «Tagesschau» und sonntags den «Tatort» zu schauen. Genauso gern gehen sie aber auch aus; mal um auswärts zu essen, mal an einen Anlass. «Veranstaltungspremieren sind für uns wie ein Klassentreffen», sagt er.

Der letzte Wille ist festgehalten

In ihrer 60-jährigen Ehe mussten Vescolis auch Schicksalsschläge hinnehmen. Ruths Tochter Carmen ist 1998 verstorben, und ihr Sohn Karl (67) ist durch einen Unfall Tetraplegiker geworden. Umso mehr geniesst das Paar die regelmässigen Besuche von Tochter Natalie (57) oder Enkel Vincent (28).

Denken Toni und Ruth Vescoli an ihre Zukunft, schwanken sie zwischen Pragmatismus und Respekt: «Wir haben alles geregelt», sagt er: Das Testament ist geschrieben, der letzte Wille festgehalten. Sie wünschen, dass ihre Asche dereinst verstreut werden wird. «Das ist jedenfalls im Moment unser Wunsch, aber es kann sich auch wieder ändern», sagt er. Denn allzu viele konkrete Gedanken ans Lebensende möchten sie nicht zulassen. Zum Beispiel, wie es für den einen weitergehen könnte, wenn der andere nicht mehr da ist. Toni Vescoli bezeichnet sich als gläubig, aber eher im spirituellen als im kirchlichen Sinn. «Aufgrund unseres Alters ist alles, was jetzt noch kommt, ein Bonus», sagt er. «Jedes neue Jahr ist ein Geschenk.»

«Eigentlich ist alles gut so, wie es ist»

Will sich das Paar noch einen Wunsch erfüllen? «Eine letzte Kreuzfahrt wäre toll», antwortet Ruth Vescoli spontan. «Wobei», meint sie nach kurzem Überlegen, «eigentlich hat es mir da zu viele Menschen. Eigentlich ist alles gut so, wie es ist.»

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